Hintergrund

Streit über das Anti-Fälschungsabkommen ACTA

Bericht | 13. Februar 2012, 18:06

Was ist das Ziel des Abkommens, welche Rolle spielen die Provider und kann es noch gekippt werden?

Das internationale Abkommen gegen Produkt- und Markenpiraterie "Acta" hat am Wochenende Zehntausende Internet-Aktivisten in Europa zu Protesten auf die Straße getrieben. Sie befürchten Repressalien gegen Internet-Nutzer, die privat Dateien wie Musiktitel oder Filme austauschen. Nachfolgend die Argumente im Streit über das Acta-Abkommen:

 

Ziel des Abkommens

Laut EU-Kommission soll durch das internationale Abkommen geistiges Eigentum wie Patente oder Marken wirksamer geschützt werden. Europäische Firmen erlitten Verluste von acht Milliarden Euro im Jahr durch Produktsfälschungen. Acta regelt, wie Geschädigte besser mit Justiz, Zoll und Polizei zusammenarbeiten können. Das schließt den Schutz von Urheberrechten im Internet ein.

 

Rolle der Internet-Provider

Gegner des Abkommens wie der Grünen-Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht monieren, Acta bereite schärferen Regeln zur Kontrolle und Bestrafung von Internet-Nutzern den Boden. Denn Internet-Zugangsanbieter seien verpflichtet, mit den Inhabern der Rechte zu deren Schutz zusammenzuarbeiten. Dies könnte dazu führen, dass Gesetzesverschärfungen Vorschub geleistet wird. So könnte in der Richtlinie der EU zu elektronischem Handel oder in nationales Recht ein Sanktionsverfahren aufgenommen wird, wie es vor einigen Jahren in Frankreich vorgesehen war. Bei Verstößen gegen Nutzungsrechte könnte der Internet-Kunde mehrmals abgemahnt und vom Zugangsanbieter gesperrt werden.

Die EU-Kommission erklärte dagegen, mit dem Abkommen werde das bestehende Recht nicht geändert, nach dem eine solche Sanktion nicht möglich ist. Es ergebe sich daraus keine Pflicht der Internet-Provider, als Polizist Verstößen im Netz nachzugehen. Auch ein Sprecher der Deutschen Telekom erklärte: "Eine Verpflichtung der Internetprovider zur Überwachung und Sanktionierung ihrer Kunden ist aus dem aktuellen Vertragsdokument, das vom EU-Ministerrat im Dezember 2011 gezeichnet wurde, nicht ersichtlich. Dies war in vorherigen Fassungen der Fall, wurde jedoch im Zuge der politischen Verhandlungen gestrichen."

Strafbarkeit

Die Verbreitung von Raubkopien müssen die an Acta beteiligten Staaten unter Strafe stellen. Dies schließt "Handlungen ein, die der Erlangung eines unmittelbaren oder mittelbaren wirtschaftlichen oder kommerziellen Vorteils dienen." Diese Formulierung ist nach Auffassung der Kritiker so vage, dass auch die geschenkte Kopie einer CD an einen Freund als kommerzieller Vorteil - die Ersparnis des Kaufpreises - gilt. Auch Privatpersonen müssten deshalb mit Strafen rechnen. Nach Darstellung der EU-Kommission ist dies aber nicht beabsichtigt. Es sei nicht zu befürchten, dass Kinder und Jugendliche wegen des Austauschs von Musikdateien nun vor dem Jugendrichter landen. Auch bestreitet die Kommission, dass Acta die Zollbehörden zu systematischen Durchsuchungen von Laptops und MP3-Spielern befugen würde.

 

Kann ACTA gekippt werden?

Dies wäre laut EU-Kommission der Fall, wenn ein Mitgliedstaat das Abkommen nicht unterzeichnet. Sollte die Bundesregierung entgegen dem ursprünglichen Beschluss, Acta zu unterzeichnen, nach den jüngsten Protesten einen Rückzieher machen, könnte Acta demnach gestoppt werden. Außerdem kann das Europäische Parlament Nein zur Ratifizierung sagen.(Reuters)

asterio
01
14.2.2012, 10:33

man könnte eh an fast jeden satz anhängen: ....das wird mit indect kommen.

Der große Nachsitzende
60
13.2.2012, 23:54
Gut so!

Europäischen Unternehmen entgehen acht Mrd. im Jahr. Mein Beileid.
Auf der anderen Seite sparen sich die Konsumenten aber auch acht Milliarden. Gut so! Weiter so!
Jetzt muss man die Fälscher nur dazu bringen, Steuern zu zahlen.

Die kritische Stimme
00
14.2.2012, 13:13
"Den europäsichen Unternehmen ..."

Ganz genau. Bei dem Satz sollte eigentlich jeder Handelsschüler und erstsemestrige Wirtschaftsstudent gequält aufjaulen:

Es gibt nämlich zwei Möglichkeiten:

a) Die ersparten 8 Milliarden werden für etwas Anderes ausgegeben oder den Banken überlassen, die damit "arbeiten".

b) Diese 8 Milliarden gibt es gar nicht, vulgo könnten sie gar nicht ausgegeben werden.

Conclusio: Der Wirtschaft als solcher entgeht kein einziger Cent; das Geld wird bloß anders verteilt.

denRestzumMitnehmenBitte
 
01
14.2.2012, 09:08

sie haben wohl etwas grundlegendes an dieser diskusion nicht verstanden ...

Der große Nachsitzende
00
14.2.2012, 09:15

Unwahrscheinlich aber möglich.
Sie aber haben etwas Grundlegendes an meinem Beitrag nicht verstanden.
:-)

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