Sanierungsprogramm für Griechenland

Fulminant gescheitert

Kommentar | András Szigetvari , 13. Februar 2012, 19:25

Athen muss Steuern erhöhen, Sozialausgaben, Gehälter und Pensionen kürzen - das Land wird völlig überfordert

Die Ticketpreise für Bus und Metro sollen in Griechenland um 25 Prozent steigen. So haben es EU und Währungsfonds gewollt, so wird es noch 2012 kommen. Einmal hin und zurück mit der Athener Metro kostet dann 3,50 Euro. Die Maßnahme wird nicht zur Mobilitätssteigerung der Arbeitslosen beitragen, denn mit den Tarifen kommt jede Absage beim Vorstellungsgespräch teurer.

Die Episode ist ein Nebenschauplatz im neuen griechischen Sparprogramm, zeigt aber, dass EU und Währungsfonds aus ihren Fehlern nicht lernen. Beide drücken weiterhin ihr Programm durch: Athen muss Steuern erhöhen, Sozialausgaben, Gehälter und Pensionen kürzen. Dass dieser Cocktail und das Tempo, in dem er serviert wird, das Land völlig überfordern, wird ignoriert. Dabei sprechen die Zahlen Bände: Seit Beginn der EU/IWF-Mission im Mai 2010 ist die Arbeitslosigkeit um 50 Prozent gestiegen. Mehr als eine Million Griechen haben keinen Job. Die Unternehmen sind heute weniger produktiv, die Exportindustrie stagniert, die Verschuldung ist um zehn Prozent gestiegen.

Daran sind nicht die Griechen schuld: Sie haben die Mehrzahl der Vorgaben ihrer Gläubiger umgesetzt, das bestreiten selbst EU und IWF nicht. Doch beide glauben, dass die "kritische Masse" an Reformen noch nicht erreicht ist, bei der das Programm zu greifen beginnt. Belege dafür gibt es nicht. Augenscheinlich ist bisher nur, wie fulminant theoretische Konzepte in der Realität scheitern können. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.2.2012)

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Posting 1 bis 25 von 65
1 2
duliawahimme
00
22.2.2012, 15:19
was war zu erwarten?

jemandem, der/die wirklich schon vorher nach gedacht hat, konnte das wohl kein Geheimnis sein.
blöder geht's nicht.

Thomas turnbichler
00
14.2.2012, 16:35
Am schlimmsten ist...

MartinP
 
12
14.2.2012, 15:43
Bravo EU und IWF

Seit Beginn der EU/IWF-Mission im Mai 2010 ist die Arbeitslosigkeit um 50 Prozent gestiegen. Mehr als eine Million Griechen haben keinen Job.

...spricht für sich.

Reich sein muss sich lohnen!
01
14.2.2012, 17:41
Ein Erfolgs-Konzept, dass man 1922 auch auf Österreich angewandt hat

der Rest ist Geschichte...

Luis Pircher1
10
14.2.2012, 14:15
Alexis Sorbas lässt schön grüßen!

:-))

Anton J. Helmreich
13
14.2.2012, 14:03
es sind NUR die griechen schuld

allerdings nicht die, die jetzt die rechnung zahlen.
sondern die unfähigen, unbwilligen, korrupten politischen selbstdarsteller der letzten jahrzehnte.
die haben sich selbst und das volk belogen und betrogen - und die eu bis zuletzt - aber die steuern einzutreiben, dazu waren sie nicht in der lage ...

es ist noch nicht lange her, da hat der damalige finanzminister beim ersten hilfspaket gesagt: "die griechen werden jeden cent zurückzahlen" - und jetzt spricht man von schuldennachlässen zwischen 70 und 80 % - und selbst das wird nicht reichen.

so schauts aus !!

1116er
00
14.2.2012, 16:31
was soll diese regenwurmperspektive?

DIE politiker sind schuld.

was für ein quatsch.
wann endlich wird begriffen, dass politikter nichts anderes sind als statthalter für die leute, die tatsächlich das sagen haben.
politiker in griechenland wurden regelmäßig ausgewechselt, bei fast jeder wahl gab es einen anderen mit absoluter mehrheit.

doch die marionettenspieler sind exakt diesselben geblieben: SIE haben bestimmt, was läuft, sie haben GR ausgeplündert, sie haben ihren anteil an den hilfsgeldern bekommen, und sie werden solange mit ihrem spiel weitermachen und nicht zur verantwortung gezogen werden, als die 'puppets on a string' namens politiker als schuldige vorgeführt werden können.

