SPÖ-Reform von innen und/oder außen

Freundschaft!?

Leser-Kommentar | 14. Februar 2012, 10:38

Eine Kritik am medienwirksamen SPÖ-Austritt von Rudolf Fußi und ein Statement PRO Mitarbeit in der Sozialdemokratie

Werte Parteiaustretende, in letzter Zeit vernehme ich ein häufigeres Austreten aus der sozialdemokratischen Bewegung beziehungsweise zwecks rapiderer Erfolgschancen sogar Überlaufen und möchte euch auf offenem Wege darauf ansprechen.

Aus aktuellem Anlass sind die Worte von Rudolf Fußi auf derStandard.at Motivation für dieses Schreiben. Ich habe auch auf den Facebooklink Fußis mit dem öffentlichkeitswirksamen Schreiben samt gespickter Formulierungen geantwortet und die Frage nach der Lösung wurde nur mit einem mürrischen "ich glaub, die SPÖ kann man von innen nicht ändern" beantwortet. Ein marxistisches Zitat war daraufhin meine Antwort und das gleichzeitige Ende dieses Dialoges...

Ich respektiere Fußis Schritt und möchte keinesfalls, schon gar nicht im Namen der Sozialdemokratie, da ich mir dessen nicht würdig wäre, jemand "anpatzen", aber persönliche Kritik muss innerhalb einer Bewegung und daher auch außerhalb möglich sein.

Kurz zu meiner Person: ich durfte einen steilen sozialistischen Weg nach oben erfahren und war schon mit 21 Jahren Vertrauensperson (Betriebsrat) eines sehr heiß diskutierten Unternehmens (Telekom Austria AG) sowie GPF Bundesjugendvorsitzender. Sensibilisiert hat mich das Leben meiner Mutter, welches mich nach ihrem Ableben eindeutig für den Weg eines ArbeiterInnenvertreters inklusive "Bella Ciao" motiviert hat. Lange hat dieser Marsch durch die Institutionen nämlich nicht gedauert: wegen Kapitulation nach Lehrwerkstättenschließung. Der Blick in den Spiegel fällt dafür leicht. Nach einvernehmlicher Kündigung aufgrund ideologischer Unvereinbarkeit inklusive kurzfristigem Zusammenbruch des Weltbildes bin ich mittlerweile unter den Studierenden, vertrete aber dennoch bei Diskussionen eifrigst die Werte der Sozialdemokratie und versuche den Spieß umzudrehen, in dem ich den Vorwurf mache, warum man sich bei verständlicher - aber bitte konstruktiver - Kritik nicht innerhalb der Bewegung einbringt bzw. immer was Neues suchen muss.

Den jetzt aufkommenden, zweifelnden Gedanken möchte ich entgegenbringen, dass in Linz und Wien (Sektion 8) bekannte, aufmüpfige Organisationsteile gegen "Bobo"-Entwicklungen für sozialistische Politik einstehen und diese leben. Im Westen darf ich mich in Innsbruck stolz zur Sektion Dreiheiligen zählen.

Bei aller Kritik an Parteien und Entwicklungen in jenen, traue ich mich zu keinem Schluss zu kommen, wenn ich nicht ihm selben Ausmaß Fehler an mir und meinem Mitwirken suche. Schon gar nicht kann ich Entschlüsse anderer werten. Ich empfinde darüber hinaus aber diese polemischen Äußerungen samt medienwirksamer Darmentleerung als reine Selbstprofilierung. Das ist der gleiche Blödsinn wie so manches Gesetz, das die SPÖ beschließt, aber die anderen sind ja immer böser!!

Man kann die (ehrenamtliche) Arbeit für die Ideale der sozialistischen Bewegung in der Demokratie auf die unterschiedlichsten Arten leben. Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität sind die Grundpfeiler eines kleinen Buches, welches das Programm und die Geschichte beinhaltet. Beim Lesen ist klar, in welche Richtung der Weg (wieder) zu gehen hat und wie Forderungen umgesetzt wurden. Meistens war das nicht bei Glas Sekt oder Rotwein mit Kanzler, NR-Präsidentin und zukünftigem Kanzler der Fall, sondern nach langer, mühsamer Arbeit von unten.

Zugegeben: zehn Jahre Parteimitgliedschaft habe ich noch nicht erreicht, aber im September darf ich mich als zehn-jähriges Mitglied des österreichischen Gewerkschaftsbundes zählen. In dieser Zeit habe ich öfters persönlich wegen Entwicklungen der ArbeiterInnenbewegung gelitten.

