Wiener Staatsoper

Auf der Höhe des vorigen Jahrhunderts

Barbara Freitag, 13. Februar 2012, 18:06

Staatsballett plündert Fundus der Pariser Oper

Wien - Mit den Meisterwerken des 20. Jahrhunderts setzt Wiens Staatsballettchef Manuel Legris seinen enzyklopädischen Kurs fort und zeigt aus dem Fundus der Pariser Oper drei berühmte Stücke aus dem vorigen Jahrhundert. Glücklicherweise wieder zu Livemusik des Staatsopernorchesters, mitreißend dirigiert von Markus Lehtinen.

Suite en Blanc von Serge Lifar, 1943 zur Musik von Edouard Lalo uraufgeführt, ist eine Hommage an die Pariser Schule. Das in weißen Tütüs getanzte Werk der Neoklassik besteht aus technisch anspruchvollsten Variationen von Pas de Deux, Pas de Trois und Pas de Cinq. Das Defilee reinen Balletttanzes ohne Inhalt wurde vom Wiener Staatsballett stilsicher und dynamisch getanzt, ein genussvolles und kurzweiliges Vergnügen.

Before Nightfall von Nils Christe (Musik: Bohuslav Martinù, 1985 uraufgeführt) gehört zu den Standards des modernen Balletts. Es lebt von der Präzision der Choreografie. Die Bewegungen sind fließend, durchsetzt von eckigen Formationen und kraftvollen Sprüngen. Besonders eindrucksvoll: Nina Poláková und Roman Lazik.

Roland Petits 1974 uraufgeführtes Handlungsballett L'Arlésienne zur Musik von Georges Bizet erzählt von einer geplatzten Hochzeit in der Provence. Frédéri (Kirill Kourlaev) liebt nicht Braut Vivette (Maria Yakovleva), sondern ein Mädchen aus Arles.

Am Ende springt Frédéri in einem famosen Satz aus dem Fenster. Nicht zuletzt für diese gewaltige Anstrengung wurde Kourlaev, ein unverzichtbares Ensemblemitglied, nach der Vorstellung, von Staatsoperndirektor Dominique Meyer zum Ersten Solotänzer ernannt. (Barbara Freitag, DER STANDARD - Printausgabe, 14. Februar 2012)

p-hammer
02
14.2.2012, 10:27
Live oder nicht live

Das ist keine Frage, sondern ausschließlich eine künstlerische Entscheidung.

Und bei vielen modernen Choreographien (etwa "Bella Figura") werden unterschiedliche Musikstücke montiert oder verschränkt. Im genannten Fall etwa Pergolesi und Lukas Foss (und anderes mehr). Das kann kein Orchester spielen - auch nicht die Philharmoniker.
Sind diese Tanzstücke deshalb schlechter/minderwertiger? oder sollte man sie nur deswegen an einem Opernhaus nicht spielen?

Zudem sind diese Choreographien (Schritte, Bewegungen) oft exakt an einer Aufnahme entwickelt worden und haben nicht den Spielraum des klassischen Balletts, wo ein paar Sekunden mehr oder weniger kaum auffallen. Kein Dirigent oder Orchester könnte sich so exakt wiederholen.

aflen
01
14.2.2012, 12:21
Musik ist auch bei Ballett ein unverzichtbarer

Bestandteil des "Gesamtkunstwerkes". Und Musik aus der Konserve klingt einfach nach Konserve! Und ja, deshalb sind Aufführungen mit Konservenmusik schlechter, sicher aber minderwertiger!

p-hammer
12
14.2.2012, 14:30
Eh - "auch". Aber eine schwache Choreographie wird durch noch so schöne Musik nicht besser (außer man schließt die Augen)

Mal abgesehen davon, dass nicht grundlos Konzertsuiten von Balletten erstellt wurden - weil diese Musik eine deutlich dienendere Rolle hat als etwa in der Oper (lässt sich auch an der durchschnittlichen Qualität der jeweiligen Dirigenten erkennen).

Ich freu mich halt, wenn ich Meisterwerke von Kylian, Preljocaj, Neumeier oder Bejart sehen kann - auch wenn die aus künstlerischen Gründen auf die "Konserve" zurückgreifen.
Das NDT und das Pariser Opernballett haben damit auch ziemlich gut "überlebt".

Sie dürfen das gerne "minderwertig" finden - und sich an den weltweit bejubelten, großartigen Schöpfungen von Harangozo jun. und sen. ergötzen. Weil da spielen immerhin die Philharmoniker live.

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