Die Viveiros-Demontage

Hannes Biedermann, 13. Februar 2012, 20:25
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    foto: derstandard.at/hannes biedermann

    Übersicht: Die Bilanzen der letzten KAC-Trainer

Nach 352 Spielen endet die Ära von Emanuel Viveiros als KAC-Trainer. Eine kommentierte Zusammenfassung der Ereignisse in unserem Eishockey-Blog

Eine der schönsten Eishallen Europas in Wien, ein auf Red Bull-Millionen aufgebauter Serienmeister in Salzburg - die in der jüngeren Vergangenheit am Himmel des österreichischen Eishockeys aufgegangenen Sterne strahlen hell, die Leuchtkraft des Rekordmeisters aus Klagenfurt erreichen sie jedoch nicht. Dieser holte sich 1934 als erster nicht in der Bundeshauptstadt beheimateter Verein den Meistertitel, ließ bis 2009 ganze 28 weitere folgen und wurde so nicht zuletzt über die Schiene Erfolg zum Mythos im nationalen Eishockeygeschehen. Unverändert ist es der KAC, der unter allen Klubs der Liga das größte öffentliche Interesse weckt und der niemanden so richtig kalt lässt.

Imageprobleme

Doch sind es im Spieljahr 2011/12 bisher nur selten sportliche Glanzlichter, die für die intensivsten Diskussionen rund um den Verein sorgen, denn die „Alte Dame" kehrte in dieser Saison einmal mehr ihre schrulligen Seiten hervor. In der zur Provinzposse verkommenen Frage nach dem längst fälligen Neubau einer Eishalle mag dem Klub zwar nur schwerlich die Hauptverantwortung zuzuschieben sein, seinem Image schadet das sich seit Jahren hinziehende Theater trotzdem. Viel schwerer wiegen jedoch die vereinsinternen Entwicklungen der vergangenen Wochen, die vor allem Konzeptlosigkeit aber auch Führungsschwäche erahnen lassen und am Montagvormittag in der Ablöse von Trainer Emanuel Viveiros gipfelten.

Meister- und Nationaltrainer

Schon in seinen sieben Jahren als Spieler der Rotjacken (256 Spiele, zwei Meistertitel) trotz Vergangenheit beim Lokalrivalen Villach zur Klublegende avanciert, wurde der gebürtige Kanadier zum längstdienenden Trainer der Bundesligageschichte des KAC. In insgesamt 352 Spielen der Erste Bank Eishockey Liga stand Viveiros an der Bande, feierte dabei 204 Siege und führte den Verein 2009 zu seinem bislang letzten Meistertitel. Als die Wiederholung dieses Kunststücks im April 2011 erst in der Verlängerung des siebten und entscheidenden Finalspiels scheiterte, tat dies seiner Karriere keinen wesentlichen Abbruch. Einer völlig verkorksten Weltmeisterschaft in der Slowakei folgte der große Umbau im Nationalteam, an dessen Spitze Viveiros nun seit September und mit einem Vertrag über drei Jahre ausgestattet als Cheftrainer steht.

Schlechte Kommunikation

Doch in seinem zwölften Jahr beim Verein wollte es für den 46jährigen heuer nie so richtig laufen. Zwar qualifizierte sich der KAC weitestgehend souverän für die obere Gruppe der Zwischenrunde und somit vorzeitig für die Play-Offs, seither sank die Erfolgsquote jedoch kontinuierlich ab. Unwürdige Performances der Special Teams in Über- und Unterzahl gepaart mit einem angesichts des enormen spielerischen Potentials in den Sturmreihen äußerst bescheidenen Output in der Offensive waren die Hauptkritikpunkte an der Arbeit des Trainers. Nach einer 0:3-Niederlage in Zagreb am vergangenen Sonntag war seine Uhr trotz eines bis ins Frühjahr 2015 gültigen Vertrags abgelaufen, so entschied es die Vereinsführung in einer tags darauf eilig einberufenen Sitzung. Als am Dienstag lokalen Medien eine recht eigenwillige Interpretation des Outcomes der Beratungen des Vortages zugespielt wurde, sah sich der in der jüngeren Vergangenheit ohnehin selten um einen Sprung ins Fettnäpfchen in Sachen Öffentlichkeitsarbeit verlegene Klub mit einem strategischen Dilemma konfrontiert. Die neue Losung lautete auf „eine Frist von zwei Spielen, binnen derer eine Leistungssteigerung erkennbar sein muss".