Ein Zeugnis dessen, dass ich die Arbeit mit der Überzeugung "Richtige sozialistische Arbeit entflammt die Herzen, welche rot ist und links liegt" sehr ernst genommen habe. Meine Mitgliedschaft bestärkt meine Überzeugung(skraft) in Gesprächen bei voranschreitendem Fehlkurs sowie andauernder Mitgliedschaft. Nicht, weil ich der sozialdemokratische "Schläfer" sei, sondern, weil ich mit der Geschichte im Rücken, wissend, dass Sozialdemokratie Politik für die Mehrheit der Bevölkerung ist, reinen Gewissens agieren kann und darüber hinaus das sozialistische Denken fördern will. Es geht hier nicht um persönliche Erfolgschancen. Ein guter, wachsender Kreis muss sich der sozialistischen Bibeln inklusive Karl Marx widmen und mit gutem Beispiel vorangehen, um zu zeigen wie Politik funktioniert und proletarische Massen (wieder) begeistern kann. Zurück in die Zukunft mit dem Linzer Parteipogramm!

Zum Schluss möchte ich Betroffenen ebenfalls den persönlichen Rat an Fußi nahelegen, Viagra zu konsumieren, wenn es Probleme bei der Standhaftigkeit geben soll oder sind wir nur "so" solidarisch, dass der Weg nur in guten Zeiten gemeinsam beschritten wird? "Freundschaft?!" (Leserkommentar, René Fischer, derStandard.at, 14.2.2012)

Autor

René Fischer (geb.1986) ist  Jus-Student an LFU Innsbruck. Er fungierte 2002 bis 2006 als Vorsitzender des Jugendvertrauensrates der Telekom Austria AG und war erster ordentlicher GPF Bundesjugendvorsitzender.

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1116er
01
15.2.2012, 09:18
natürlich kann man die mühen der mitarbeit in sektionen auf sich nehmen

aber wenn man sich berufen fühlt, dem land als minister oder mehr zu dienen, ist das schon eine ziemliche grablerveranstaltung: mit anderen diskutieren, sie mit argumenten überzeugen, klinken putzen....
nein danke, ich hätte lieber einen chauffeur und einen sekreteur und noch viel meur!

funkenschuster
02
15.2.2012, 08:10

Fortsetzung: aber Achtung. Die Österreicher erkennen einen Unternehmer noch nicht einmal mehr wenn sie einen sehen. Nicht die Parteifunktionäre in der Wirtschaftskammer ind Unternehmer, das sind Parteisoldaten. Nicht die Manager von Banken, der Telekom oder der OMV sind Unternehmer - das sind überbezahlte Beamte und Lakaien. Und auch die Bezieher von grossen Subventionen aud Förderungen sind keine Unternehmer. Das sind Parasiten.

Ein Unternehmer ist der kleine Tischler der zwei Angestellte durchbringt, der ehemalige Angestellte der ich mit einer guten Idee selbstständig macht, der Student der ein kleins IT Unternehmen gründet. Jede Hausfrau ist eine wesentlich ehrlichere Unternehmerin als unsere Beamtenstars. Die Politik ist die Kirsche.

funkenschuster
00
15.2.2012, 08:04

Hier gehts gar nicht so sehr um die SPÖ. Die ist nach vielen Jahrzehnten an der Macht verrottet wie das jede Partie nach einer solchen Periode am Trog wäre. Die Schüssel Pause hat zur Selbstreinigung nicht annähernd gereicht.

Es geht um die Österreicher den egal welcher couleur ein Politiker heute ist, sie schauen alle so erschreckend gleich aus. Es geht immer nur um die öffentlichkeitswirksame Schnellbedienung der Massen und die peinlich Erhaltung des Status quo. Auch bei Strache und co ist das nicht ein Deut besser.

Veränderung beginnt am besten bei sich selbst. Sobald die Masse der gelernten Österreicher beginnt, nicht mehr systemerhalterisch zu denken sondern endlich echtes Unternehmertum Einzug in die Köpfe hält, wird sich was tun.

Almi66
01
15.2.2012, 07:08
Solange Rudas, Faymann und Co. alles Kritische fürchten,...

werden Sie, bei allem Respekt vor Ihrem Engagement, nicht nur berufspolitisch leer ausgehen, sondern auch nichts verändern.

Der Fisch fängt beim Kopf zu stinken an, weshalb Sie auch sehr acht geben sollten, dass Ihre eigenen Flossen nicht auch bald vom Geruch der politischen Beliebigkeit infiziert werden.

