EU-Studie untersuchte Klimabelastung von Biokraftstoffen

13. Februar 2012, 19:36

FAZ-Bericht: Manche schaden dem Klima mehr als herkömmliche Treibstoffe

Frankfurt/Main - Biokraftstoffe aus Raps, Palmöl und Soja belasten das Klima einer Studie zufolge stärker als herkömmliche Treibstoffe aus Erdöl. Zu diesem Ergebnis komme die noch unveröffentlichte Untersuchung der EU-Kommission, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Montag. Die Brüsseler Behörde stellte klar, dass jedoch der für die EU vorgesehene Mix von Biokraftstoffen klimafreundlicher als Benzin und Diesel ist.

Österreich ist beim Anteil von Biokraftstoffen führend, nach dem Willen von Umwelt- und Landwirtschaftsminister Nicki Berlakovich soll noch heuer im Herbst der umstrittene Kraftstoff E10 kommen. Dagegen soll es Widerstand aus dem Verkehrs- und Wirtschaftsministerium geben.

In der Untersuchung werden dem Zeitungsbericht zufolge auch die indirekten Folgen der Herstellung von Biokraftstoffen für deren Ökobilanz berücksichtigt. Dabei handle es sich etwa um Brandrodungen von Regenwäldern oder Trockenlegungen von Feuchtgebieten, um auf den Flächen Pflanzen für Biokraftstoffe anzubauen.

Belastungen

Demnach belasten herkömmliche Kraftstoffe aus Erdöl das Klima mit 87,5 Gramm Kohlendioxid je Megajoule. Biokraftstoffe aus Raps (95 Gramm) und Soja (103 Gramm) belasteten das Klima aber noch stärker. Für Palmöl liegt der Wert demnach sogar bei 105 Gramm und somit fast so hoch wie bei dem umstrittenen Teer- oder Ölsand (107 Gramm).

Nur Biokraftstoffe aus Zuckerrohr, Zuckerrüben oder Mais schnitten der Studie zufolge eindeutig besser ab als herkömmliche Kraftstoffe, berichtete die Zeitung weiter. Die Werte für Zuckerrohr und Zuckerrüben liegen demnach bei 34 beziehungsweise 36 Gramm, für Mais nennt der Bericht keine Zahl.

EU-Pläne

Die EU-Kommission dementierte die in dem Bericht genannten Werte für Biokraftstoffe nicht. Sie wies jedoch daraufhin, dass durch die EU-Pläne zum Einsatz von Biokraftstoffen keine höhere Belastung für die Umwelt entstehe als durch herkömmliche Kraftstoffe. "Die Mischung von Biokraftstoffen, die wir nutzen, spart CO2-Emissionen im Vergleich zu Benzin und Diesel", sagte die Sprecherin von EU-Umweltkommissar Günther Oettinger.

Demnach stammen beispielsweise nur vier bis fünf Prozent des Biokraftstoffs in der EU aus Palmöl. Der für das Jahr 2020 in der EU vorgesehene Mix von Biokraftstoffen senke den Ausstoß von Klimagasen um geschätzte 21 Prozent, fügte die Sprecherin hinzu. Die EU-Pläne sehen vor, dass der Anteil erneuerbarer Energiequellen im Verkehrssektor dann zehn Prozent ausmacht.

Welche Konsequenzen die EU-Kommission aus der Studie ziehen werde, sei noch unklar, berichtete die "FAZ". Sie wolle im Frühjahr konkrete Vorschläge vorzulegen, wie die indirekten Folgen der Biokraftstoff-Produktion künftig berücksichtigt werden sollten. Die Oettinger-Sprecherin sagte hingegen, es sei noch unklar, wann die Vorschläge sowie die Studie veröffentlicht werden sollen.

Starke Kritik an der Untersuchung übte nach Angaben der Zeitung bereits der Bundesverband der deutschen Bioethanol-Wirtschaft. Die Studie basiere auf falschen Annahmen hinsichtlich der Nutzung von Anbauflächen bis zum Jahr 2020, sagte dessen Geschäftsführer Dietrich Klein der "FAZ". (APA)

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Posting 1 bis 25 von 52
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erebos
00
21.2.2012, 15:07

Wie kann Österreich beim Anteil an Biokraftstoffen führend sein, wenn es noch nicht mal den E10 an den Tankstellen gibt?

