Frankreichs Staatsbahn

SNCF sieht Westbahn-Beteiligung als Test

13. Februar 2012, 14:34

Von der bisherigen Entwicklung des Projekts zeigt sich SNCF-Generaldirektor Guillaume Pepy "sehr beeindruckt"

Paris - Die französische Staatsbahn SNCF sieht ihre Beteiligung an der österreichischen Westbahn, die seit Dezember die Strecke Wien-Salzburg bedient, als Test. Ob die Franzosen ihre Sperrminorität von knapp über 25 Prozent tatsächlich aufstocken wollen, wie in Österreich immer wieder kolportiert, darüber ließ sich die SNCF-Spitze nichts entlocken. Von der bisherigen Entwicklung des Projekts zeigt sich SNCF-Generaldirektor Guillaume Pepy jedenfalls "sehr beeindruckt".

Intercity-Verkehr wird neu erfunden

Durch die Westbahn werde der Intercity-Verkehr "neu erfunden", meint Pepy. Die ÖBB werde unter der Konkurrenz nicht leiden, sondern davon profitieren, ist der SNCF-Manager überzeugt. Im eigenen Land muss Konkurrenz im Bahn-Personenverkehr jedoch noch einige Jahre warten: In Frankreich wird der Wettbewerb im Personenverkehr auf der Schiene erst in einigen Jahren möglich. Hingegen ist der Frachtbereich schon geöffnet - hier verlieren die Franzosen Marktanteile an die Deutsche Bahn.

Falls die SNCF ihre Beteiligung an der Westbahn von 25,93 Prozent aufstocken wolle, brauche man dazu natürlich einen Partner, der seinen Anteil verkaufen wolle, erläuterte SNCF-Finanz- und Strategievorstand David Azema. Es brauche immer zwei Partner für ein Geschäft, meint Azema. Bei der Westbahn halten Strabag-Chef Hans-Peter Haselsteiner, Ex-ÖBB-Manager Stefan Wehinger und die Schweizer Augusta Holding die übrigen Anteile.

Das Busgeschäft der Westbahn über den Westbus, ein Tochterunternehmen der Westbahn-Mutter RailHolding, wäre in Frankreich jedenfalls nicht denkbar. Mittel- und Langstreckenbusverkehr ist in Frankreich nämlich verboten, erläuterte Jean-Pierre Farandou, Chef der Nah- und Regionalverkehrsgesellschaft SNCF Proximites. Eine Busgesellschaft würde der SNCF Passagiere wegnehmen.

Engagement in Italien

Die Franzosen stecken nicht nur in Österreich ihre Claims ab: In Italien halten sie 20 Prozent an der Gesellschaft NTV (Nuovo Trasporti Viaggatorii), die ab heuer Hochgeschwindigkeitszüge in Italien operativ betreiben will. Bei den Hochgeschwindigkeitszügen sieht sich die SNCF als führend in Technologie und Vermarktung in Europa. Die bereits 1981 gestarteten TGVs seien eine Erfolgsstory, die die Franzosen gerne auf andere Länder übertragen wollen. "Es kommt Dynamik in Europas Zuggeschäft", meint Pepy.

Unzufrieden ist die SNCF mit der EU: Brüssel schieße beim "Unbundling", der Entflechtung von Netz und operativem Betrieb, übers Ziel hinaus, so die wenig verhüllte Botschaft der Franzosen. Die EU vergesse den globalen Wettbewerb und konzentriere sich zu sehr auf den Wettbewerb innerhalb der EU-Grenzen. Wenn Europa auch in Zukunft globale Player wie die SNCF und die Deutsche Bahn (DB) haben wolle, dann dürften diese nicht mit uneffektiven Strukturen kämpfen müssen, wird von der Staatsbahn argumentiert.

Im Lobbying gegen Brüssels Bemühungen will die SNCF nun auf einen Schulterschluss mit der Deutschen Bahn setzen: Das DB-Modell eines "integrierten Konzerns" sei für die Franzosen das Vorbild. Die Trennung von der Infrastrukturgesellschaft RFF will die SNCF lieber heute als morgen wieder rückgängig machen. Zu viele Konfliktfälle hätten gezeigt, dass diese Struktur nicht das beste Modell für einen effektiven Bahnbetrieb sei. Außerdem sei eine eigene Infrastrukturgesellschaft kein Garant für fairen Wettbewerb: In Spanien gebe es trotz getrennter Strukturen einen komplett abgeschotteten Bahnmarkt. (APA)

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13 Postings
sepp schilehrer
01
19.3.2012, 16:09

Mittel- und Langstreckenbusverkehr sollte generell verboten bleiben!

Braucht kein Mensch!

.::.wanderfalke.::.
 
