Ende beim "Wettrüsten" um höchsten Buddha-Tempel Europas

13. Februar 2012, 18:31
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Der Stupa-Bau in Gföhl ist gescheitert: Weil weder der wirtschaftliche noch der kulturelle Rahmen passt, sagen die Gegner

Die Bevölkerung der Stadt Gföhl im Waldviertel hat sich - wie berichtet - klar gegen den Bau eines buddhistischen Stupa ausgesprochen. Bürgermeister Karl Simlinger, der sich vehement für das Projekt eingesetzt hatte, lässt sich einen Tag nach der Entscheidung kaum Wehmut anmerken: "Die Wahl ist eindeutig ausgefallen, das Ergebnis kommt einem Gemeinderatsbeschluss gleich", sagt er im Gespräch mit derStandard.at.

Allerdings ist sich der ÖVP-Politiker weiterhin sicher, dass der knapp 4000-Einwohner-Gemeinde wertvolle touristische Impulse verloren gehen. Zahlreiche Wirtschafts- und Tourismusexperten des Waldviertels hätten auf die positiven Effekte hingewiesen.

Nur eine Handvoll Touristenunterkünfte

Dem widerspricht einer der schärfsten Projektkritiker, der Gemeinderat Johannes Pernerstorfer von der Bürgerliste "Wir für Gföhl" (WfG): "Um etwas für den Tourismus zu bewegen, hätte man zumindest eine Betreibergesellschaft einsetzen müssen. In Gföhl gibt es ja gerade einmal eine Handvoll Anbieter von Fremdenzimmern. Aber in der ganzen Planung hat es an Transparenz gefehlt. Der erste vorgelegte Plan hätte den Stupa mitten in einem Wohngebiet vorgesehen."

Bürgermeister Simlinger hingegen ist der Meinung, dass es womöglich zu viele Veranstaltungen für die Bevölkerung gegeben habe. "Wir wollten möglichst große Klarheit schaffen", so Simlinger, der nach dem Scheitern des Projektes möglichst schnell wieder zur Tagesordnung übergehen will: "Gestern war der 12. Februar, heute ist der 13. und morgen der 14. Es geht jeden Tag weiter, es werden neue Ideen und Perspektiven kommen."

"Keine Siege, keine Niederlagen"

Auch von Seiten der Projektbetreiberin, der Lotos-Lindmayer-Privatstiftung, akzeptiert man den Ausgang der Volksbefragung als "demokratische Entscheidung", wie Elisabeth Lindmayer betont: "Für mich als Buddhistin ist alles im Fluss. Ich kenne keine Siege und auch keine Niederlagen. Aus dieser Entscheidung ergeben sich nur wieder neue Perspektiven."

Woran sich Lindmayer aber dennoch stößt sind die "Hasstiraden, mit der die Bevölkerung gegen das Projekt aufgebracht wurde". Aber durch die mediale Diskussion habe die Stiftung auch "unglaublich viele positive Rückmeldungen" erhalten. "Wir haben sehr viele wunderbare Freunde gefunden und auch schon Anfragen für neue Standorte bekommen", so Lindmayer, die noch nicht sagen konnte, was mit jenem Gföhler Grundstück passiert, das sich im Besitz der Stiftung befindet.

"Verstaubte Waldviertler"

Auch Bürgermeister Simlinger und Projektgegner Pernerstorfer sind sich in einem Punkt einig sind: Dass der Einfluss von außen ein schlechtes Bild auf Gföhl werfe. Im Vorfeld hatte sich etwa der BZÖ-Politiker Ewald Stadler gegen den Stupa-Bau ausgesprochen, auch die Piusbrüderschaft, die "Mission Europa - Netzwerk Karl Martell" und die "Christlich-Soziale-Arbeitsgemeinschaft Österreichs" (CSA, aus dem Umfeld des verstorbenen Martin Humer) haben gegen das Projekt mobilisiert. Die beiden Letzteren mit einem Postwurf an alle Gföhler Haushalte.

"Was da kommuniziert wurde, hat mir als Gegner wehgetan - das war tiefstes Niveau und echt krass", erklärt Pernerstorfer, der keine Hardliner - "auch nicht die buddhistischen" - als repräsentativ für die Gföhler Bevölkerung sehen will. "Die Medien stellen uns ja als verstaubte Waldviertler hin, die mit aller Gewalt ein religiöses Zentrum verhindern wollen", so Pernerstorfer.

"Ein unserer Kultur fremdes Bauwerk"

Pernerstorfer selbst hatte vor der Volksbefragung im Gföhler Gemeindeblatt aber auch einen emotionalen Ton angeschlagen, etwa über den ausgewählten Platz, der als Galgenberg bekannt ist und früher als Hinrichtungsstätte eines Herrscherguts diente. "So wird an einem der markantesten Landschaftspunkte mit historischem Hintergrund ein unserer Kultur fremdes Bauwerk ... errichtet und thront über der Stadt als neues Wahrzeichen, welches weder unserem Kulturkreis entspricht, noch unsere Stadt vertritt", ist dort auf Seite 5 zu lesen. Zudem warf er der Lotos-Lindmayer-Privatstiftung vor, ein "Wettrüsten um den größten Stupa in Europa" zu betreiben, weil der geplante Bau 35 Meter hoch sein hätte sollen

Vor der Abstimmung hatte Pernerstorfer eine buddhistische Anlage in Zalaszanto in Ungarn besucht. "Der dortige Bürgermeister konnte von wenig zusätzlicher Wertschöpfung durch den Stupa berichten, weil fast ausschließlich Tagestouristen vorbeikommen. Das Zentrum ist eben nur ein Teil des sonstigen Tagesprogramms", erklärt der Gemeinderat. Für Gföhl habe man die Besucherzahlen auch stark nach unten korrigiert: "Von anfänglich 30.000 pro Jahr auf 2.000 bis 3.000 kurz vor der Volksbefragung." (mob, derStandard.at, 13.2.2012)

  • Auf einer Fotomontage ist der geplante Stupa zu sehen. Der Platz, auf dem er errichtet werden sollte, ist als Galgenberg bekannt, weil sich dort früher die Hinrichtungsstätte eines Herrscherguts befand.
    fotomontage: privat

    Auf einer Fotomontage ist der geplante Stupa zu sehen. Der Platz, auf dem er errichtet werden sollte, ist als Galgenberg bekannt, weil sich dort früher die Hinrichtungsstätte eines Herrscherguts befand.

  • In der Gemeindezeitung Treff.Punkt.Gföhl wurde der Stupa-Bau noch stark beworben. Bei der Volksbefragung sprachen sich zwei Drittel der teilnehmenden Wahlberechtigten (52 Prozent) dagegen aus.
    faksimile: treff.punkt.gföhl

    In der Gemeindezeitung Treff.Punkt.Gföhl wurde der Stupa-Bau noch stark beworben. Bei der Volksbefragung sprachen sich zwei Drittel der teilnehmenden Wahlberechtigten (52 Prozent) dagegen aus.

  • Johannes Pernerstorfer, Gemeinderat der Bürgerliste "Wir für Gföhl", war einer der stärksten Kritiker des Projekts in Gföhl.
    foto: privat

    Johannes Pernerstorfer, Gemeinderat der Bürgerliste "Wir für Gföhl", war einer der stärksten Kritiker des Projekts in Gföhl.

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