Die Klagenfurter Gruppe Vada bespielt nun auch das winzige Jugendstiltheater beim Goethepark - eine ehemalige Bedürfnisanstalt
Klagenfurt - Geladen zur Eröffnung des neuen vadaistischen Kunsttempels, des
Jugendstiltheaters Klagenfurt (Just), macht sich das Publikum im Goethepark auf
die Suche - und wird neben dem Künstlerhaus fündig: Das Just ist ein
secessionistisches Schmuckstück, das wie eine Bedürfnisanstalt aussieht und
einstmals auch als solche genutzt wurde.
Vor dem fünf mal fünf Meter großen Jugendstiltheater erwartet das
Vada-Ensemble (der Linzer Daniel Herzig, aus Düsseldorf Boris Randzio, die
Moskauerin Yulia Izmaylova und aus Hermagor Felix Strasser) sein Publikum. Zehn
vorangemeldete Gäste finden bei der Aufmachungsgala Platz im bestuhlten
Theatersaal.
Das Ziel von Vada, dem Verein zur Anregung des dramatischen Appetits, eine
theatralische Konzeption für das dritte Jahrtausend zu entwickeln, scheint
vorerst nicht sonderlich seriös. Lässt man sich jedoch auf das unterhaltsame
"intime Volkstheater" ein, wird die Urkraft der Kunstform, fernab des
institutionalisierten Theaterzirkus, spürbar.
Vier junge Leute, die eine halbe Stunde lang Texte und theatrale Zugänge von
Welimir Chlebnikow, Karl Valentin, Aenne Burda, Augusto Boal u. v. a. in dem von
ihnen entwickelten Verfahren der Plotmontage dramatisiert haben, spielen ohne
Sicherheitsgürtel und Theatergraben. Bei der Plotmontage bezieht sich Vada u. a.
auf den Dadaismus. Texte werden zerlegt, neu zusammengesetzt und auf
unterschiedlichste Weise intoniert. Das verstärkt im Publikum den Drang, dem
Ganzen einen Sinn zu geben. Vada entwickelt Neues und sprengt damit die Grenzen
der Provinz.
Das Programm verspricht Theater auch für junges Publikum, Lesungen, Theater,
Artistik, Kabarett, musikalisch-literarische Abende und Ballett. Als Nächstes
erwartet das Publikum im Just Eis über die größten polaren Abenteuer und
auf Bestellung Schnee, ein melancholisches Heimkehreridyll. (Sabina Zwitter, DER STANDARD - Printausgabe, 14. Februar 2012)
Just, Goethepark 2, 0680/246 11 52, "Eis" am 16. und 17. 2. jeweils 18. 00
und 20.00