3dGeist
04
14.2.2012, 18:28
Keine Überraschung

Das die Biokraftstoffe oft mehr Schaden als nützen ist keine Überraschung, sondern hätte jedem auffallen müssen der kritisch nachgerechnet hat.
Aber unsere Politiker zeigen sich gerne bei der Eröffnung irgendeines "grünen" Projektes, da ist kritisch hinterfragen fehl am Platz.
Die Unternehmen freuen sich dass sie die prall gefüllten Ökofördertöpfe ausrauben können.

Sind wir ehrlich, welche Ökotechnik ist bisher marktreif geworden?

ellort86
13
14.2.2012, 16:30
na Gott sei Dank

gibt es jetzt mal eine Studie, die die EU hoffentlich für voll nimmt.

Diesen Biosprit-Wahnsinn kann man ja kaum mehr ertragen!!

so krotesk: eingeführt um das Klima zu schützen, schadet er diesem sogar noch mehr als normaler Treibstoff.
Dazu wird der Hunger auf der Welt gefördert und abertausende Tier und Pflanzenarten für immer ausgerottet.
This world is crazy!

Ich würde so gerne die Einführung des E10 verhindern!

erebos
10
21.2.2012, 15:39

Biokraftstoffe sind im Allgemeinen umweltverträglicher, mit ein paar Ausnahmen.
Stand auch im Artikel.
Ausserdem fördert die EU diese Studie.
ALos nich wieder so schnell in selbstgefällige EU Kritik verfallen, sondern lesen, verstehen und dann posten ;)

Der große Grant
 
51
14.2.2012, 15:16
Der böse Biosprit

jaja, ganz furchtbar - wieviele jetzt deshalb verhungern müssen und Brandrodungen und wie soll denn das alles gehen? Plötzlich haben alle Bedenken und werden moralisch.

Wenn es aber darum geht, wie das ganze Fleisch produziert wird, das wir täglich auf dem Teller haben wollen, wieviele Menschen ernähren könnte, wenn man auf Fleisch und tierische Produkte verzichten würde (zumindest teilweise), dann ist das ganze plötzlich gar kein Thema mehr und alle, die so denken, sind religiös - man selbst aber keinesweigs.

Mostbluzza
00
27.2.2012, 09:43
danke leute wie sie

helfen uns immer weiter ...

ihre gegenseite.

erebos
00
21.2.2012, 15:41

Ach, da brauchen sie nur hier nachzuschauen:
http://derstandard.at/132970309... tammzellen
Da sind sämtliche Nörgler der anti-Fleisch Fraktion vertreten. Vielleicht haben sie dort mehr Freunde ;)

aleph null
00
14.2.2012, 17:59
Ich würde vorschlagen, sich einmal gründlich zu informieren

Suchen Sie unter "Tortillakrise" oder Sie lesen gleich das hier:

http://www.cisp.tu-darmstadt.de/media/cis... hunger.pdf

Der große Grant
 
00
14.2.2012, 18:14

Danke für den Link - ich bin auch gar nicht so uninformiert, wie das Posting erscheinen lassen mag. Was mich jedoch verärgert ist, wie der gleiche Effekt (Lebensmittelknappheit) unterschiedlich (und jeweils sehr extrem) beurteilt werden, je nachdem, um welche persönliche Verhaltensweise es geht.

Geht es um den Biospirt, sind die Befürworter unverantwortliche Spinner.

Geht es um die eigene Ernährung, sind die Tierproduktverzichtler alle religiöse Fanatiker.

Roter Baron
00
14.2.2012, 14:07
iwe stehts eigentlich um die belastung durch das Amoniak der Katalysatoren ?

weiß das jemand ?

PEACETIME
04
14.2.2012, 12:19
Es ist doch aus humaner Sicht ein schlechter Witz,

dass man Essen verbrennt, Nahrung verheizt, um das Klima zu schützen (?), während daneben Millionen Menschen Hunger leiden.
Unglaublich eigentlich, auf was für absurde und dumme Ideen manche Menschen kommen, und dann auch noch von anderen umgesetzt werden.
Solange auch nur ein Mensch Hunger leiden muss ist es ein Verbrechen Nahrungsmittel die man noch essen kann zu verbrennen, aus fragwürdigen, weil wissenschaftlich kaum belegbaren Gründen (CO2, pfff, mit dem mittler Weile übrigens Äcker gedüngt werden, damit die Pflanzen darauf besser wachsen...)

birka
10
14.2.2012, 14:26

Ich hätte noch nie gehört dass wir in der EU einen Mangel an Anbauflächen oder eine Unterproduktion hätten. Das kann also kaum als Ursache für Hunger in der EU oder sonstwo auf der Welt herhalten! Abgesehen von Katastrophen gibt es immer genügend Essen, aber oft zu wenig Geld um es sich zu kaufen. Lebensmittelpreise zu drücken wär ja ganz lustig für die Konsumenten, aber ob das der Landwirtschaft auf Dauer so gut tut?

