Starrichter Garzon in Schmiergeldprozess freigesprochen

13. Februar 2012, 14:20

Nach elfjährigem Berufsverbot wegen Rechtsbeugung folgt nun noch ein dritter Prozess

Madrid- Der Schmiergeldprozess gegen den bereits am Freitag in einem anderen Verfahren wegen Rechtsbeugung zu elf Jahren Berufsverbot verurteilten spanischen Starrichter Baltasar Garzon ist am Montag eingestellt worden. Garzon wurde beschuldigt, sich 2005 einen einjährigen Studienaufenthalt in New York von der Stiftung der spanischen Großbank Santander bezahlt haben zu lassen. Im Gegenzug soll er ein Verfahren gegen Santander-Chef Emilio Botin archiviert haben. Die Staatsanwaltschaft forderte wegen Bestechung fünf Jahre Haft und 30 Jahre Berufsverbot für den ehemaligen Ermittlungsrichter Garzon.

Der Oberste Gerichtshof erklärte am Montag jedoch, die Anklage sei "außerhalb der gesetzlichen Fristen" und damit zu spät eingereicht worden. Außerdem konnte Garzon glaubhaft machen, dass die Finanzierung der Studien nicht von ihm, sondern von einer spanischen Partneruniversität bei der Bank angefragt wurde und er die Einkünfte zudem korrekt beim spanischen Finanzamt belegt und gerechtfertigt hat.

Der Freispruch wegen der Santander-Schmiergeldaffäre kann allerdings nur ein kleiner Trost für den spanischen Richter sein, der weltweit mit spektakulären Verfahren gegen ETA-Terroristen, den ehemaligen chilenischen Diktator Pinochet und US-Präsident Georg W. Bush für Aufmerksamkeit sorgte. Am Freitag hatte der Oberste Gerichtshof in Madrid dem 56-jährigen Richter wegen des "illegalen" Abhörens von Gesprächen zwischen inhaftierten Verdächtigen und ihren Anwälten ein elfjähriges Berufsverbot auferlegt. Durch die Abhöraktion bei den Ermittlungen in einem Schmiergeldskandal um die konservative, spanische Volkspartei (PP), die seit kurzem wieder an der Macht ist, soll er 2009 die Vertraulichkeitsrechte der Anwälte verletzt haben.

In einem dritten Prozess steht Garzon womöglich noch eine Verurteilung wegen Rechtsbeugung ins Haus. Mit der Untersuchung von Menschenrechtsverbrechen während der spanischen Franco-Diktatur (1939-75) soll er gegen die 1977 verabschiedeten Amnestiegesetze verstoßen haben. Das Verfahren löste in Spanien eine Welle der Empörung aus, vor allem unter Franco-Opferverbänden. Garzon, der derzeit als Berater am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH bzw. ICC) in Den Haag arbeitet, war wegen seiner Arbeit an ähnlichen Fällen in Lateinamerika sogar für den Friedensnobelpreis nominiert. Internationale Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International sind der Meinung, Garzon sei in Spanien einer "Hetzjagd" einflussreicher Feinde aus der Politik und der Justiz ausgesetzt. (APA)

 

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19 Postings
tignosa
00
14.2.2012, 15:41
Garzón werden alle diese Schwierigkeiten nur gemacht, weil die paar noch lebenden Francisten- Machthaber noch immer Einfluss haben

und Angst. Angst, dass ihre ganzen Verbrechen ans Licht kommen. Kennen wir doch von wo, oder?

docaltea
10
14.2.2012, 13:43
soso..

....sowas passiert eben im land der bodegas, der Ribera del Dueros, des Flamenco, im Afrika am naechsten liegenden Land Europas. Hier faehrt man auch ohne Autoversicherung, ohne Fuehrerschein und es wird nicht kontrolliert. Hier gibts auch gute Dopingaerzte, alles in allem, wie ein befreundeter Spanier mal sagte "la mierda de europa". Und wieder ein Land das zu Unrecht in der gesinnungsgerechten EU ist.

Ernst Guevara
10
14.2.2012, 13:43
verstehe die aufregung hier nicht so ganz

als österreicher müsste man doch bescheid wissen, wie das ist, wenn man faschisten nicht nachhaltig für ihre verbrechen sanktioniert und darauf verzichtet, aus der vergangenheit lehren zu ziehen. die österreicher haben doch der welt in voller pracht vorexerziert, wie man es nicht machen soll und die nazis folglich nach 1945 recht schnell wieder gesellschaftlich integriert. die konsequenz ist halt, dass wir uns bis heute mit den blau eingefärbten erben der NSDAP herumärgern müssen. in spanien nimmt man sich ein beispiel, die wollen auch nix aus der geschichte lernen, daher sitzen die erben francos bis heute in den institutionen wie zb der richter- und staatsanwaltschaft. als österreicher braucht man da gar nicht so auf empört tun.