05
14.2.2012, 14:18
Die SNCF zieht sich im Flächenland Frankreich aus der Fläche zurück ...

bedient die Hauptstrecken und lässt keine private Konkurrenz aufkommen. Die Westbahn belebt in AT nicht den IC-Verkehr, sondern gräbt der ÖBB dort, wo sie verdienen kann, Deckungsbeiträge ab. Mir ist nicht bekannt, dass die WESTbahn dort, wo das Angebot der ÖBB für Fernreisende mangelhaft ist, z. B. auf der Verbindung Salzburg - Graz oder Linz - Graz, eine Betriebstätigkeit auf Schienen entfaltet. Die Gummibahn WESTBus verkehrt parallel zu den Verkehrszeiten von ÖBB-Zügen, ist allerdings langsamer, als die Umsteigeverbindungen der Schienenbahn!

sepp schilehrer
11
19.3.2012, 16:10

Die WESTbahn wäre aber gerne einen 2h-Takt-Graz - Salzburg gefahren, nur haben die ÓBB samt Dorli Buresch dies verhindert.

.::.wanderfalke.::.
 
00
20.3.2012, 23:23
Weder Buresch noch Kern haben verhindert,

dass die WESTbahn dort fährt, wo sie gebraucht wird. Das ist nicht zustande gekommen, weil die WESTbahn nur dann fahren will, wenn sie Betriebskostenzuschüsse erhält, die auch ihre Mitbewerber erhalten, allerdings dafür, dass sie die von den Verkehrsverbünden bestellten Verkehrsleistungen erbringen. Auch die GKB wären dazu bereit, über die bestehenden Linien hinaus Zugverbindungen zu führen. Detto die StLB, wenn dafür die ÖBB auf anderen Strecken auf Trassen zugunsten der StLB verzichten. Das könnte bei der Radkersburger-Bahn der Fall sein, wo die ÖBB Langsamfahrstellen nicht saniert und lieber heute als morgen den Betrieb einstellen möchte, statt die Endhaltestelle RA näher an die Stadt zu rücken, was möglich wäre.

. g.bac
10
14.2.2012, 13:27
ein no-na interview

so schlau, die eigenen märkte schützen zu wollen und in fremden teichen fischen waren auch schon einige ;-)

für österreich spielts aber ohnehin keine rolle, da der öbb-zwerg ohnehin seine lebensberechtigung verspielt hat, die frage ist nicht, ob sie jemand übernimmt sondern nur wer.

revisor69
 
41
14.2.2012, 11:34
Wettbewerb

Tja, wo sind die großen Töne-Spucker der Staatsbahn?

Es ist sehr ruhig geworden, das Projekt Westbahn dürfte viel besser laufen als manchen Kritikern lieb und recht sein wird.

rud L
00
14.2.2012, 23:45

Der Alsthom TGV. Österreichs Alsthom war seinerzeit die staatliche SGP,jetzt Gitti Ederers Siemens. Ohne Staat tut sich die Nationalbahngesellschaft Frankreichs gleich viel härter ( Kanaltunnel- ICE als Beispiel)
Sowas meinten Sie doch?

Honkong Fu
02
14.2.2012, 10:10
hört hört

Das Busgeschäft der Westbahn über den Westbus, ein Tochterunternehmen der Westbahn-Mutter RailHolding, wäre in Frankreich jedenfalls nicht denkbar. Mittel- und Langstreckenbusverkehr ist in Frankreich nämlich verboten, erläuterte Jean-Pierre Farandou, Chef der Nah- und Regionalverkehrsgesellschaft SNCF Proximites. Eine Busgesellschaft würde der SNCF Passagiere wegnehmen.

Wer will das wissen?
10
13.2.2012, 17:37
Tit for tat

Ich schließe mich meinen Vorpostern an: Märkte öffnen ja, aber nur auf Gegenseitigkeit. Aber von der eigenen geschützten Werkstätte aus fremde Märkte erobern ist kein marktwirtschaftliches Konzept.

Von den Franzosen gibts da aber eine schon eine lange diesbezügliche Historie. Siehe z.B. der Energiemarkt

lichaot
00
14.2.2012, 12:51

Zum Glück! Wir hatten bereits den ungarischen Güterverkehr erobert!

Daniel Zwick
02
13.2.2012, 16:16
Die SNCF…

…selbst wollen sie überall fahren (bzw. tun es bereits über unzählige Beteiligungen), aber bei ihnen darf keiner. Da wird völlig ungeniert blockiert, was nur geht.

revisor69
 
30
14.2.2012, 11:33
Vergleich Österreich

Das ist dort so wie bei uns im Nahverkehr.

Die Negierung von EU-RL führte bereits zu Verfahren bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft. Es wird Zeit, daß auch im Nahverkehr der Wettbewerb Einzug hält, Leistungen billiger und besser werden und die alten Pfründe aufgebrochen werden.

Michael Seeber
13
13.2.2012, 15:02

solche pharisäer!

solange der ausländische markt betroffen ist, ist liberalisierung des bahnsektors toll und belebt das geschäft.

wenns um den eigenen heimmarkt geht, ists nur schlecht und böse...

die liberalisierung ist meiner meinung nach sehr gut, sieht man alleine daran, dass die öbb einiges versucht, um kundenfreundlicher zu werden.

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