UN-Kommissarin sieht "Todesschuss-Taktik"

13. Februar 2012, 19:48
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Navi Pillay: Kinder wurden inhaftiert - Krankenhäuser werden beschossen oder als Internierungslager zweckentfremdet

New York - Das Regime in Syrien schießt nach Angaben von UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay gezielt auf unbewaffnete Demonstranten. Die Regierung verfolge eine Todesschuss-Taktik, sagte die Südafrikanerin am Montag vor der UN-Vollversammlung in New York. "Ohne Warnung wird auf Menschen geschossen, die friedfertig für ihr Recht eintreten."

Die Führung in Damaskus gehe mit Panzern, Artillerie und Scharfschützen gegen unbewaffnete Demonstranten vor. Zudem gebe es Verhaftungswellen. Die Proteste seien weitgehend friedlich, in letzter Zeit werde der bewaffnete Widerstand aber größer. Die von den Vetomächten Russland und China abgelehnte UN-Resolution habe das Regime noch ermutigt: "Die Gewalt reißt nicht ab, sie wird schlimmer."

"Allein im vergangenen Jahr sind 5.400 Menschen ums Leben gekommen, vor allem Zivilisten und Soldaten, die nicht auf Zivilisten schießen wollten." Es sei praktisch unmöglich, diese Zahl zu aktualisieren, weil das Regime allen Beobachtern den Zugang verweigere. "Aber wir wissen, dass es jeden Tag mehr werden."

In Haft seien auch Kinder, die jüngsten gerade zehn. Bis Ende Jänner seien mehr als 400 Kinder getötet worden. Es gebe Berichte über sexuelle Misshandlungen und Vergewaltigungen in Haft. Opfer seien auch Männer und Kinder. Nach Pillays Worten tragen vor allem Zivilisten die Last der Kämpfe. Auch Krankenhäuser würden beschossen oder als Internierungslager zweckentfremdet.

Syriens UN-Botschafter Bashar Jaafari wies die Vorwürfe zurück. Sein Land kämpfe nur gegen Terroristen. Der von der Arabische Liga vorgeschlagene Einsatz von UN-Blauhelmsoldaten zum Schutz der Demonstranten sei absurd: "Wir schicken ja auch keine Soldaten in die USA, um die Occupy-Wall-Street-Demonstranten zu schützen." (APA)

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