Obwohl: Solidarisch stinkt es sich leichter, und erfolgreicher...,?!

starship
 
03
15.2.2012, 02:47
die erste reihe der SPÖ besteht aus politischen zombies...

nur junge revoluzzer und echte staatsmänner und -frauen können die sozialdemokratie noch retten.

hoffentlich erblüht bald wieder echtes leben dort. die republik könnt´s brauchen.

freundschaft.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
01
15.2.2012, 00:43
Der zustand der spö ist schon besorgniserregend:

wenn die merkwürdige, äusserst bürokratische mietervereinigung die spö-kaderschmiede sein soll u. zb. manche hausbesorgerInnen ärger als arge hauseigentümer sind u. sich als mieterfrozzler auffassen dürfen u. sich systematisch auf kosten u. zu lasten der mieter ausagieren -wie z. b. bei wiener wohnen - dann wird es schmutzig in der partei u. in vielen wohnhäusern...
Schön wäre eine echte sozialdemokratie schon!

habicht
11
14.2.2012, 23:45
die SPÖ soll sich einmal selbst hinterfragen

Der SPÖ müsste es doch zu denken geben, daß das ganze Protestpotenzial statt zu den Grünen in Richtung FPÖ abdriftet(schön zu sehen in den Wiener Arbeiterbezirken).
Was wird da wohl die Ursache sein?
Auch wenn es Häupl & Co nicht wahrhaben wollen - diese übertriebene und kostspielige Migrationspolitik wird gerade in diesen schwierigen Zeiten ganz klar abgelehnt!
Was zuviel ist, ist eben zuviel, man hört ja auf der Strasse oder in der U-Bahn schon fast kein deutsches Wort mehr!
Die Wiener Lebensart geht schön langsam vor die Hunde, wer will das schon?

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
02
15.2.2012, 00:47

- das problem sind weniger zuwanderer als die teile der politik, die möglichst grosse zuwanderergruppen für parteipolitische zwecke vor ihren karren spannen wollen.

paradiselost
07
14.2.2012, 23:10
"Ein guter, wachsender Kreis muss sich der sozialistischen Bibeln inklusive Karl Marx widmen und mit gutem Beispiel vorangehen, um zu zeigen wie Politik funktioniert und proletarische Massen (wieder) begeistern kann. Zurück in die Zukunft..."

feiner stammbuchspruch für die derzeit agierenden personen in der löwelstrasse, junger mann!

ihr engagement beeindruckt mich – auch wenn es erst 10 jahre andauert. meins dauerte 4 jahrzehnte – 25 jahre partei-, 20 jahre gewerkschaftsarbeit. ehrenamtlich, neben studium und forderndem beruf. ohne vitamin "P". ich bin müde.

„damals“ wurde zuerst intensiv diskutiert – über marx, adler, otto bauer und die gegenwart. schuld und sühne. und über parteiprogramme und regierungsarbeit.

zunehmend verlagerte sich die diskussion auf „karrieren“ und pfründen. heute sind die kinder der diskutanten und karrieristen von damals in die funktionen nachgerutscht – ohne ideologische diskussion vor-/nachher.

ich will nicht mehr. ihnen trotzdem viel glück!

David-Lauritz
21
14.2.2012, 23:04
Kampagnenjournalismus!

Der rote Standard berichtet wieder einmal über seine Lieblingspartei. Manipulative Berichterstattung einer selbsterwähnten Qualitätszeitung.

mother miles
00
15.2.2012, 05:08

schau in die krone!

Der reiche Onkel aus Amerika
01
14.2.2012, 23:23

was ist an leser-kommentar so schwer verständlich?

f l o
 
09
14.2.2012, 22:51
was ist denn hier passiert?

wie ist denn dieser text in den standard gerutscht?

schlimm genug, wenn arme, junge menschen keine sprachlich und inhaltlich sinnvollen texte formulieren können, aber muss man sie wirklich auch noch öffentlich bloßstellen, indem man ihre sprachverrenkungen dann öffentlich publiziert?

seid nett zu dem buben und nehmt den artikel hier runter.

Android1337
00
15.2.2012, 06:16

Ging es ja doch nicht nur mir so. Katastrophale Satzkonstruktionen.

baneck08
30
14.2.2012, 21:06
Sektion8 "gegen" Bobos ???

LOL

Sektion8 = Bobo !

