NASA steigt aus Marsmissionen mit ESA aus

14. Februar 2012, 14:26
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Budget der Weltraumbehörde zusammengekürzt - NASA-Rückzug kommt ESA teuer zu stehen

Washington - Die US-Weltraumbehörde NASA steigt aus Spargründen aus zwei geplanten gemeinsamen Marsmissionen mit der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA aus. Das gab NASA-Chef Charles Bolden am Montag bekannt. Grund für den Schritt sind demnach tiefe Einschnitte im Etatplan 2013 im Bereich der Planeten-Erforschung.

Das zweistufige Marsprojekt "ExoMars" unter Federführung der ESA sieht die Entsendung eines Orbiters 2016 vor. Die zweite Mission 2018 zielt auf die Landung eines Rovers auf dem Planeten ab: Er soll Gesteine und Bodenproben zur späteren Beförderung auf die Erde sammeln. Insgesamt soll das Projekt mehr Informationen über unseren Nachbarplaneten liefern und etwaige Spuren von Leben - fossile oder auch aktuelle Lebensformen - finden.

Raketen, Instrumente, Landesystem

Dem Internetportal Space.com zufolge war vereinbart, dass die NASA die Raketen, das Landesystem für den Rover sowie eine Reihe von Instrumenten für beide Missionen zur Verfügung stellt. Der Beitrag der NASA sollte sich demnach auf 1,4 Milliarden Dollar (knapp 1,1 Milliarden Euro) belaufen, die ESA sollte 1,2 Milliarden hinblättern. Offenbar rechnet sich die russische Konkurrenz schon aus, in die Bresche springen zu können: Just am vergangenen Donnerstag teilte Roskosmos-Chef Wladimir Popowkin mit, dass bereits Verhandlungen mit der ESA über einen Einstieg in das zweistufige "ExoMars"-Projekt liefen.

NASA-Ausstieg kommt ESA teuer zu stehen

Der Schritt der Amerikaner bringt die ESA trotz laufender Verhandlungen mit Russland in eine Zwickmühle: Eine Einstellung der Mission würde den Verlust der bisher geleisteten Vorarbeiten bedeuten. Auch eine Terminverschiebung auf 2018 und 2020 wäre keine Option. "Dies würde bedeuten, dass wir die Teams, die an dem Projekt arbeiten, für zwei weitere Jahre beisammen halten müssten und dies würde weitere Kosten verursachen," erklärte ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain in einem Interview nach dem erfolgreichen Start der "Vega"-Rakete am Montag in Kourou.

Die Finanzierung von "ExoMars" stand von Beginn an auf wackeligen Beinen. Auch die ursprüngliche Beteiligung der NASA hatte nichts daran geändert, dass die ESA Probleme hatte, ihren Anteil an der Mission zusammenzukratzen. Selbst wenn Russland nun in die Bresche springen sollte, ist das Projekt keinesfalls gesichert.

Zwar sei Roskosmos in der Lage, die "Atlas"-Raketen der NASA durch russische Proton-Raketen zu ersetzen, doch mit dem versprochenen "Sky Crane"-Landsystem der NASA, das auch bei der Landung des Marsrovers "Curiosity" zum Einsatz kommt, würde nun trotzdem ein unverzichtbarer Teil des Projektes fehlen. "Russland kann beinahe alles von dem ersetzen, was die NASA geliefert hätte, außer das Landesystem," erklärte Dordain. "Das ist etwas, das wir wohl nun selbst entwickeln müssen - und damit wird unser finanzieller Anteil am 'ExoMars'-Projekt steigen. Um wie viel, das müssen wir erst sehen," so Dordain.

Haushaltsentwurf

Insgesamt sieht der von US-Präsident Barack Obama vorgelegte Haushaltsentwurf für das am 1. Oktober beginnende Fiskaljahr 2013 17,7 Milliarden Dollar für die NASA vor. Damit liegt der Plan zwar nur um 59 Millionen Dollar unter dem laufenden Etat 2012, aber die Gewichtung der Ausgaben verschiebt sich in Richtung Raumfahrttechnologien und bemannter Missionen. So sieht der Obama-Entwurf, der noch vom Kongress gebilligt werden muss, Kürzungen bei der Planeten-Erforschung um gut 20 Prozent vor, während etwa 22 Prozent mehr für Technologien ausgegeben werden soll, wie etwa Space.com erläuterte.

Bolden selbst sagte: "Es gibt keinen Zweifel daran, dass harte Entscheidungen gefällt werden mussten." Aber er sprach insgesamt von einem "stabilen Budget, das es uns erlaubt, eine Reihe verschiedener Dinge zu verfolgen". In der offiziellen Stellungnahme wird mit diesem Budget das "In-Sourcen" von Arbeitsplätzen und die "Stärkung der erwerbstätigen Bevölkerung im Land" betont - während gleichzeitig das "nächste große Kapitel der amerikanischen Erforschung" geöffnet werde, so Bolden.

Details

Der "Washington Post" zufolge wird das Mars-Programm der NASA von 587 Millionen Dollar auf 361 Millionen gekürzt. Damit habe der geplante "Hubble"-Nachfolger - das "James Webb"-Weltraumteleskop, das derzeit in Entstehung ist - das Rennen vor dem Roten Planeten gemacht. Was die bemannte Raumfahrt angeht, soll ein Raumfahrzeug (die Orion-Kapsel) sowie eine neue riesige Rakete ("Space Launch System") entwickelt werden. Auch das Programm, das private Unternehmen bei der Entwicklung von Raketen und Kapseln unterstützt, die eines Tages zur Internationalen Raumstation ISS fliegen sollen, wird den Angaben nach fortgesetzt.

Das Budget fördert zudem die ISS, "um das Leben auf der Erde zu verbessern" und um zu helfen, "die nächsten großen Schritte wissenschaftlicher Entdeckung und Erkundung zu machen", heißt es von Seiten der NASA. Weitere Einsparungen werden in der Administration, durch die Entledigung veralteter Anlagen sowie durch Kürzungen des NASA-Bildungsprogramms erzielt.

Das künftige Nahziel der NASA dürfte also der nähere Weltraum sein, auch wenn sich die US-Behörde damit zumindest kurzfristig nicht aus der Erforschung des Roten Planeten zurückzieht. Einerseits rollt "Opportunity" seit acht Jahren über den Mars-Boden und andererseits wird mit August der deutlich schwerere und technisch hochwertigere Rover "Curiosity" beim Mars eintreffen - wie wohl die Landung einer der kritischsten Missionspunkte ist. Längerfristig ist von "neuen Destinationen" die Rede, von Asteroiden und 2035 auch dem Mars - wohl bemannt. (APA/red)

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