Zwei Millionen Euro für Werbung

13. Februar 2012, 18:38
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Extrabudget für Kampagnen der Oxonitsch-Gruppe

Wien - Auch wenn das große Sparprogramm die Länder zum Haushalten zwingt - für Öffentlichkeitsarbeit bleibt, zumindest in Wien, noch einiges über: Am Mittwoch wird der Gemeinderatsausschuss aller Wahrscheinlichkeit nach ein extra Werbebudget von zwei Millionen Euro für das Ressort von Stadtrat Christian Oxonitsch (SP) freigeben. Genau genommen soll das ihm unterstellte Amt für Jugend und Familie, die MA 11, mit dem Etat ihre Serviceleistungen "ganzjährig in verschiedenen Print- und audiovisuellen Medien" bewerben, heißt es in dem Antrag, der dem Standard vorliegt.

In Zusammenarbeit mit dem Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien (PID), der ebenfalls Oxonitsch untergeordnet ist, soll die millionenschwere Kampagne umgesetzt werden. Die veranschlagten zwei Millionen Euro dafür kommen allerdings nicht aus dem rund 50 Millionen schweren PID-Topf, sondern aus dem Budget der MA 11.

"Dieser Antrag hat nichts mit unserem Geld zu tun", bestätigt PID-Leiter Oliver Stribl. In den 50 Millionen Euro sei die ganze Bandbreite an Aktivitäten des PID, der für alle Magistratsabteilungen zuständig ist, abgedeckt. Für Direktinformationen seien davon allerdings nur 11,7 Millionen vorgesehen. Bei dem erhöhten Kommunikationsbedarf der Ressorts reiche das nicht aus, sagt Stribl.

Wie hoch die Werbeausgaben der Geschäftsgruppe von Oxonitsch im Vorjahr waren, könne man nicht sagen, lautet die Antwort aus seinem Büro. Die Ausgaben richteten sich nach den Schwerpunkten der Stadt. Da sei es wenig sinnvoll, nach Ressorts aufzuschlüsseln. Ob in dem Millionenbudget die Kreativleistung von Agenturen beinhaltet ist, wisse man nicht.

Besonders in wirtschaftlichen Krisenzeiten, so die Begründung im Antrag, sei es wichtig, auf die Familienberatungsangebote der Stadt aufmerksam zu machen. Als explizite Zielgruppe der Werbemaßnahmen werden Pflegeeltern genannt. "Das macht sich in jedem Fall bezahlt", sagt Gabriele Ziering vom Wiener Jugendamt. Die Kampagnen seien gezielt, jedes Jahr würden sich neue Pflegeeltern melden.

Die ÖVP Wien kritisiert, dass mit dem Geld andere Investitionen getätigt werden könnten, etwa direkt in den beworbenen Krisenzentren. In einem Bericht der Volksanwaltschaft aus dem Jahr 2010 ist von bis zu 150 Prozent Überbelegung und Personalmangel die Rede. Die Situation habe sich jedoch gebessert, sagt Ziering. Es seien neue Krisenzentren eröffnet worden, die Lage hätte sich entspannt. (Julia Herrnböck, DER STANDARD; Printausgabe, 14.2.2012)

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