Hlsebastian
22
14.2.2012, 20:21
Lieb ... das wird den Tod der Sozialdemokratie aber nicht aufhalten.

ulli zeller
02
14.2.2012, 20:03

wenn man die grundwerte der sozialdemokratie wirklich schätzt, bedauert man natürlich besonders, mit welchen obersten vertretern dieser partei man derzeit konfrontiert wird. trotzdem findet man in der spö auch heute politiker/funktionäre, die man ehrlich schätzt und unterstützt. leider finden die halt kaum eingang in die spitze (kritik -auch noch so konstruktive - wird als parteischädigend geahndet). ich wünschte mir schon lange ein persönlichkeitswahlrecht, um die positiven erscheinungen hinaufzubringen. da wären etliche genossen ihr warmes platzerl schnell los.

Der reiche Onkel aus Amerika
01
14.2.2012, 20:02

wenn ihr schon leserkommentare veröffentlicht, dann tut denjenigen, die das journalistische schreiben nicht gelernt haben, doch bitte einen gefallen und lasst die artikel durchs lektorat laufen.
danke

Rent a Democracy
12
14.2.2012, 16:52
Jeder Mensch hat halt Grenzen,

an denen er ganz einfach aufgibt. Die von Hrn. Fussi ist halt scheinbar erreicht. So leicht wird er es sich wohl auch nicht gemacht haben. Und es ist immer noch besser, sich zu verabschieden und eine aufrechte linke Gesinnung zu behalten als so ein mieser verräterischer Systemkriecher zu werden, um halt von der Partei auf einen Versorgungsposten gesetzt zu werden. Und ja, es gibt so Scheißvereine, die man von innen nicht verändern kann - diese Erfahrung muss Hr. Fischer vielleicht erst einmal selbst machen. Solche Strukturen müssen zerstört werden, damit etwas neues entstehen kann. Die SPÖ ist vielleicht so eine.

In einem stimme ich vorbehaltlos zu: Marx ist Pflicht. Idealerweise unter Begleitung des Kommentars von Michael Heinrich.

Plinius
114
14.2.2012, 16:07
das Hauptproblem ist...

...m.Ea. darin zu suchen, dass eine Clique von Funktionären, die ideologisch völlig wertfrei sind, es verstanden hat sich die Partei untertan zu machen. Der Rest ist Kadavergehorsam.
Es gibt keine politischen Schulungen, niemand kann eine Antwort darauf geben wenn gefragt wird "warum sind wir Sozialdemokraten und wohin soll der Weg gehen". Es wird pragmatisch gewurschtelt und verwechselt das mit Politik.
Ein Parteivorsitzender und Kanzler der einen Kotau ohnegleichen hingelegt hat (vor der Krone), der Abstieg der Sozialdemokraten ist atemberaubend.

Es wäre dringend erforderlich eine Linkspartei zu gründen die sich tatsächlich um jene kümmert die sie wählen...

Moneymaker
110
14.2.2012, 16:27
Die SPÖ wird von Personen dominiert,

die ihre gesamte Berufslaufbahn der Partei verdanken, wo interne Seilschaften und verwandtschaftliche Beziehungen über Karrierechancen entscheiden. Werner F., Laura R., Doris B. & Freunde haben nur mehr minimale Berührungspunkte mit den Interessen jener Wähler, die sie vorgeben zu vertreten.

Erst wenn die SPÖ wieder für gerechte Bezahlung von Leistung, Chancengleichheit und Offenheit in gesellschaftspolitischen Fragen eintritt, wird es ihr auch gelingen, wieder einen breiten Mittelstand für ihre gesellschaftspolitischen Positionen UND Solidarität mit den sozial Schwachen zu gewinnen.

zinn glaeckl
07
14.2.2012, 20:48
Sie vergaßen die dickste Made im Speck:

Josef Cap

Seth Gecko
02
14.2.2012, 21:32
dann müssens blecha aber auch nennen

andkos
07
14.2.2012, 16:35
tja

und wo kommen diese ideologisch wertfreien vollkoffern alle her? richtig, aus wien! es ist die wiener partei, die diesen mist hochzüchtet (und teilweise die niederösterreicher) und es sind die anderen landesparteien, die dies über sich ergehen lassen! das ist genauso sträflich

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
14.2.2012, 15:41
Fehlersuchen nicht nur für rote Jus-studenten.

"Bei aller Kritik an Parteien und Entwicklungen in jenen, traue ich mich zu keinem Schluss zu kommen, wenn ich nicht ihm selben Ausmaß Fehler an mir und meinem Mitwirken suche. Schon gar nicht kann ich Entschlüsse anderer werten. Ich empfinde darüber hinaus aber diese polemischen Äußerungen samt medienwirksamer Darmentleerung als reine Selbstprofilierung. Das ist der gleiche Blödsinn wie so ..."

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