Stunde des Nickens

13. Februar 2012, 17:45
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Ein bisschen garstig sollten Diskutanten zueinander schon sein, damit Leben in die Talkbude kommt

Sie müssen einander nicht gleich würgen. Ein bisschen garstig sollten Diskutanten zueinander jedoch schon sein, damit Leben in die Talkbude kommt. Im Zentrum jedoch glich der Fortsetzung jenes Sparerklärungssongs, den die Koalition seit Freitag dem Land vorträgt - nur mit anderen Sängern. Jene, die gern mehr einnahmenseitig zugelangt hätten, weilten links (Sabine Oberhauser vom ÖGB, Andreas Schieder von der SPÖ); jene, die gern ausgabenseitig agiert hätten, somit rechts (Christoph Leitl, Wirtschaftskammer; Josef Pühringer, Oberösterreichs Landesvater).

Und weil das alles also quasi naturgesetzhaft großkoalitionär und sozialpartnerschaftlich ausbalanciert daherkam, hatten sich alle recht lieb und gaben einander recht. Auch die Wifo-Expertin (Margit Schratzenstaller) versank schließlich in Milde. Sie protestierte nicht einmal, als Herr Schieder reingrätschte, also eine an die Expertin gestellte Frage beantworten zu müssen glaubte. Als hätten alle ein Kanzler-Vizekanzler-Gebet ("Bitte das Paket nicht mehr aufschnüren!") verinnerlicht, wirkte das; als hinge von einem falschen Sonntagswort das Überleben der Koalition ab.

Kurz kam zwar Pfeffer rein, als sich Leitl mit dem abwesenden Bundeskanzler ob dessen Drang zur Erbschaftssteuer anlegte und Schieder wahlkampfrot sah. Und natürlich war es in diesem Kontext belebend, einen schrulligen Bergbauernvertreter die Verschandelung der Natur durch Parteiplakate beklagen zu hören.

Es blieb jedoch bei einer auf Diskussion geschminkten Paketverkaufsstunde, an deren Schluss man sich wunderte, wie Moderatorin Ingrid Thurnher staunen konnte, dass es "Nicken von allen Seiten" dieser edlen Runde gab. (Ljubisa Tosic, DER STANDARD; Printausgabe, 14.2.2012)

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