UN-Mitarbeiterin in Kairo erschossen

13. Februar 2012, 15:36

Offenbar krimineller Hintergrund - Proteste wegen Vertreibung von Kopten auf Dorf nahe Alexandria

Kairo - In der ägyptischen Hauptstadt Kairo ist eine Mitarbeiterin der Vereinten Nationen offenbar von Kriminellen erschossen worden. Wie die UNO am Montag auf ihrer lokalen Internetseite schrieb, wurde die Beraterin am Vortag auf ihrem Weg zur Arbeit erschossen, als Bewaffnete ihren Wagen rauben wollten.

Nach Angaben aus Justizkreisen waren die Täter zunächst flüchtig. Die Angreifer hätten in dem Stadtteil Mohandessin von einem anderen Fahrzeug aus gezielt auf die Ägypterin geschossen, hieß es. Seit dem Sturz von Präsident Hosni Mubarak hat Ägypten wegen des Machtvakuums mit wachsender Kriminalität zu kämpfen.

Auch die religiösen Spannungen nehmen weiter zu. Am Sonntag demonstrierten Hunderte Menschen in Alexandria gegen Selbstjustiz und religiöse Diskriminierung. Grund waren Berichte, dass wegen einer Liebesbeziehung zwischen einem Kopten und einer Muslimin acht koptische Familien aus ihrem Dorf im Großraum der Hafenstadt vertrieben wurden. Wie die staatliche Zeitung "Al Ahram" berichtete, hatte ein Video, das "obszöne" Bilder dieser "verbotenen" Beziehung zeigte, den Streit ausgelöst.

Schließlich nahm sich ein lokaler islamischer Geistlicher laut Bericht des Falles an. Nach einer Anhörung beschloss er demnach, dass die Christen ihre Heimat verlassen müssen und ihre Besitztümer verkauft werden. Die Muslimbruderschaft, die im neuen Parlament die Mehrheit stellt, verteidigte das Vorgehen in einer Erklärung. Alle Betroffenen seien zum eigenen Schutz aufgefordert worden zu gehen. (APA)

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FromVolk
01
14.2.2012, 13:13

Mubarak hätte nie gehen dürfen. Jeder der schon mal in Ägypten (bes. Cairo, Alex) und die Menschen dort erlebt hat, weiss dass dieses Volk schwer zu regieren ist. Ich mocht ihn selbst nicht aber er hatte das Land im Griff. Die Medien tun immer so als wenn die Führung gewechselt wird sich das ganze Land ändert. Ich glaube sogar das Volk selbst glaubt dass. Ich könnte jetzt weiter ausholen aber was bringt es schon... Ich trauer um alle die im Kampf für Freiheit gestorben sind und um alle die noch folgen werden.

Kowosch
 
00
14.2.2012, 18:00
"weiss dass dieses Volk schwer zu regieren ist."

Hm, wie sieht denn ein "einfach zu regierendes Volk aus"?

Und möchten Sie in einem Land leben, das ein korrupter Präsident auf de-facto Lebenszeit "fest im Griff" hat? Oder gilt bei Ihnen "Hauptsache Ordnung"? (dann hätte ich wohl für meine erste Frage ein historisches Beispiel zur Hand...)

Ich war häufiger in Kairo und halte es für - wie eigentlich überall- sehr gewagt, zu denken, es gäbe "das Volk".

Auf Ägypten warten sehr, sehr schwere Zeiten - und große Risiken. Aber was wäre denn die Alternative gewesen? Weiterhin die Entwürdigung der Menschen? Das ging doch viel zu lange so, deshalb hat sich ja auch gesellschaftlich nicht so viel weiterentwickeln können und die Religion blieb für viele DAS Alternativmodell einer besseren Welt.

FromVolk
00
14.2.2012, 22:16

Falls wir wirklich von entwürdigt sprechen dann trifft es die Leute die ihre Meinung frei aussprechen wollten und Mundtod bis ganz Tod gemacht worden sind!!!

FromVolk
00
14.2.2012, 22:15

Kennen Sie ein Land wo die Präsidenten nicht Korrupt sind???
"Ordnung" war nur ein Beispiel....