PEACETIME
01
14.2.2012, 21:43
Aus Ihrem Posting heraus lese ich, dass Sie das Problem von der falschen Seite aus betrachten, denn:

ja, es wird auf der Erde für 12 Milliarden Menschen Nahrungsmittel produziert. Jetzt wird es aber wild, denn 2 Drittel davon werden entweder wegen Biosprit, etc, oder wegen Preisstabilität einfach vernichtet und verheizt.
Gleichzeitig zwingt man die Afrikaner billigst mit Baumwollfeldern Baumwolle für den Westen zu erzeugen, und die eigenen Böden damit zu ruinieren, und die einheimischen Bauern werden wegen Subventionen im Westen zur Aufgabe gezwungen, weil es für die Afrikaner verboten ist Landwirtschaft zu subventionieren, wodurch sie aber mit den Preisen nicht mithalten können.
Und dann geht man her und verbrennt zB Mais, der dadurch für arme Menschen in Mexiko, Südamerika oder Afrika unerschwinglich wird: Resultat: Hunger, Tod.

aleph null
01
14.2.2012, 18:05
Der Mechanismus ist auch ein anderer

Ein Beispiel: die USA ist ein großer Maisexporteur. Seitdem das Rohöl im Preis so emporgeschnellt ist, haben sich viele amerikanische Maisproduzenten dazu entschlossen, Biosprit zu erzeugen, einfach weil das einen höheren Gewinn bringt. Die Folge waren deutliche teurere Weltmarktpreise für Mais.

Das Problem dabei: etliche südamerikanische Staaten, die auf Maisimport angewiesen sind, konnten sich das nicht mehr leisten. Das ganze ist als Tortillakrise in die Geschichte eingegangen. Die hohen Rohölpreise haben quasi die Preis des Mais mit nach oben gezogen.

Das *ist* ein reales Problem und hier hilft auch nicht der Hinweis, dass wir viel zu viel Lebensmittel wegschmeißen.

Mary Nosch
00
14.2.2012, 13:55
In der EU

werden 50 % der Lebensmittel weggeworfen.
Das Tank-Teller-Problem ist bei uns inexistent:

Man muss prizipiell das Thema Biomasse IMMER sehr differenziert betrachten; es gibt ja auch viele verschiedene Arten von Biomasse.

PEACETIME
02
14.2.2012, 21:48
das Problem mit dem Biosprit außerhalb des Tellerrandes:

In Mexiko sind die Menschen von Maisnahrung sehr abhängig. Gut uns schön. Jetzt ist es aber teilweise für US-Bauern oder auch mexikanische Bauern günstiger, den Mais der Firma zu verkaufen, die ihn verheizt. Jetzt gibt es davon weniger am Lebensmittelmarkt, wodurch die Preise steigen, und sich der arme Mexikaner den Mais nicht mehr leisten kann.
Ja, in Europa ist das Hungerproblem ein recht überschaubares, noch, aber im Rest der Welt nicht. Wir sollten in dieser Sache, auch durch die Politik, die wir zB Afrikanern aufzwingen (Baumwolle, keine Subventionen, im Gegensatz zu den EU-Bauern) davor nicht die Augen verschließen. Lieber schick ich den Maiskolben den Mexikanern (zurück), als ihn zu verbrennen...

aleph null
00
14.2.2012, 17:47

Vielleicht sollte man mit dem wegwerfen von lebensmitteln aufhoeren anstatt zusaetzlich lebemsmittel durch biospriterzeugung zu verschwenden.

luke skywalker
21
14.2.2012, 11:01
Scherz-Studien

Da gabs vor einigen Jahren eine "Scherz"-Studie, nach der ein Radfahrer der sich von Rindfleisch ernährt die Umwelt mehr belastet als ein SUV.
Das wurde ganz schlüssig "berechnet".

Diese EU-Studie scheint dem gleichen Faschings-Scherz entsprungen zu sein.

