Niederländischer Außenminister

"Die Opposition muss Einigkeit zeigen"

Interview | 14. Februar 2012, 09:42

Für den niederländischen Außenminister Uri Rosenthal müssen die Vorschläge der Arabischen Liga sorgfältig bewertet werden

Eine Intervention wie in Libyen schließt er aus. Von Christoph Prantner.

*****

STANDARD: Den Haag gehört zu den Falken, wenn es um schärfere Sanktionen gegen Syrien und Iran geht. Zumindest das Assad-Regime scheinen solche Sanktionen nicht weiter zu kümmern, oder?

Rosenthal: Falken? Das ist nicht das richtige Wort. Denn das würde bedeuten, dass wir über die angebrachten Proportionen hinausgehen. Aber das, was wir fordern, steht in Proportion zu den entsetzlichen Dingen, die das Assad-Regime seinen Bürgern antut. Wenn die jüngsten EU-Sanktionen rigoros umgesetzt werden, dann wirken sie auch. In Damaskus sehen wir bereits erste Erfolge durch das Einfrieren von Vermögen und Reisebeschränkungen für die Eliten des Landes. Syrien ist zunehmend isoliert. Es hat nur noch wenige Freunde in der Welt.

STANDARD: Aber die wenigen Freunde sind mächtig genug, um UN-Resolutionen zu blockieren.

Rosenthal: Es ist schade, dass Russland und China den Resolutionsentwurf in New York zu Fall gebracht haben. Jetzt müssen wir hart daran arbeiten, die Russen und Chinesen wieder an Bord bekommen - in welchem Setting auch immer.

STANDARD: Welche Chancen hat der Vorschlag der Arabischen Liga im Sicherheitsrat über eine UN-Friedenstruppe?

Rosenthal: Es ist sehr wichtig, dass die Arabische Liga ihre Verantwortung als einer der Schlüsselspieler in der Region ernst nimmt. Wir müssen deren Vorschlag, der im Großen und Ganzen als in Ordnung erscheint, mit Sorgfalt bewerten. Aber daneben muss die syrische Opposition in den kommenden Tagen vor allem Einigkeit zeigen. Sie muss koordinierte Bemühungen sehen lassen, innerhalb und außerhalb Syriens. Die niederländische Regierung hat für ihren Teil beschlossen, die Opposition mit allen nötigen Mitteln zu unterstützen - finanziell, mit Expertise und mit der Hilfe für syrische Oppositionelle, die im Internet aktiv sind. Was wir ausschließen, ist eine Bewaffnung der syrischen Opposition. Sicher jedenfalls ist: Bashar al-Assad muss abtreten. Das ist keine Frage des Ob, sondern nur noch des Wann, wie es US-Präsident Barack Obama formuliert hat.

STANDARD: Wird es in Syrien jemals eine humanitäre Intervention nach dem Vorbild Libyens geben?

Rosenthal: Ich möchte nicht spekulieren. Die Situation in Syrien ist von jener in Libyen völlig verschieden. Ich glaube nicht, dass man sagen kann, dass wir dort auch intervenieren sollten, weil wir es in Libyen getan haben.

STANDARD: Gesetzt den Fall, Assad gibt auf, welche Folgen würde ein Umbruch in Syrien auf die regionale Machtbalance haben?

Rosenthal: Wir müssen dann eine Roadmap entwerfen, mit der die sehr unterschiedlichen Kräfte in Syrien auf eine Versöhnungsstraße geführt werden. Es muss diese Versöhnung geben, wie schwierig sie auch sein mag. Alle Gruppen wissen: Sollten sie nach dem Fall Assads gegeneinander weiterkämpfen, wären ihre Opfer in diesen Tagen vergebens gewesen.

STANDARD: Viele Beobachter meinen, dass es in Syrien noch viel schlimmer kommen könnte als in Ägypten, dass das Land in die Hände Radikaler fallen könnte.

