Offenbar krimineller Hintergrund - Proteste wegen Vertreibung von Kopten auf Dorf nahe Alexandria
Kairo - In der ägyptischen Hauptstadt Kairo ist eine
Mitarbeiterin der Vereinten Nationen offenbar von Kriminellen
erschossen worden. Wie die UNO am Montag auf ihrer lokalen
Internetseite schrieb, wurde die Beraterin am Vortag auf ihrem Weg
zur Arbeit erschossen, als Bewaffnete ihren Wagen rauben wollten.
Nach Angaben aus Justizkreisen waren die Täter zunächst flüchtig.
Die Angreifer hätten in dem Stadtteil Mohandessin von einem anderen
Fahrzeug aus gezielt auf die Ägypterin geschossen, hieß es. Seit dem
Sturz von Präsident Hosni Mubarak hat Ägypten wegen des Machtvakuums
mit wachsender Kriminalität zu kämpfen.
Auch die religiösen Spannungen nehmen weiter zu. Am Sonntag
demonstrierten Hunderte Menschen in Alexandria gegen Selbstjustiz und
religiöse Diskriminierung. Grund waren Berichte, dass wegen einer
Liebesbeziehung zwischen einem Kopten und einer Muslimin acht
koptische Familien aus ihrem Dorf im Großraum der Hafenstadt
vertrieben wurden. Wie die staatliche Zeitung "Al Ahram" berichtete,
hatte ein Video, das "obszöne" Bilder dieser "verbotenen" Beziehung
zeigte, den Streit ausgelöst.
Schließlich nahm sich ein lokaler islamischer Geistlicher laut
Bericht des Falles an. Nach einer Anhörung beschloss er demnach, dass
die Christen ihre Heimat verlassen müssen und ihre Besitztümer
verkauft werden. Die Muslimbruderschaft, die im neuen Parlament die
Mehrheit stellt, verteidigte das Vorgehen in einer Erklärung. Alle
Betroffenen seien zum eigenen Schutz aufgefordert worden zu gehen. (APA)