NONE
00
14.2.2012, 12:21

Die Systemfaschisten können noch so viel gegen ihn vorgehen wie sie wollen - ihr Urteil bleibt ein Kennzeichen der Korruption.

Garzon gehört sofort der Friedensnobelpreis verliehen, danach soll er gegen die Hintermänner in diesem perversen System zu Felde ziehen.

Die sollen hinter Gittern.

Fritz Meyer
05
14.2.2012, 07:48
Gleich noch den Ruf ruinieren...

damit es auch ja kein anderer Jurist wagt, den "Altersruhestand" der Faschisten zu stören.

Roter Baron
00
14.2.2012, 10:23

genau
spanien ist ja so europäisch....

19k
00
14.2.2012, 12:22
würdige Nachkommen der Konquistadoren

so so ....
04
13.2.2012, 20:45

Oha. Spaniens RRRechtsstaat noch unterirdischer als unserer ....?

Wo ist hier die EU ? Bei Jujos/Chodorkowsky stellt sich die Welt am Kopf (zurecht), und hier ?

Roter Baron
00
14.2.2012, 10:25

yep
es gibt rechts und den staat,
der rechts davon steht.

Gerhard Steingress1
07
13.2.2012, 17:22
Solidarität mit B. Garzón

Ein Richter, der gegen Terroristen und korrupte Politiker des weit rechten Lagers auftritt, ist ein Dorn im Auge der extremen Rechten. Spaniens Demokratie leidet darunter sehr nachhaltig. Jetzt merkt man, dass die so gepriesenen "Transición" in erster Linie den Faschisten dienlich ist. Garzón ist unbequem, weil er konsequent ist. Stärkt die internationale Solidarität für ihn! Es ist absurd, dass korrupte Politiker und Kriminelle in der Lage sind, einen Richter in das Out zu drängen. Was ist die Justiz dann noch wert?

NONE
11
14.2.2012, 12:24

Man braucht so ein Urteil nicht akzeptieren.

Ich denke es wird Zeit das die Zivilgesellschaft die Demokratie zurückerobert.

Die Faschisten werden nicht freiwillig die Macht abgeben. Es braucht eine Demokratie abseits der "Politiker".

Was ich nur erstaunlich finde ist WIE VIELE POLITIKER schweigen - und dies dulden.

Das hat mit "Justiz" nichts zu tun.

Das ist Faschismus pur um unbequeme Personen - wie Garzon - rauszuwerfen.

suboptimal
 
04
13.2.2012, 15:45
*freu*

und *verbeug*

WiKaBot
05
13.2.2012, 15:09
Spanien würde sich selbst einen Gefallen tun …

… wenn er in dem dritten Prozess freigesprochen würde und der erste in einer weiteren Instanz zu einem besseren Ende gelangt, denn solche Leute können wir an sich nicht genug haben …

ichbindort
10
14.2.2012, 12:07
Gibt's nicht

Es gibt keine weitere Instanz. Man hat Garzón direkt beim Obersten Gerichtshof den Prozess gemacht, somit kann er bei keiner weiteren Instanz Berufung gegen das Urteil einlegen.

NONE
00
14.2.2012, 12:24

Das ist völlig irrelevant.

Die Zivilbevölkerung muss die Faschisten entfernen egal welche "Gesetze" sie versuchen.

Garzon ist widerrechtlich "verurteilt" werden.

docaltea
00
14.2.2012, 13:46
und was schlaegst vor?

...dort einmarschieren????? Spanier dafuer zu gewinnen wuerde heissen die Volksmentalitaet aendern zu wollen. Der Spanier lebt seine geliebte "miedo", Angst, Angst vor allem und damit auch Angst vor den Konsequenzen seines Handelns. Wer kann hier schon um 5 Ecken denken?

peter schmidt
 
00
14.2.2012, 00:59
Ich denke jetzt tatsächlich, dass an Leuten die die Rechte von Beschuldigten/Verdächtigen mit Füssen treten

gar nicht so ein großer Mangel herrscht.

peter schmidt
 
00
14.2.2012, 00:57
Leute die die Rechte von a

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