Rosenthal: Libyen, Tunesien, Ägypten - wenn es um die Bewältigung von Umbrüchen geht, dann muss die Wirtschaft anspringen, es muss freie und faire Wahlen geben sowie Respekt für die Menschenrechte. Wenn gewalttätige Islamisten in diesen Gesellschaften übernehmen, dann ist es klar, dass wir mit ihnen keine Geschäfte machen oder Kontakte halten werden. Wenn islamistische Parteien an die Macht kommen, bewerten wir sie nach ihrem Respekt für die Menschenrechte. Bisher haben die Ennhada und die Muslimbrüder zumindest erklärt, dass sie sich daran halten wollen. Das werden wir überprüfen. Sollten die Sunniten in Syrien bei freien und fairen Wahlen gewinnen, werden wir sie ebenso beurteilen.

STANDARD: Was halten Sie von den Gerüchten über einen bevorstehenden israelischen Angriff auf iranische Atomanlagen?

Rosenthal: Ich kommentiere keine Gerüchte. Die niederländische Position ist diese: Wir reden derzeit über Sanktionen. Die jüngsten werden am 1. Juli operativ. Wir sollten deren Effekt abwarten und nicht über andere Dinge spekulieren. Andererseits sagen wir weder, dass militärische Mittel nicht auf dem Tisch sind noch dass sie auf dem Tisch sind.

STANDARD: Im Iran wird gewählt, ändert sich die Lage dadurch?

Rosenthal: Wahlen sind nur dann Wahlen, wenn sie frei und fair sind. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.2.2012)

Uri Rosenthal (66) ist seit gut einem Jahr niederländischer Außenminister. Der Politologe und Uni-Professor war zuvor lange Jahre Fraktionschef der rechtsliberalen VVD im Senat in Den Haag.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 80
1 2 3
Syrer22
01
14.2.2012, 15:04

??? ???? ??? ?? ???????? 14-2-2012.mp4

notsostandard
96
14.2.2012, 03:25
Rosenthal: Es ist schade, dass Russland und China

Herr Rosenthal ,mehr muessen wir ueberhaubt von ihrer aussage nicht wissen.

Fuer jeden der nur ein paar gramm hirn besitzt wird es immer klarer worum's hier geht.

"Ihr" werdet Assad und familie vielleicht los werden,aber der fruehling ist bald vorbei und der von leuten wie sie erzeugten "new world order" wird zum endgueltigen schlimmen verhaengniss fuer "billionen".

Peace 4 Libya
84
14.2.2012, 10:43

Zustimmung.

Bloß die "new world order", die gibt es nicht, es ist die
"old world order", die mit dem genau gleichen Programm seit jeher, neue Betätigungsfelder, das heißt Opfer sucht und findet.

Perkun
42
14.2.2012, 01:17
Der Besserwisser

Nicht versagen, Rosental fragen

Perkun
51
14.2.2012, 01:16
Schlechte Ernte

In Holland hängt der Export an den Bäumen.

NONE
107
13.2.2012, 23:29

"Wenn gewalttätige Islamisten in diesen Gesellschaften übernehmen, dann ist es klar, dass wir mit ihnen keine Geschäfte machen oder Kontakte halten werden."

LOL.

Ich dachte sie führen Verhandlungen mit den Taliban? Sind die auf einmal "gemässigt"?

In Libyen hat man die Salafisten hochgerüstet und die Söldnergruppen unterstützt.

Die sind auch "gemässigt"?

Es zeigt sich wieder einmal das wenn es ums Ziel geht (Sturz eines Regime) ist dem "Westen" jede Legitimation recht.

The Brain User
11
14.2.2012, 12:34
Bla bla bla

Manche Schwachköpfe sollen sich einfach überlegen, was das geringere Übel ist. Die USA oder eine islamistisch dominierte Welt. Zweiteres dürfte speziell die Frauenrechte um ca. 200-500 Jahre zurückwerfen.

Bitte Hirn einschalten bevor man zuviel über die USA schimpft. Ich glaube nicht erwähnen zu müssen, unter welcher Herrschaft Europa nach dem 2. Weltkrieg ohne die USA wäre. Damalige Eigeninteressen der USA hin oder her.

Müllers Mops
124
13.2.2012, 21:22
"The Cafe: Syria's deep divide"

Kontroverse Diskussion von Syrern & Syrerinnen
http://www.youtube.com/watch?v=iGgg3wxhE7A

NONE
61
13.2.2012, 23:28

Netter Agit-Prop.