Und die schwierigen Zeiten hatten die Ägypter schon immer. Warum gesellschaftliches sich nicht viel weiterentwickelt, hat viele Gründe... An erster Stelle weil der Präsident nicht viel getan hat. Aber andererseits ist es dort schwierig Massnahmen umzusetzen da eine gewissen Disziplin fehlt. Und dass sehen sie in der Strassenverkehrsordnung, in der Art wie die Wahlen ablaufen bis hin warum sich bis jetzt nicht viel getan hat.

Entwürdigt!! ist dort keiner. Dass ist ne westliche Ansicht! Die Ägypter lieben ihr Land und ihre Religion und wollen nichts anderes als diese auch Ausleben können.

Kowosch
 
01
14.2.2012, 22:43
"Entwürdigt!! ist dort keiner."

Da kenne ich Ägypter, die das anders gesehen haben.

"Die Ägypter lieben ihr Land und ihre Religion und wollen nichts anderes als diese auch Ausleben können."

Doch, die wollen auch noch etwas mehr, auch wenn Nationalismus und Religiosität in der Tat für viele wichtig sind. Und dieses "mehr" ist keine "westliche Ansicht": Nämlich a) eine Zukunftsperspektive für Ihre Kinder und sich selbst, b) als Menschen für voll genommen und nicht von einem durch und durch korrupten Machtapparat ver4rscht zu werden. Das sind nämlich auch Menschen.

Auch Sie würden Ihre Würde wohlverletzt sehen, wenn man Ihnen immer ins Gesicht lügt. Ja, das geschieht hier auch - aber (noch nicht) so wie dort (lächerlich, da mit "alle Präsidenten sind korrupt" zu kommen!).

mistvieh666
 
00
14.2.2012, 21:05

klar, hauptsache ordnung.
weil ohne ordnung passiert genau das, was jetzt in aegypten passieren wird: irgendwer, wahrscheinlich irgendeine islamistische koalition, wird die ordnung wieder herstellen.
das unproduktive interregnum bis dahin wird 3,4 jahre dauern und es wird nicht als die grosse demokratische zeit in erinnerung der menschen bleiben, sondern als das was es ist: scheisse.

Kowosch
 
00
14.2.2012, 22:05

Und Ihre Alternative wäre gewesen?

Sollte man den Österreichern also auch lieber wieder die Souveränität entziehen?

Und in Südafrika zurück zur Apartheid?

Das kann doch auch alles nicht die Lösung sein! Ich behaupte sogar, daß das lange massive Festhalten an der Diktatur Mubaraks das Problem mit den Islamisten nur verschärft hat. Die politischen Diskurse, die ja nun einmal zu einer Demokratie gehören, waren so eben untersagt. Und bleiben ungeübt. Das Idealbild einer gerechteren Gesellschaft, die ja eine legitime Forderung war, wurde so über die religiösen Lehre ausgefüllt.

Ihre scheinbar sehr präzisen Vorhersagen hinsichtlich Ägypten basieren auf welchen Auswertungen?

an kog
03
14.2.2012, 13:30

Der Herr ist bald 85 Jahre alt. Irgendwann in absehbarer Zeit hätte er aus so "gehen müssen".

FromVolk
01
14.2.2012, 13:37

Die Jugend von Ägypten war eigentlich guter Hoffnung an seinen Sohn. Er wäre der erste seit über 50 Jahren der nicht aus dem Militär kommt. Hat Politik studiert etc... Und wäre für den Übergang zu einer echt Demokratie passender gewesen.

Bibabutzemann
00
14.2.2012, 14:48

Hat man das bei Assad Junior nicht auch behauptet?

Kowosch
 
00
14.2.2012, 18:07

"Alles Schall und Rauch" nehmen Sie als Informationsquelle ernst?

Na dann...

FromVolk
10
14.2.2012, 22:18

und was ist denn ihre? CNN, NBC, CBS, ABC, Fox, BBC, ZDF, ARD, ORF, SF, Standard.....?

Armes Lamm. Spätestens wenn es Sie oder ihre Verwandten trifft werden sie auch merken was sich wirklich abspielt.

Kowosch
 
00
14.2.2012, 22:52

Gerade oben habe ich noch versucht, Ihnen ernsthaft zu antworten. War wohl schade um die Zeit.

