Kommission soll Malariatherapie in "Klinik Hoff" aufarbeiten

13. Februar 2012, 12:59
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Aufarbeitung der Psychiatrie-Geschichte der Nachkriegszeit

Wien - Die Medizinische Universität Wien setzt zur Aufklärung der Vorgänge an der Medizinischen Fakultät nach 1945, insbesondere der Fälle von "Malariatherapie" an der "Klinik Hoff" (Universitätsklinik für Psychiatrie und Neurologie unter Leitung von Hans Hoff), eine unabhängige Expertenkommission ein. Vorrangig geklärt werden soll, ob nicht mehr dem Stand der Wissenschaft entsprechend behandelt wurde.

In den vergangenen Jahren kam es an der MedUni Wien zu einer Aufarbeitung der Zeitgeschichte, vor allem was die NS-Diktatur und die Vertreibung eines guten Teils der Wissenschafter und Ärzte aus Gründen ihrer jüdischen Herkunft und/oder aus politischen Gründen betraf. Man bemühte sich auch, Überlebende zumindest als Gäste wieder nach Wien an die MedUni zu holen und sie für ihre Verdienste zu ehren.

Die neue Expertenkommission wird im Speziellen die Situation der psychisch Kranken an der damaligen Medizinischen Fakultät der Universität Wien in den Jahren ab 1945 aufarbeiten. Diese Arbeit dürfte in die Nachkriegsgeschichte der Wiener und österreichischen Medizin und der Psychiatrie führen, die historisch offenbar bisher - bis auf die Diskussionen rund um die Kinder-Euthanasie am "Spiegelgrund" mit dem späteren Gerichtspsychiater Heinrich Gross - kaum aufgearbeitet wurde. Schon eine Recherche in leicht zugänglichen Dokumenten deutet darauf hin, dass es zumindest in der Psychiatrie mit dem Ende des Nationalsozialismus zu einer Gemengelage zwischen der Bestellung von "unbelasteten" Experten für Leitungspositionen und der personellen Kontinuität aus der NS-Zeit kam.

Der interdisziplinären Expertenkommission gehören unter anderen der Wiener Patientenanwalt Konrad Brustbauer und die Psychiaterin und Psychoanalytikerin Elisabeth Brainin an. Die endgültige Zusammensetzung der Expertenkommission soll in den nächsten Tagen feststehen. (APA)

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