Anton J. Helmreich
01
15.2.2012, 08:08
die perspektive eines regenwurmes ist zumindest erdig bodenständig und nicht abgehoben

ich finde, das ist schon viel wert.

ausserdem widerspricht ihr posting meinem nicht, sondern beleuchtet nur einen aspekt der thematik.

wenn sie sich zu handlangern machen lassen - warum auch immer - sind sie dennoch schuld daran.

1116er
00
15.2.2012, 08:21
"...sind sie dennoch schuld daran."

na das wird den don corleone mächtig beeindrucken, wenn ein paar seiner soldaten zu geldstrafen verurteil oder abgemahnt werden...

bestimmt wird er davon so geschockt sein, dass er sein geschäft sofort und komplett aufgibt.

Hermine Berg
 
12
14.2.2012, 13:36
Herr Szigetvari

Sie erwaehnen sehr schoen die einzige konstante im griechenlanddrama: "Daran sind nicht die Griechen schuld"

genau. das sind sie nie.

1116er
11
14.2.2012, 16:34
doch, es sind schon die griechen schuld.

aber nicht DIE griechen im sinn von 10 millionen griechen.
sondern DIE griechen in einer größenordnung von nicht einmal hunderttausend.

aber letztere KÖNNEN ja gar nicht schuld sein, denn sie sind geschäftspartner unserer firmen, sie haben konten bei unseren banken eröffnet, sie haben luxusimmobilien in london, berlin usw. en masse gekauft...
nein, griechische leistungsträger können nicht schuld sein. es müssen doch DIE griechen sein!

sociovation
10
14.2.2012, 12:52
Könnte mir hier irgend jemand einmal erklären

was die vom IWF geforderte Senkung des Mindestlohns mit staatlichen Sparprogrammen zu tun hat?
Ich kann da beim besten Willen keinen Zusammenhang erkennen.

durchausbeinander
00
14.2.2012, 17:01
wenn eine arbeitskraft

um 25% weniger kostet, wieviele mehr kann ich dann einstellen?

Reich sein muss sich lohnen!
01
14.2.2012, 17:43
Jedenfalls nicht mehr als gebraucht werden

Und bei der nach wie vor schrumpfenden Wirtschaft werden nicht mehr gebraucht sondern weniger.

Kleinhirn
00
14.2.2012, 15:17

Genau weiß ich es nicht, aber ich habe heute zum erstenmal etwas gelesen was eine Erklärung liefern könnte(k.A. ob diese Info richtig ist)
Der Mindestlohn wird niedriger. Die Griechen haben aber ein System so wie wir in Ö.
D.h. bis zu einem gewissen Betrag zahlt man keine Lst. Diese Grenze ist der Mindestlohn. Wenn man diesen senkt, zahlt jeder der darüber ist mehr Lst.
Mindestlohn bei 780:
Gehalt von 1000E, zu versteuern 220
Mindestlohn bei 530:
Gehalt von 1000E, zu versteuern 470

Wie gesagt, kA ob dies zu 100% korrekt ist, die Infos zu genauen Details sind sehr spärlich.
Das ist auch keine Wertung ob ich das gut oder schlecht finde, sondern nur Antwortversuch auf Ihre Frage.

1116er
00
14.2.2012, 16:38
der mindestlohn ist doch egal fürs gr steueraufkommen.

sobald ein grieche einen lohn erhält, zahlt er wenigstens steuer!

keine steuer zahlt der onkel doktor, der keinen (mindest)lohn erhält, sondern einen 50€ schein ohne beleg.
der unternehmer, der ebenfalls keinen lohn erhält, sondern ebenfalls viele solcher scheine.

im bereich jener bereiche, wo jetzt via lohn/massenentlassungen massiv gespart wird, ist doch eh kein einziger euro an steuer hinterzogen worden!

Der Alte vom Berge
00
14.2.2012, 14:01
Unter Inkaufnahme der Verarmung weiter Teile der Bevölkerung,...

...werden einzig griechische Unternehmer Profitieren.

Sie konnten schon bisher trotz der Krise aber dank Sinkenden Lohnkosten ihrer Reingewinne steigerten trotz der "Krise" des Bruttoinlandsprodukt.