Ist ohnehin wieder nur ein Beweis dafür, dass man diese "Studien" komplett häckseln kann.

Weil da kommt einmal dieses raus, und ein andermal das genaue Gegenteil - je nachdem wie man halt die Randbedingungen wählt.

Wie mans halt gerade braucht und was man halt gerade beweisen möchte.

Zuckerlilly Zuckerlilly
13
14.2.2012, 10:13
"Demnach stammen beispielsweise nur vier bis fünf Prozent des Biokraftstoffs in der EU aus Palmöl."

Tja, liebe EU, nur muß D bereits im Jahr 2020 ca. 50% des Bedarfes an Agrarsprit importieren. Woher denn?

Europa hat einfach nicht genug Fläche um diesen kriminellen Umweltwahnsinn der EU umzusetzen.

JohnP
00
14.2.2012, 08:14

denke eher, dass es in diese richtung gehen sollte....

http://www.dradio.de/dkultur/s... t/1086002/

Zuckerlilly Zuckerlilly
52
14.2.2012, 10:04
Eher weniger, weil dieses Methan nicht in den bestehenden Pipelines transportiert werden kann, man also

sowohl ein paralleles Pipelinenetz aufbauen müßte, als auch das Ganze unrentabel ist, weil selbst wenn man ganz D mit Windturbinen/Solarparks zupflastert, nicht genügend Überschuß erzielt wird um diese Umweltkatastrophe rechtzufertigen. Welcher Fehlschlag die Windenergie ist, läßt sich derzeit in GB leicht beobachten, wo eigentlich 14+% der Energie bereits aus den bestehenden Anlagen im Netz sein sollten, tatsächlich in den letzten Wochen aber nur zwischen 1,4% und 0% (Null) eingespeichert wurden.

Statt der Umwandlung in Methan wäre es ja noch sinnvoller überschüssige Wind/Solarenergie in kynetische Energie umzuwandeln. Aber auch das bringts nicht.

A ndreas Bogeschdorfer
33
14.2.2012, 11:15
weil dieses Methan nicht in den bestehenden Pipelines transportiert werden kann

Danke für ihre klare Bekenntnis zum völligen Dilletantismus. Dieses Methan unterscheidet sich chemisch nicht im Geringsten von Erdgas. Es kommt nur auf anderem Wege zustande. Es ist dami in den Pipelines völlig egal, ob Erdgas, Biogas oder aus technischer Synthese gewonnenes Methan durchgeleitet wird.

Suchen Sie sich ein passenderes Hobby.

Zuckerlilly Zuckerlilly
31
14.2.2012, 12:20
Falsch.

Naturgas hat einen höheren BTU-Gehalt als künstliches Methan. Um die bestehenden Pipelines zu nützen, kann man nicht einfach Naturgas "verdünnen" ohne Schäden am Equipment in Kauf zu nehmen.

Außerdem: wie soll die Zuleitung funktionieren? Sollen hunderte kleiner Pipelines zu den bestehenden gebaut werden (d.h. es müßten auch ebensoviele kleiner Methanerzeugungsstätten gebaut werden) oder soll mit Tanklastern transportiert werden? Oder betonieren wir die Landschaft mit einem parallelen Stromnetz zu, das den überschüssigen Strom zentral umwandelt? Wie hoch ist der Preis für 1 BTU Naturgas im Vergleich zu 1 BTU künstlich erzeugtem Methan?

Nicht alles was machbar ist ist auch sinnvoll.

A ndreas Bogeschdorfer
20
14.2.2012, 16:42
wie soll die Zuleitung funktionieren?

Wie bei jedem Haushalt, Du Blitzgneißerin!

Zuckerlilly Zuckerlilly
02
14.2.2012, 21:38
Für Sie noch einmal die sehr einfach Frage:

wo soll das Methan denn erzeugt werden: zentral oder dezentral. Zentral heißt, es müßte ein paralleles Stromnetz aufgebaut werden, weil schon jetzt das vorhandene Netz die willkürlich auftretenden Überschüsse aus Wind/Solarenergie nicht aufnehmen kann. Dezentral heißt, es müßten hunderte kleiner Methanerzeuger gebaut werden und das erzeugte Methan mittels LKW oder kleiner Pipelines zur Weiterverwendung verbracht werden. Beide Optionen sind Schwachfug und ruinieren die Umwelt, schaden also mehr als sie nützen.

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