Ein "Lamm" ist wohl sicher, wer schwerste Polemik à la Fox nicht erkennen kann, wenn sie sich einen "systemkritischen" Anstrich gibt (was ja witzigerweise Fox von sich selbst wohl auch so sieht, die "Systemkritik"). Sorry, aber da fehlt dann wohl was im Hirn, hm?

Ad Quellen: Auf arte lief vor kurzem z.B. mal eine ganz gute Doku mit vielen Orginalstimmen. Die ZEIT hat auch mal ausführlichere Artikel. Auch in Buchform gäbe es einiges zu lesen. Alaa Al Aswany kennen Sie ja sicher, wo Sie Ägypten so gut kennen, oder?

Und dann habe ich selbst noch ägyptische Kontakte vor Ort in Kairo. Fahre da auch bald wieder hin.

FromVolk
10
14.2.2012, 23:06

Sie Missverstehen meine Postings.
Ich bin nicht für Mubarak. Und habe seine Politik nie befürwortet. Aber wenn ich vergleiche vorher/nachher dann wäre mir ein Übergang mit weniger Opfern lieber. Falls er jemals statt gefunden hätte. Mir tun die ganzen Opfer leid.
Bezüglich Zukunftsperspektiven bin ich genauso bei Ihnen.
Über Korrupte Machtapparate brauchen wir wohl nicht zu diskutieren. Die einen machen es offensichtlich die anderen sogar so offensichtlich dass man es nicht glauben kann... Lächerlich ist es auf keinen Fall da es uns alle betrifft.

an kog
11
14.2.2012, 13:45

Es ist halt immer so eine Sache, wenn man eine Erbmonarchie einführt um damit vielleicht den "Übergang zur Demokratie" zu erwirken.

Das ist ein bisschen wie den Teufel mit dem Belzebub austreiben.

FromVolk
01
14.2.2012, 13:58

Ja wie gesagt. Ägypten bzw. Ägypter sind sehr schwer zu regieren. Bildungsstand ist sehr niedrig (schon immer von den Regierungen beabsichtigt). Somit auch Disziplin, Ordnung, korrekte Weltansicht. Dazu kommen die veralteten Religionsansichten und und und... Um so ein Land zu ändern muss man es "neu erziehen" alles andere ist nur Zeitverschwendung.

an kog
00
14.2.2012, 14:16

Da gebe ich Ihnen völlig recht.
Aber mit Söhnen von Herrschern kann man Glück oder auch Pech haben. Wenn jemand einmal an der Macht ist, kann sich sein Charakter bekanntlich auch zum negativen hin verändern und vielleicht kommt ihm dann auch der Gedanke, dass logischer Weise sein Sohn der nächste sein muss und dazu soll das Volk freilich ganz genau so bleiben wie es jetzt ist.

ma rkus
30
14.2.2012, 12:01
jetzt zeigt die muslim bruderschaft

ihr wahres gesicht.

angelvoices
10
14.2.2012, 10:07
nur durch Vermischung der Völker kann Frieden

auf der Erde erhalten werden - dieses Paar sollte belohnt und nicht verfolgt werden (Asyl in Europa)- aber dieser Weg der Versöhnung scheint in Ägypten noch unmöglich -und der Geistliche hat total falsch reagiert...und wo ist die ach so moderne Facebook -gesellschaft?

an kog
00
14.2.2012, 13:24

"nur durch Vermischung der Völker kann Frieden auf der Erde erhalten werden"

ach was.

Irgendwelche Pseudokategorien finden sich immer, damit man sich gegenseitig oder einseitig abgrundtief hassen kann.

Mann40
00
14.2.2012, 09:27

Ägypten isoliert sich politisch zusehends selbst, das kann nur in einem Fiasko enden.
Man sollte den Kopten in der westlichen Welt Asyl gewähren.

supermike
23
14.2.2012, 09:00
So ists halt in einer islamistischen Demokratie...

Der Waehlerwille
 
03
14.2.2012, 08:30
" .. Alle Betroffenen seien zum eigenen Schutz aufgefordert worden zu gehen. ... "

Das geschieht auch nicht zum ersten mal in der Geschichte ...

an kog
03
14.2.2012, 13:26

Das ist wie wenn man in Deutschland nach der schrecklichen Geschichte mit der vor Gericht ermordeten Ägypterin, zu deren Sicherheit alle Ägypter und Ägypterinnen ausgewiesen hätte.

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