Nun Sportdirektor

Ein solider Auswärtsauftritt in Salzburg am Freitag (1:2-Niederlage) und ein souveräner 7:3-Heimerfolg über Ljubljana am Sonntag waren zu wenig Steigerung, vor dem Vormittagstraining am heutigen Montag wurde die Mannschaft darüber informiert, einen neuen Trainer zu haben. Dass die entsprechende Erklärung von Manager Resei mit den Worten „wie ihr schon aus den Medien erfahren habt" eröffnet wurde und einem sichtlich gezeichneten Viveiros anschließend vor versammeltem Team der Wechsel in die Position des Sportdirektors als klubinterner Aufstieg verkauft wurde, passt in das Bild der momentan vorherrschenden Kommunikationskultur beim KAC. Die Ära des am längsten amtierenden KAC-Trainers war somit nach 352 Spielen (Anm.: Lars Bergström 216, Herbert Pöck 173, Bill Gilligan 157) zu Ende, in den verbleibenden mehr als drei Jahren seiner Vertragslaufzeit beim Rekordmeister wird Emanuel Viveiros eine andere Position im Klub einnehmen - und sich auch umfangreicher um seine Aufgaben als Nationaltrainer kümmern können.

Interne Nachbesetzung

Zu einem ebenso ungewöhnlichen wie ungünstigen Zeitpunkt - lediglich ein Spiel vor dem Play-Off-Beginn - übernimmt nun der bisherige Trainer des in der Nationalliga aktiven KAC-Farmteams die Nachfolge: Der Schweizer Christian Weber (47) kam im Sommer 2011, nachdem sich unter anderem ein Engagement als Head Coach bei einem anderen österreichischen EBEL-Klub zerschlagen hatte, nach Klagenfurt, wo er die einst hoch dekorierte, in den letzten Jahren hinsichtlich ihres Outputs an hoffnungsvollen Talenten aber bescheiden erfolgreiche Nachwuchsabteilung modernisieren sollte. Parallel dazu wurde er zum Cheftrainer des österreichischen U20-Nationalteams ernannt. Dem Verband wie auch dem KAC gelang damit ein guter Fang, gilt Weber doch als einer der besten Coaches Mitteleuropas, wenn es um die Entwicklung und die Schulung vielversprechender Nachwuchscracks geht.

Umstrukturierung wohl weiterreichend

Die Qualität seiner Arbeit erkannte man auch in Klagenfurt, erst vor zwei Wochen unterzeichnete der Schweizer einen neuen Drei-Jahres-Vertrag als hauptamtlicher Nachwuchsleiter des Rekordmeisters. An diesem wird sich vorerst auch nichts ändern, Weber übernimmt die Kampfmannschaft des KAC vorerst bis zum Saisonende, erst danach erfolgen neue Weichenstellungen. Diese werden aller Voraussicht nach auch Gerald Ressmann betreffen: Obwohl eigentlich für organisatorische Belange zuständiger Nachwuchschef, fungierte der gebürtige Villacher unter Viveiros als Co-Trainer des EBEL-Teams, da er sein strategisches Geschick auch abseits der Trainerbank nur allzu gerne unter Beweis stellte, regte sich in Mannschaftskreisen zuletzt jedoch vermehrt Kritik an seiner Person. Ob und wie lange er weiter als Assistent auf der KAC-Bank stehen wird, bleibt abzuwarten und wird der neue Cheftrainer zu entscheiden haben.

