Dutzende Tote bei Tuareg-Offensive

13. Februar 2012, 22:18
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Französischer Minister Henri de Raincourt berichtet nach Besuch von Massaker

Bamako - Im Zuge einer Offensive von Tuareg-Rebellen im Norden Malis sind in einer Stadt dutzende Menschen regelrecht hingrichtet worden. Der französische Entwicklungsminister Henri de Raincourt sprach am Montag von "Massenhinrichtungen" mit rund hundert Toten in Aguelhok. Die malischen Behörden bestätigten die Gewalt in der Region, die schon Zehntausende in die Flucht trieb.

Rund hundert Menschen seien "kaltblütig" hingerichtet worden, sagte de Raincourt dem Radiosender RFI. Die Opfer - Soldaten und Zivilisten - seien "auf barbarische Art und Weise" getötet worden, indem ihnen die Kehle durchgeschnitten worden sei oder mit einem Kopfschuss. Das Vorgehen erinnere an das Terrornetzwerk Al-Kaida, ergänzte der Minister, der das nordafrikanische Land vergangene Woche besucht hatte. Die malische Regierung hatte Ende Jänner erstmals von einem gemeinsamen Angriff des nordafrikanischen Al-Kaida-Ablegers Aqmi und Tuareg-Rebellen auf Aguelhok gesprochen.

Opferzahl unklar

Die genaue Zahl der Opfer in der Stadt war unklar. Ein französischer Regierungsvertreter sprach unter Berufung auf malische Behördenangaben von "genau 82 Toten, darunter keine Zivilisten". Ein malischer Offizier sprach von "etwa 60" Toten, ein anderer Offizier, der an der Beerdigung der Opfer beteiligt war, sprach von 97 getöteten Soldaten. Ein Armeestützpunkt sei "vollkommen zerstört" worden.

Die für Autonomie kämpfenden Tuareg hatten Mitte Jänner im Norden Malis die größte Offensive seit 2009 gestartet. Beteiligt sind auch Tuareg, die zuvor als Söldner für den inzwischen getöteten libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi kämpften und inzwischen nach Mali zurückgekehrt sind. Dem Nomadenvolk der Tuareg gehören rund 1,5 Millionen Menschen an, sie leben in Algerien, Burkina Faso, Libyen, Mali und im Niger.

Nach Angaben von Hilfsorganisationen flohen mindestens 20.000 Menschen vor den Kämpfen in die Nachbarländer Malis. Die Zahl dürfte aber deutlich höher liegen. Allein mehr als 13.000 Menschen flohen nach Mauretanien, wie das dortige Innenministerium mitteilte. Die Flüchtlingslager würden vom UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) geführt. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat bereits Lebensmittelhilfen für 4000 Flüchtlinge in der Region um die Stadt Aguelhok verteilt. Am Donnerstag hatte das IKRK von 30.000 Flüchtlingen in Mali selbst gesprochen.

Die Tuareg siedeln außer in Mali auch in anderen nordafrikanischen Staaten wie Algerien, Niger, Burkina Faso und Libyen. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen sind in Mali etwa 50 000 Tuareg nach Kämpfen zwischen Regierungstruppen und der Tuareg-Freiheitsorganisation "Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad (MNLA)" auf der Flucht.

Die Gruppe profitierte militärisch vom Fall des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi. Viele Tuareg, die in der libyschen Armee gedient hatten, kehrten nach Mali zurück - zum Teil mit Waffen aus Libyen. Die MNLA repräsentiere nur einen kleinen Teil der Bevölkerung Nordmalis, sagte de Raincourt.  (APA)

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