Was bei einer Narkose im Gehirn passiert

13. Februar 2012, 15:10
7 Postings

Forscher hoffen, dass ein "Bewusstseinsmonitoring" des Gehirns dazu beitragen könnte, die Narkosetiefe besser zu steuern

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird die Narkose medizinisch angewendet - mittlerweile sind viele Wirkstoffe bekannt, die das menschliche Bewusstsein ausschalten. Doch noch immer hat die Medizin keine überzeugende Antwort auf die Frage, wie Narkose eigentlich funktioniert. Ein Forscherteam um den Neurophysiologen Gernot Supp von der Universität Hamburg ist dem Rätsel jetzt möglicherweise einen Schritt nähergekommen. Die Ergebnisse des Experiments erscheinen in der März-Ausgabe der Zeitschrift Psychologie Heute. 

Bewusstseinsverlust in Zeitlupe

Den Versuchspersonen wurde im Rahmen des Experiments Propofol in die Vene verabreicht, eines der gebräuchlichsten Narkosemittel. "Wir injizierten die Dosis aber nicht auf einmal, wie vor einer Operation, sondern schrittweise, damit wir den Bewusstseinsverlust sozusagen in Zeitlupe verfolgen konnten", erläutert Supp. Nach jeder neuen Injektion testeten die Forscher, wie stark sich das Bewusstsein bereits eingetrübt hatte. Gleichzeitig beobachteten sie per EEG die Hirnströme ihrer Probanden. 

Kommunikationsstörung im Gehirn

Unter anderem achteten sie darauf, wie das Gehirn elektrische Reize verarbeitete, die den Narkotisierten am Handgelenk verabreicht wurden. Die Forscher stellten fest, dass diese Sinnessignale selbst bei fortgeschrittener Bewusstlosigkeit noch immer in der Großhirnrinde ankamen. Stumm blieben aber jene höheren Hirnareale im Frontalhirn, die mit der Bewertung solcher Sinneseindrücke befasst sind. 

Supp und seine Kollegen führen dies auf eine Kommunikationsstörung im Gehirn zurück. Sie beobachteten, dass mit zunehmender Narkosetiefe große Teile der Hirnrinde in einem abnormen Gleichtakt "feuerten". Die Forscher haben den Verdacht, dass dieser hochsynchrone Tanz der Nervenzellen die Kommunikation zwischen den Hirnarealen stört. Die Forscher vermuten nun, dass dieser Zusammenbruch der Kommunikation für den Verlust des Bewusstseins verantwortlich sein könnte. Supp hofft, dass ein "Bewusstseinsmonitoring" des Gehirns einmal dazu beitragen könnte, die Narkosetiefe besser zu steuern. So könnte verhindert werden, dass Patienten während einer Operation erwachen und traumatisiert werden. (red)


Die März-Ausgabe von Psychologie Heute erscheint am 15. Februar.

Share if you care.