Sparpaket

EU-Einführung einer Finanz­steuer bis 2014 schwierig

Thomas Mayer, 13. Februar 2012, 18:18

Brüssel - Seit dem Krisenjahr 2008 vergeht kein EU-Gipfel, ohne dass einige der Staats- und Regierungschefs die Einführung einer "Tobin-Tax" , einer Finanztransaktionssteuer (FTS), fordern. Angefangen hat damit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, später gesellten sich auch Kanzler Werner Faymann ("Spekulantensteuer" ) und die deutsche Regierung dazu.

Aber: Großbritannien und auch Schweden lehnten eine FTS ab. Sie haben bereits eine ähnliche Abgabe ("Stempelsteuer" ).

Und: Die EU-Länder sprachen zwar alle von der Finanztransaktionssteuer, jeder meinte darunter aber etwas anderes: So wollten etwa die Beneluxländer, dass diese Abgabe ins EU-Budget fließen sollte. Deutschland rechnete von Anfang an damit, dass die Einnahmen in nationale Budgets gehen. Weitgehend einig war man sich nur, dass die FTS - wenn überhaupt - im globalen Gleichklang eingeführt werden soll, um Wettbewerbsverzerrung zu verhindern. Aber die USA sagen strikt nein.

Auch die EU-Kommission war skeptisch. Mitte 2011 legte sie ein Modell vor, nach dem auf alle Finanztransaktionen kleine Aufschläge eingehoben werden sollen (0,1 Prozent). Damit könnten 50 Milliarden Euro pro Jahr erlöst werden, wovon die Hälfte in die nationalen Haushalte, die andere Hälfte ins EU-Budget flösse. Als Zieldatum galt zuerst 2018, später 2014. Seither ist Stillstand, die Einführung sehr ungewiss.

Man wartet die Verhandlungen über die neue EU-Budgetperiode (2014 bis 2020) ab. Vor zwei Wochen preschte erneut Sarkozy vor, der im April um die Wiederwahl kämpft. Die FTS will er nun ab Sommer im Alleingang in Frankreich einführen, sein Modell ist deutlich anders als das deutsche. Auf Druck von Paris haben zuletzt neun Länder (mit Österreich) vom EU-Vorsitz Dänemark einen Vorschlag bis zum Sommer gefordert. (Thomas Mayer aus Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.2.2012)

FatFaceRicky
00
14.2.2012, 16:09

Unserer Regierung trau ich locker zu, dass sie das - wie Sarko - national einführen. Wahrscheinlich wieder eine normale Börsen-USt.

Wenn es darum geht, neue Einnahmen zu lukrieren, um die roten und schwarzen Parteigänger durchzufinanzieren, haben im Endeffekt beide Regierungsparteien kein Problem damit. Deshalb glaube ich auch, dass die Schwarzen ihren Widerstand gegen Erbschafts- und Schenkungssteuer, Einheitswerte usw. aufgeben werden. Wenns hart auf hart kommt, werden sie eher die Steuern erhöhen, als strukturell zu reformieren.

Andreas W
06
14.2.2012, 12:05
Dann machen wir halt keine solche Steuer.

Solange sich die ehrlichen arbeitenden Menschen (Arbeitnehmer, Vertragsbedienstete und Beamte) ohne wirkliches Aufbegehren ausnehmen und ausbeuten lassen, besteht doch sowieso kein Grund, den armen Reichen auch nur einen Cent wegzunehmen.

Leistung muss sich ja lohnen und solange Leistung als Glueck (in die richtige Familie geboren worden zu sein) und Ruecksichtslosigkeit (mittels Ausbeutung und Betrug ehrliche Deppen auszunehmen) definiert werden, darf sich nichts aendern!

Bertel Mann
04
14.2.2012, 09:42
Ach wie überraschend

Die Finanztransaktionssteuer wird so schnell nicht kommen (und wenn sie kommt, ist immer noch fraglich, wer das Geld erhält).
Die Schweiz weiss nichts von Verhandlungen für die Abschlagszahlungen (die ohnenhin eine Sauerei sind, da Steuerhinterziehung wieder einmal als kleines Delikt gesehen wird, dass sich mit wenig Geld aus der Welt schaffen läasst). Die EU ist dagegen.
Vermögenssteuer ist nicht.
Erbschaftssteuer ist nicht.

Da werden wir zum Ausgleich die Arbeitnehmer halt etwas mehr belasten müssen...

chelene chirsch
00
14.2.2012, 10:59

die grenzen für den "solidarbeitrag" sowie die besteuerung des jahressechstels für alle einführen wird wohl der nächste logische schritt sein.

ein depp, wer was anderes geglaubt hätte.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.