Lobbying

EU-Kommission will ACTA verdaulich machen

Bericht | 13. Februar 2012, 16:45

Kreise: Situation für Bürger ändert sich nicht - Herunterladen von Dateien im Internet sanktionsfrei

Die EU-Kommission versucht, das umstrittene Anti-Piraterie-Abkommen ACTA trotz zunehmender Bedenken in den einzelnen Ländern den Bürgern schmackhaft zu machen. So werde es durch ACTA keinerlei Einfluss auf die gesetzlichen Bestimmungen in den EU-Staaten geben. Die Situation für die Bürger ändere sich nicht und auch, wenn eine Privatperson eine Datei im Internet herunterlädt, gebe es dafür keine Strafen, hieß es in Kommissionskreisen am Montag.

Ratifizierung fraglich

Unklar ist, was passiert, wenn ACTA nicht von allen 27 EU-Staaten und dem Europaparlament gebilligt wird. Wenn ein Land nicht unterschreibe, gebe es ein Problem, hieß es. Jedenfalls laufe der Prozess der Ratifizierung weiter - derzeit haben 22 Staaten unterzeichnet. Eine Frist für die Unterzeichnung gebe es keine. Dass das EU-Parlament seinen Sanktus gibt, ist nach der jüngsten Entwicklung auch mehr als fraglich.

Vorteile

ACTA bringe jedenfalls große Vorteile in Bezug auf den Schutz des geistigen Eigentums für die EU im Verhältnis zu Drittstaaten. Sollte ein EU-Land seine Gesetzgebung in diesem Bereich ändern, habe dies ebenfalls keinerlei Auswirkungen auf das Anti-Piraterie-Abkommen.

Vorwürfen, wonach ACTA zu vage sei, wurde in Kommissionskreisen entgegengehalten, dass es gegenteilige Anschuldigungen gebe, das Abkommen sei zu spezifisch.

Widerstand nimmt zu

Zuletzt hatte der Widerstand gegen ACTA deutlich zugenommen. Nachdem Polen, Tschechien und Lettland die Ratifizierung des Abkommens ausgesetzt haben, wackelt es nun auch in Deutschland und Slowenien. Allerdings will Berlin am umstrittenen Urheberrechtsabkommen festhalten. Die angeführten Bedenken der Gegner seien lediglich heraufbeschworene Gefahren. Das Abkommen ist laut deutscher Regierung wichtig für die Bekämpfung von Produkt- und Markenfälschungen. Für Österreich versprach Außenminister Michael Spindelegger (V) eine genaue Prüfung des Abkommens durch die Bundesregierung.

ACTA

Das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (Handelsabkommen zur Abwehr von Fälschungen) hatten 2010 mehrere Staaten ausgehandelt. Am 26. Jänner dieses Jahres war das Abkommen dann von der EU sowie von 22 der 27 Mitgliedsstaaten unterzeichnet worden - darunter auch Österreich. Der ACTA-Vertrag sieht unter anderem vor, dass Internet-Provider den Behörden Daten wie die IP-Adresse bekanntgeben sollen, um bei Verstößen gegen das Urheberrecht eine Identifizierung von Personen zu ermöglichen. Die ACTA-Gegner befürchten, dass das Abkommen die Meinungsfreiheit im Internet massiv einschränken würde. Dies wurde in Kommissionskreisen zurückgewiesen. (APA)

McDaniels
10
14.2.2012, 09:49

Schön, wie man jetzt versucht, den meiner Meinung nach einzig plausiblen Grund hervorzuheben, nämlich den Schutz vor Produktfälschung.

Liebe Politiker, Entscheider und Machtmenschen: Es wäre vielleicht nicht schlecht, wenn ihr euch mal das Ganze ACTA Regelwerk zu Gemüte führen würdet, anstatt die Verantwortung immer auf andre zu schieben...

Furchtbar was hier läuft...

§126c Verfechter K.ing Leissner
03
14.2.2012, 00:05
"Herunterladen von Dateien im Internet sanktionsfrei"

Tja, die haben wohl rein gar nichts verstanden!

Es geht da um teilweise ganz andere Dinge, etwa dass ISPs fuer die Taten ihrer Kunden haftbar gemacht werden sollen, dass die Unschuldsvermutung ausgehoehlt wird, ...

Prof. Wolf
02
13.2.2012, 20:02

Darauf wird wohl niemand rein fallen. Nehmen wir mal an irgendwer (Nationalstaat) unterschreibt einen Vertrag, der einen anderen (den Vertragspartner = EU, Musikindustrie) erlaubt seinen ungezogenen Untergebenen (Bürger) zu töten. Damit der Untergebene nicht ständig herum plärrt versichert der Vertragspartner den Untergebenen am Leben zu lassen. Der Untergebene ist bekannt, dass der Vertragspartner oft seine Meinung zu änder. Anstelle des Untergebenen wärt ihr beruhigt?

WoodSTokk
12
13.2.2012, 19:37
EU-Kommission widerspricht sich selbst!

"So werde es durch ACTA keinerlei Einfluss auf die gesetzlichen Bestimmungen in den EU-Staaten geben."

in einem anderen Artikel auf heise.de:
"Die einzige Ausnahme sei Schweden, wo vor der Unterzeichnung eine Änderung des Strafrechts notwendig sei."

Dabei wird überall erzählt, für ACTA sind keine Anpassungen der nationalen Gesetze erforderlich.

Scorch
13
13.2.2012, 18:21

Sachlich argumentieren lässt sich für ACTA kaum. Deshalb werden Kritiker diskreditiert und einfach mal das Gegenteil behauptet. Man möchte meinen, mit den üppigen Lobbying-Geldern hätte sich die EU-Kommission ein besseres PR-Konzept zurechtgelegt.

Jowanni
04
13.2.2012, 18:12
Auch mit Zuckerguss ist ACTA zum kotzen

aber warum etwas sinnloses (ACTA soll in der EU zu keinerlei änderungen führen) dennoch so wichtig zu sein scheint, dass es gegen den widerstand ratifiziert werden soll, erschließt sich mir nicht ganz.

liebe EU kommission, es nützt nichts etwas nur schönzureden, wenn es im grunde schlecht ist, dann bleibt es das auch, da nützt die beste propaganda nichts.
wenn ihr ACTA im ernst verdauchlicher machen wollt, dann schafft es ab! und denkt erst gar nicht daran IPRED, so wie es sich jetzt abzeichnet, zu beschließen!

Jochen Mars
00
13.2.2012, 18:04

"Das Abkommen ist laut deutscher Regierung wichtig für die Bekämpfung von Produkt- und Markenfälschungen." ... warum hat man es dann nicht nur darauf beschränkt ?

Richtig, damit man diesen Aspekt als Argument für ACTA anführen kann, weil man weiß das der Großteil der Bevölkerung mit dem Rest garnicht einverstanden ist.

Das kommt halt davon wenn man Geheinverhandlungen führt und das Volk für dumm verkaufen möchte.

STiAT
04
13.2.2012, 17:59

War ja klar dass die Lobbyisten aus den Löchern kriechen sobald Widerstand auftaucht.

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