Wieder mal vom völlig objektiven (lol) Al-Jazeera Sender ...

Aber wir haben gelernt.

Was Information betrifft werden wir als Konsumenten von ALLEN Seiten belogen.

Killer Bunny
14
14.2.2012, 08:06

"Aber wir haben gelernt." - Das halte ich wiederum für ein Gerücht. Die Borg sind noch nicht soweit. Widerstand ist nicht zwecklos.

naval
26
14.2.2012, 07:50

Aus der Serie "Lieblingswörter von NONE": vorher waren es die "Boys", dann die "Salafisten" und nun ist es "Agit-Prop".

"Agitprop ist ein Kunstwort aus den Wörtern Agitation und Propaganda und bezeichnet einen zentralen Begriff der kommunistischen politischen Werbung seit Lenin"

Killer Bunny
137
13.2.2012, 21:42

Wieder ein ausgezeichnetes Al Jazeera Format. Gerade diese Folge zeigt, wie unter der gebildeten Schicht auch die Fetzen (verbal) fliegen. Auf der Strasse wird es weniger verbal sein.

NONE
84
13.2.2012, 23:28

Jaja, genau.

Al Jazeera der Sender ohne Eigeninteressen ...

rot!

Killer Bunny
14
14.2.2012, 05:04

Und was ändert das am guten Format? Da werden beide oder noch mehr Parteien eingeladen und "diskutieren" ziemlich unmoderiert in einem Cafe. Wo haben Sie das sonst noch gesehen? Aber wenn es Sie nicht interessiert, wie die Emotionen auch bei der gebildeten Schicht hochgehen und man sich ein besseres Bild machen kann, zeugt das ja nur von Ihrer Engstirnigkeit.

Müllers Mops
23
14.2.2012, 00:04

Ich weiss noch wie wir bei der Drektübertragung vom Tahrir Platz die Pizzen ins Haus liefern ließen, weil AlJazeera Bilder wie zu Zeiten Kaiser Neros auf den Schirm malte.

Fast hatte AlJazeera schon was wie das Idealbild von Journalismus. So gerecht wie eine Fußball übertragung. Man konnte den Ton wegdrehen wenn er einem nicht passte (meistens passte er) und selbst entscheiden weil man alles sah.

Bei Libyen war es dann nicht mehr so.
Auf einmal dann war das Bild weg, und der Text von ALJazeera passte nicht mehr zu den Infos im Internet. So ist das halt mit den MSM.

Aber nur weil der Fluß 2 Wochen kein Brennholz angeschwemmt hat, ist mein Rückschluss nicht, das er das in der dritten Woche nicht doch wieder machen könnte.

Killer Bunny
12
14.2.2012, 05:20

Also ich hab mich eher gefragt, warum man AJE erlaubt hat, den Platz die ganze "Revolution" lang zu filmen? Masse zieht Masse an. Würden sie das als mächtiger Diktator zulassen? Journalisten durften am Anfang des Aufstands erst gar nicht nach Libyen einreisen. So gut hat Diktator Mu'ammar sein Handwerk schon gelernt. Ein paar Mitarbeiter von AJE hat er dann auch noch einsperren lassen.

Müllers Mops
40
13.2.2012, 23:13
Na, eigentlich können sie den Film erst ab ca. 22:10 beurteilen

Bei 48 Minuten Spielzeit....

Ein flash stellte sich bei mir für kurze Zeit ein als der Prof. der in Damaskus unterichtet, und vorher 10 Jahre in den USA lehrte, an die LA Riots 1992 erinnerte, als das LAPD 5200 Polizisten in den Stadtteil schickte um gegen den Riot vorzugehen.....

http://www.youtube.com/watch?v=e9nu1gJV1rg

Killer Bunny
02
14.2.2012, 04:51

Fast dasselbe Posting hab ich aber schon am 27 Dezember geschrieben:
http://derstandard.at/plink/132... id24199510

Und, was können sie jetzt daraus schließen?