Handlung logisch, Vorgehensweise nicht

Nach einem enttäuschenden Saisonverlauf - das strafverifizierte Spiel in Zagreb nicht mit eingerechnet, stehen 24 Siegen ebenso viele Niederlagen gegenüber - hat der Rekordmeister die Reißleine gezogen. Die Art und Weise, wie der Trainerwechsel im Laufe der letzten Woche scheibchenweise vollzogen wurde, dokumentiert jedoch nicht nur die fatale Kommunikationspolitik des Klubs, sie stellt auch eine faktische Demontage einer Klublegende dar. Zwar ist weder der hochdotierte Profisport ein Platz für Sentimentalitäten, noch stimmten in diesem Jahr die von Emanuel Viveiros zu verantwortenden Leistungen, letztlich erinnern die Vorgänge der letzten Woche jedoch stark an den Umgang mit so mancher personellen Veränderung beim KAC im Laufe der letzten zwei Dekaden. Auch darüber sollte im Sommer am Wörthersee der eine oder andere Gedanke verloren werden. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 13.Feber 2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 62
1 2
jeff5
02
14.2.2012, 18:39
der artikel ist gut geschrieben.

aber für mich als caps-fan ist es eigentlich interessant, wie schlecht das kac-management agiert.

super-fans (danke das ich schon bei einigen derbys gegen villach dabei sein durfte), super nachwuchs (beliefert ja ganz österreich) aber komische funktionäre.

Uljanovnig
31
14.2.2012, 16:50
KAC ist Philosphie.

Und da gehören negative Seiten wie Dr. Reichel einfach dazu.

exilkaerntner
00
14.2.2012, 17:57
also für diesen rein philosophischen zugang zum...

thema kann ich mich nicht erwärmen.

Andreas Unterweger
00
14.2.2012, 14:04
vielleicht sollte die Mannschaft auch umstrukturiert werden ???

Br
Ka
Ko

etc.??

Meinhart S. Rohr
00
14.2.2012, 13:42

eine bewerbung als presse-chef?

derreporter
22
14.2.2012, 12:50
Schlechte Optik, liebe Kärntner

Es wäre nur fair gewesen Viveiros als Trainer die Saison fertig arbeiten zu lassen. Was soll denn sein Ex-Co jetzt im Viertelfinale groß anders machen? Anschließend hätte man Viveiros mit dem Hinweis er brauche mehr Zeit fürs Nationalteam zum Sportdirektor befördern können. Das hätte Stil gehabt, und Viveiros wäre als Nationalteam-Coach nicht beschädigt gewesen, was er jetzt leider ist.
Aber schon der Name des KAC-Vizepräsidenten sagt alles. Wir in Linz haben auch einen Reichel. Wenngleich auch beim Fußball ...

derreporter
01
14.2.2012, 17:51

die beiden roten Stricherl von den beiden Reichels?

tiqui taca
03
14.2.2012, 12:23
manchmal ist es echt schwer kac fan zu sein

v.a. weil sich viele dinge wiederholen. alleine wenn ich dran denke wie ein andi puschnig abmontiert wurde. auch wenn er schon seinen zenit überschritten hatte - ihn während der saison vor die türe zu setzen war echt das letzte.
dann heuer die groteske um den ausbildungsbeitrag von jungen kaderspielen wie dem kleinen schumnig.
und das offensichtlich beim kac heuer mit mv der wurm drinnen ist, war schon lange erkennbar. aber da hätte man wenn schon früher handeln müssen od. die saison mit mv bis zum (möglicherweise bitteren) ende fertig spielen müssen.

Aux armes, citoyens
00
17.2.2012, 10:09

Die Verletzung von Tyler Spurgeon hat einige Mißstände aufgedeckt, aber ob man dafür MV verantwortlich machen kann?
Sicher zu einem Teil. Aber wären unsere Funktionäre nur zu einem Teil so professionell wie MV gewesen stünden wir nicht vor diesem Dilemma.

Und den Reichel werden wir erst los wenn die gute Heidi das Zeitliche segnet.

Kimi
00
14.2.2012, 16:32

puschnig war für nix mehr gut damals, so ehrlich muss man sein - das war aber eigentlich vorher schon klar. und ich bleibe dabei: das einzige was man mv vorwerfen kann ist, dass er aufgrund der ewig langen verletztenliste die linien extremst durchgewürfelt hat. ich habe nicht vergessen das diese mannschaft (von ihm zusammengestellt und ja.. trainiert..) in bestbesetzung die tabelle vor linz angeführt hat. und ich habe auch nicht vergessen wo der kac vor mv rumgekrebst ist. was der vsv jetzt mitmacht... "wir" kennen das schon, ist beileibe kein kärntner novum.

