Frau hat sich als die Nichte des damaligen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak bezeichnet
Rom - Im Sex-Prozess gegen den früheren italienischen
Regierungschef hat ein Polizeizeuge pikante Einzelheiten aus den
Verhören der damals 17-jährigen Marokkanerin Ruby berichtet. Das im
Mai 2010 wegen eines Diebstahls festgenommene Partygirl habe
berichtet, Berlusconi habe ihr Avancen gemacht, die sie jedoch
abgelehnt habe. Das erklärte der Polizeibeamte Ermes Cafaro am Montag
in Mailand bei einem Gerichtstermin um "Rubygate", wie die
italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Im Prozess um wilde
Partys ist Berlusconi angeklagt, sein Amt missbraucht und verbotenen
Sex mit minderjährigen Prostituierten gehabt zu haben.
Eine Sackerl mit 15.000 Euro sei ihr von einem Mitarbeiter
Berlusconis übergeben worden, als sie sich auf dem Fest nicht wohl
gefühlt habe und vorzeitig gegangen sei, soll Ruby erklärt haben.
Dort seien Männer und Frauen gewesen, wobei die letzteren sich
entkleidet hätten, was ihr unbehaglich gewesen sei. Der Polizist gab
aber auch als Rubys Aussage zu Protokoll, sie habe Berlusconi gesagt,
dass sie volljährig sei. Ruby habe sich als die Nichte des damaligen
ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak bezeichnet. Das ist eine
Aussage, auf die sich auch Berlusconis Darstellung stützt.
Berlusconi wird auch Amtsmissbrauch vorgeworfen, weil er das
Mädchen mit einem Anruf bei der Polizei aus deren Gewahrsam befreit
haben soll. Er habe geglaubt, dass sie Mubaraks Nichte sei und dann
diplomatische Probleme mit Ägypten vermeiden wollen, hatte er gesagt.
Berlusconi bestreitet strafbare Handlungen. Mehr als 200 teils
prominente Zeugen sollen noch vor Gericht geladen werden, darunter
US-Filmstar George Clooney, die Schauspielerin Elisabetta Canalis und
Real Madrids Fußballstar Cristiano Ronaldo. Berlusconi nahm bisher
nicht an den "Rubygate"-Verhandlungen teil. (APA)