Eis-Lady im Einsatz: "MS Eisvogel" befreite Wiener Hafen

13. Februar 2012, 14:38
20 Postings

Bis zu 45 Zentimeter dicke Schichten - Kapitän Steindl: "Eis ist so hart wie noch nie"

Wien - Ohne die 56 Jahre alte Lady gibt es kein Vorwärtskommen im Wiener Hafen: Die MS Eisvogel ist seit Beginn der Kältewelle im Dauereinsatz. Der Eisbrecher räumt seit 1955 die Fahrrinnen in den Becken des Wiener Hafens frei, wenn diese zufrieren. Im heurigen Winter hat das Schiff mit besonders harten Eisschichten zu kämpfen. "Das Eis ist bis zu 45 Zentimeter dick, so hart wie noch nie", bekräftigte Kapitän Wolfgang Steindl am Montag bei einer Hafenfahrt mit Journalisten.

Montag, kurz nach 9.00 Uhr, im Hafen Freudenau: Neben einem Frachtschiff lag nur ein einziges Schiff vor Anker, die MS Eisvogel. Rundherum Eis. Das Ziel der Fahrt: Die bis zu 45 Zentimeter dicken Eisschichten im Hafen Wien aufzubrechen, damit auch im Winter weiterhin Frachtschiffe abgefertigt werden können. "Ich arbeite schon seit 20 Jahren auf der Eisvogel, aber so eine massive Eisdecke hab ich noch nie gehabt", sagte der Kapitän. Ein wenig Respekt schwang in seiner Stimme mit: "Es ist schön mitanzusehen, wie die Eisplatten wegspritzen, aber auf der anderen Seite muss ich ständig aufpassen, eine Kollision mit dem Eis zu vermeiden und heute besonders."

"Leinen los"

Wenige Minuten später hieß es "Leinen los" für die fünfköpfige Mannschaft. Neben dem Kapitän sind dies ein Maschinist, zwei Steuermänner und ein Matrose. Ihre Eis-Lady verfügt über 520 PS starke Dieselmotoren, die im Einsatz auf Hochtouren laufen. Immerhin ist das Schiff 80 Tonnen schwer und 32 Meter lang. Fast ohne großen Mühen kämpfte sich die MS Eisvogel Meter für Meter durch das zugefrorene Freudenauer Hafenbecken, an Bord wackelte es nur ein wenig.

Kurze Zeit später herrschte bei der Demonstrationsfahrt aber Stille. Das Schiff war tatsächlich im Eis stecken geblieben. "Hier ist das Eis dicker. Wir müssen nun das Schiff zurückfahren. Dadurch können wir mehr Anschub nehmen und so besser durch das Eis kommen", betonte Steindl. Das Manöver gelang. Erst nach etwa einer Stunde Fahrtzeit erreichte die MS Eisvogel ihr Ziel, die Gabelung zur Donau. Zwischendurch blieb das Schiff immer wieder im Eis hängen, musste rückwärtsfahren und mit neuem Schwung die Tour fortsetzen.

Zwei Wochen Dauereinsatz

Die MS (Motorschiff) Eisvogel ist bereits seit rund zwei Wochen im Dauereinsatz, denn schon ab minus sechs Grad beginnen die Fahrrinnen der Hafenbecken zu gefrieren. Trotzdem wird das Eis anfangs nur so wenig wie möglich gebrochen: "Würden wir ständig durchfahren, würden die Eisplatten immer dicker werden, weil sich das aufgebrochene Eis auf das andere Eis schiebt", erklärte Steindl. Eisschichten von bis zu 70 Zentimeter Dicke wären rasch die Folge - dies sei die Grenze, die der Eisbrecher durchbrechen kann und dies gelte es zu verhindern.

Der Freudenauer Hafen ist nicht das einzige Einsatzgebiet des einzigen Wiener Eisbrechers. Am heutigen Montag folgte auch noch ein "Besuch" des Alberner Hafens. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die MS Eisvogel ist seit rund zwei Wochen im Dauereinsatz.

Share if you care.