Weil griechische Unternehmer wegen der Krise aber kaum in Griechenland investieren werden wird dieses Geld ins Ausland Abfliessen und zurück bleibt die Bevölkerung welche mit noch weniger Geld auf dem Spielbrett der Finanzdarwinisten Zurückbleibt.

Es herrscht unter den herrschenden "Eliten" der Irrglaube Mentalitäten welche jede Wirtschaftsleistung jeden Staates prägen Auszublenden um lauter kleine Deutschlands zu Basteln.

Dieser Nonsens ist einer der Gründe für diese Konkursverschleppung.

Die Krise ist bloss Mäntelchen. ^^

the world is flat
00
14.2.2012, 13:44
nicht mit dem sparprogramm mit der konkurrenzfähigkeit

Es hat sich in der EU ein großes Nord-Süd-Produktivitätsgefälle herausgebildet, das früher mit einer Abwertung der lokalen Währung gelöst worden wäre. Heut ist das nicht möglich, daher das Senken der löhne, sodass die Arbeitskosten zur Produktivität passen.
Natürlich sind die Finanzguthaben (in EUR) nicht betroffen, die haben aber schon vorsorglich das Land verlassen. Also die GR-EUR-Reichen werden relativ dazu noch wesentlich reicher.

Reich sein muss sich lohnen!
00
14.2.2012, 13:05
Jedenfalls sind die Folgen klar:

Da die Griechen dadurch (noch) weniger Geld zur Verfügung haben wird das BIP weiter sinken.
Aus dem gesunkenen BIP ergeben sich wiederum gesunkene Steuereinnahmen für den Staat, die Staatsschulden (rel. zum BIP) erscheinen noch höher, die Zinsbelastung auf das Budget steigt noch weiter an.

fanta
25
14.2.2012, 12:12

In Wirklichkeit hat GR in den letzten beiden Jahren nichts, aber schon gar nichts an Strukturreformen durchgeführt! Abbau von Beamten? - Nüsse. Liberalisierung? Nada. Privatisierungen? Detto.

trace route
13
14.2.2012, 12:26
Und noch etwas: Steuern eintreiben? Keine Ahnung.

Irgendwo hab ich mal gelesen, dass Griechenland die Krise in ca 8 Jahren bewältigen könnte, wenn tatsächlich alle Steuern eingehoben würden die es schon jetzt gibt.

Es fehlt an der Umsetzung. Was auf dem Papier vereinbart wird, ist gerade in Griechenland nichts wert. Das wird auch so bleiben.

Die einzige Chance ist ein Austritt aus dem Euro und geordneter Staatsbankrott. DANACH soll der griechischen Bevölkerung geholfen werden beim WIEDERAUFBAU nach der Pleite! Aber nicht jetzt Gelder hineinschieben in ein System welches nur bewirkt dass die Geldgeber Griechenlands, unter anderem deutsche und französische Großbanken und einige griechische Milliardäre, die jahrelang von den hohen Zinsen profitiert haben, möglichst gut aussteigen...

Epikouros
01
14.2.2012, 13:50
Zuerst muss Griechenland reformiert werden

Sonst ist jeder Euro verloren, der zum Wiederaufbau dort investiert wird. Und, wie Sie in Ihrer Überschrift richtigerweise feststellen, muss der gr. Staat vor allem lernen Steuern einzuheben.

Für den ersten Teil gab´s auch ein grünes. Im letzten Absatz wollte ich´s wieder löschen.

Bergal
15
14.2.2012, 12:01
Politik für die Reichen

In der ganzen EU beginnt es nach dem hirnrissigen Schema Griechenland weiterzugehen. Man nimmt ohnen Rücksicht auf Verluste denen, die fast nichts haben, schön langsam alles weg und jene die es sich richten können, kommen schadlos aus der ganzen Angelegenheit. Soziale Ausgewogenheit ist entweder für die Politiker uninteressant, oder sie haben davon keine Ahnung.
Ich frage mich was eine Reduzierung der niedrigen Gehälter in der Privatwirtschaft (ausser Kaufkraftverlust) bringen soll?

Protagoras v. Abdera
11
14.2.2012, 10:55
Dafür dürfte die kritische Masse für eine soziale Revolution in Griechenland bald erreicht sein, und für die breite Bevölkerung wird das ein Befreiungsschlag sein

HU
 
00
14.2.2012, 11:21
Naja -ein Konkurs

ist nicht sehr frei

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