Der Sonnenuntergang des Medientycoons

13. Februar 2012, 17:03
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Rupert Murdoch und seiner News Corp. drohen drastische Kollateralschäden aus dem "Sun"-Bestechungsskandal: Neben Zigmillionenstrafen in den USA könnte es auch um die Sendelizenzen für Fox und BSkyB gehen

Medientycoon Rupert Murdoch, demnächst 81, kämpft um den Erhalt der Sun. Die größte britische Zeitung und zehntgrößte der Welt kommt unter immer stärkeren Druck, seit die britische Polizei, wie berichtet, am Wochenende fünf Führungskräfte des Boulevardblattes verhaftete.

Die Sun-Journalisten stehen unter dem Verdacht der Bestechung und Beihilfe zum Amtsmissbrauch und sollen Polizisten und andere Beamte für Informationen bezahlt haben. Rupert Murdochs Medienimperium News Corporation wurde 2011 durch den Abhörskandal bei der Sonntagszeitung News of the World, die er rasch einstellte, erschüttert.

Stimmung katastrophal

Jetzt will Murdoch Ähnliches bei der Sun verhindern. Er versicherte der Belegschaft seine "totale Bereitschaft", das Blatt weiter "zu besitzen und publizieren". Damit will Murdoch Gerüchten entgegentreten, dass die Sun verkauft oder eingestellt würde. Die Stimmung im Newsroom ist dennoch katastrophal. "Dies ist ein Unternehmen, das Loyalität über alles andere stellte. Und jetzt werden Leute von der Klippe gestoßen", zitiert der Guardian einen ungenannten Mitarbeiter. Er meint damit das verlagsinterne "Management and Standards Committee", das Murdoch einsetzte, um Missstände im Haus aufzuklären.

Dieses Komitee lieferte jene Infos, auf deren Basis Scotland Yard die Sun-Journalisten nun verhaften konnte. Jetzt geht die Angst um: Wen noch wird es treffen? Geld für Informationen zu zahlen, ist weit verbreitet im britischen Journalismus.

Als die damalige Chefredakteurin Rebekkah Brooks 2003 vor einem Parlamentsausschuss erwähnte, dass ihr Blatt Polizisten bezahle, regte das niemand auf. Seit der Abhörskandal die Abgründe journalistischer Methoden aufdeckte, hat sich die Stimmung gedreht. Über eine "Hexenjagd" klagte Trevor Kavanagh am Montag in der Sun. "Wer überwacht eigentlich die Polizei?", entrüstete sich der Chefkommentator.

Lässt sich der Vorwurf der Beamtenbestechung beweisen, drohen Murdoch ernste Probleme in den USA, wo die News Corporation die Hälfte ihres Umsatzes erzielt. Laut US-Korruptionsgesetzen sind Unternehmen auch für ausländische Konzernteile verantwortlich - empfindliche Millionenstrafen und Haft für Führungskräfte drohen. Siemens etwa musste 2008 in einem Korruptionsfall 800 Millionen Dollar zahlen.

"Guter Charakter" gefordert

US-Mediengesetze verlangen zudem für Sendelizenzen den Nachweis "guten Charakters", Großbritannien kennt ähnliche Regeln. In den USA zählen Fox und Fox News zu den größten Kanälen, in Großbritannien dominiert BSkyB das Pay TV. Auch diese Sendergruppe ist hochprofitabel.

Kein Wunder also, dass Rupert Murdoch jetzt alles unternimmt, um den Skandal bei dem britischen Boulevardblatt unter Kontrolle zu bekommen und zur Schadensbegrenzung selbst nach London fliegt. (Jochen Wittman aus London, DER STANDARD, Printausgabe, 14.2.2012)

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    Mit dem Kauf der "Sun" setzte der australische Tycoon Rupert Murdoch 1969 den ersten großen Schritt zum Weltkonzern. Mit dem Bestechungsskandal droht seine Sonne unterzugehen.

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