Clint
00
14.2.2012, 14:25
ad puschnig

muss man schon dazusagen, dass er dazwischen rund 10 Saisonen anderswo gespielt hat. Also Treuebonus - sollte es einen geben - verspielt. Und der Vater war halt kein Funktionär a la Kalt oder Reichel ...

exilkaerntner
02
14.2.2012, 13:23
das ende wird heuer eh bitter.

nicht so bitter als das ende bei den schlümpfen. aber bei den handelnden personen haben wir nächste saison ein ähnliches schicksal wie der VSV heuer vor uns! darauf kann man fast gift nehmen.

exilkaerntner
02
14.2.2012, 10:18
sehr pointierter artikel!

und meine alte liebe -aka die alte diva- eine alte dame mit schrulligen seiten zu bezeichnen ist wohl der treffenste satz des ganzen artikels. damit wurde eigentlich alles gesagt.
mv weglobung zum sportlichen direktor war nur eine homäopathische behandlung der neben symptome denn eine richtige behandlung der krankheit an der der KAC nicht erst seit dieser saison leidet.
das zerren vom rekordmeistermythos
handelnde personen, die kein kaufmänisches wie kommunikatives talent haben.
eben diese "provinzkaiser" die ihre entscheidunge weitestgehend wie der oberste sowjet treffen und über alles und jeden -vorallen das lumpenproletariat genannt FAN- drüberfahren
genau dies sind die faktoren an der der KAC krankt!

thaelmann-ernstl
10
14.2.2012, 11:33

gestern hat ein journalist gemeint, anscheinend hat man den mv schon vor wochen gekündigt, nur hat man sich anscheinend vor dem spiel auf die finanzielle entschädigung geeinigt, dürft anscheind die einzige erklärung für so ein verhalten sein....(zahlen die playoff abos scheint :-))

exilkaerntner
00
14.2.2012, 13:09
nichts ist ausgeschlossen

mit solchen entscheidungsträgern im präsidium!
s'peinlich! kann man da nur sagen.

wolfetone
 
00
14.2.2012, 16:36
s'peinlich!

Woher kommt eigentlich dieser neue Modeausdruck, den man landauf, landab plötzlich immer wieder in Verbindung mit Eishockey liest?

maple_leaf
01
14.2.2012, 18:30

Er wird auch landauf landab falsch geschrieben.

Wennschon, dann: 's peinlich.

Hannes_Biedermann
00
14.2.2012, 16:43

Von Philipp Lukas, siehe hier: http://www.youtube.com/watch?v=Q8eXF86Z6_U (ab 0:40)

Gonzalo Gerardo
00
14.2.2012, 11:37

er hat aber fairerweise gesagt: "...so könnte es auch gewesen sein".

normalerweise brauch ich da keine Wochen um eine sich anbahnende Katastrophe, für beide Seiten, finanziell auszuverhandeln.

thaelmann-ernstl
00
14.2.2012, 12:42

vielleicht mußten sie vorher noch mit dem kundenberater auf der ersten bank sprechen oder die heidi war im ausland...was auch immer....

Clint
03
14.2.2012, 09:56
Klublegende ?

die sehen anders aus ...

ice daisie
00
14.2.2012, 09:55

was mir am besten gefällt ist, daß wir jetzt als verbandstrainer einen haben, der gerade im klub abserviert wurde.
soll keine wertung sein, wer jetzt wie im recht ist, aber ich find die konstellation schmuck.
macht die arbeit im verband sicher einfacher und die erfolge des nationalteams sind nur mehr eine frage der zeit :D

Gonzalo Gerardo
00
14.2.2012, 10:43

Der Eine ist hier sportl. Leiter und dort Coach, während der andere dort Coach und hier Co-Trainer ist.
Aber die werden uns erklären, dass das kein Problem, Conflict of Interest oder Schmarren ist, sondern ganz im Sinne von hier und vor allem da.

Bravo KAC, bravo ÖEHV! Gut gemacht, wie immer!

thaelmann-ernstl
10
14.2.2012, 11:13

der weber ist auch beim team? ich hab das gestern das erste mal bei der diskussion auf servus tv gehört.

ich dachte immer der daum ist assi vom manny im team, so kann man sich irren....

exilkaerntner
00
14.2.2012, 11:34
daum ist bei den senioren!

so weit ich weis ist weber coach der U20

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