Müllers Mops
11
14.2.2012, 09:49

a) sie sind ein flotter Hase
b) sie verlinken nicht (?)
c) die Positionen in dem Cafe ähneln denen von ihnen und mir. Also hier.
d) das Credo der Cafe-Diskussion scheint mir:
1) keine Ausländischen Truppen.
2) Dialog statt Demontage

Killer Bunny
02
14.2.2012, 10:45

a) Ja, ich bin ein flotter Hase.
b) in dieesem Fall könnte ich keinen Link setzen, weil es auf youtube noch nicht eingestellt war. Wenn sich wer interessiert hätte ....
c) Das weiß ich nicht. Ich meine, es gibt keine annehmbare Lösung mehr. Und eine Basis für einen Dialog kann ich nicht erkennen. Selbst wenn einige aus der Opposition dazu bereit wären, die Aufständischen lassen sich nicht mehr dirigieren. Die sind doch schon alle bereit, ihr Leben zu lassen. Das ist die Realität für mich, die durch diese ewigen Verzögerungen geschaffen wurde.
d) Das Credo war für mich:
1. Ich hab recht! Nein, ich hab recht!

Müllers Mops
10
14.2.2012, 13:46
"Das ist die Realität für mich, die durch diese ewigen Verzögerungen geschaffen wurde."

Ein absoluter Kernpunkt.
Ob der Punkt of no return schon überschritten wurde kann ich noch nicht beurteilen.
Ich wünschte mir eine riesige friedliche Demonstration mit der Forderung nach einem Waffenstillstand an beide Seiten.
Mit anschließenden ersten Gesprächen zwischen den Kontrahenten.

odrr
13
13.2.2012, 20:20
BZ: In Ihrem Buch gehen Sie sehr kritisch mit sich ins Gericht. Sie schreiben zum Beispiel einen Satz wie: "Selbst mein gelegentlicher Altruismus hat egoistische Züge." Anders gesagt:

Sein Glück teilt man also nur, weil es der einzige Weg ist, selbst einen Zipfel davon zu erwischen?
Todenhöfer: Jein. Das Fazit meines Buches lautet: Erstens: Mach was aus deinen Talenten – egal ob du Handwerker, Journalist, Apotheker oder Krankenschwester bist. Und zweitens: Teile dein Glück – das heißt, lass auch andere daran teilhaben. Das ist im Grunde der Sinn des Lebens.

http://www.badische-zeitung.de/nachricht... 48973.html

Dr.Mikhail Andreyevich Zhdanov
1713
13.2.2012, 20:18

Erbärmliche Zurufe eines Mitglieds einer Regierung, das auf die Kollaboration von Geert Wilders und seiner Neofaschistenclique angewiesen ist. Gut, daß in Damaskus da andere das Sagen haben.

odrr
04
13.2.2012, 20:02
der eitle juergen, war im november2011 in syrien und zehrt davon wochenlang

Assad ist paradoxerweise der Einzige, der Syrien jetzt noch friedlich zu einer Demokratie umformen könnte“, sagt mir ausgerechnet ein alter marxistischer Oppositionspolitiker. „Wenn er sich freien Präsidentschaftswahlen stellte – mit vollem Risiko. Eine solche demokratische Entscheidung würden sogar die meisten friedlichen Demonstranten akzeptieren. Weil viele Menschen noch immer einen Unterschied zwischen Assad und dem System machen“. Der Oppositionelle hat mehr als ein Jahrzehnt in den Kerkern des Regimes verbracht. Sein leises Lächeln ist von unendlicher Traurigkeit. Als spiegele es die Zukunft seines zerrissenen Landes.

http://www.berliner-zeitung.de/politik/s... 19274.html

egal9
2017
13.2.2012, 19:10
Todenhöfer berichtet aus Syrien

"Ein paar Tage später las ich in der Weltpresse: „Humanitäre Katastrophe in Homs“.

Ich bin kurz danach noch ein zweites Mal in die Stadt gefahren und habe mich dort mit Rebellen getroffen. Ich treffe mich immer mit beiden Seiten. Ich habe sie nach der „humanitären Katastrophe“ gefragt. Sie haben lachend zugegeben: „Das haben wir lanciert.“ Sie waren ganz stolz."

"Wenige Tage später wurde in Homs ein Bus mit jungen Alawiten von Motorrädern gestoppt. Die jungen Männer wurden von den Angreifern aus wenigen Metern exekutiert"

http://www.welt.de/politik/a... stand.html

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