Unis wollen PHs als Fakultäten integrieren

13. Februar 2012, 12:38
23 Postings

Universitätenkonferenz für Lehrerausbildung in Unis - PHs fürchten finanzielle Einschnitte

Der Streit um die Zuständigkeit für die neue Lehrerausbildung geht in die nächste Runde. Wie die "Presse" berichtet, schlägt die Universitätenkonferenz (uniko) nun vor, die Pädagogischen Hochschulen (PHs) als Fakultäten in die Universitäten einzugliedern. Dies widerspricht der Vorstellung von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ), die es bevorzugen würde, die Pädagogischen Hochschulen zu Pädagogischen Universitäten aufzuwerten. Der Vorsitzende der Rektorenkonferenz der PHs, Ivo Brunner, warnt vor der Idee, dies könne dazu führen, dass weniger Geld für die gesamte Lehrerausbildung zur Verfügung steht. 

Uni-Städte sollen Lehrerbildung übernehmen

Die Vorbereitungsgruppe der PädagogInnenbildung Neu hat im Juni 2011 in ihren Empfehlungen offen gelassen, ob die neue Lehrerbildung an den PHs oder den Unis verortet werden soll. Sie sprach sich für eine Art Wettbewerb um die bessere Ausbildung an den einzelnen Standorten aus. Die Universitäten bemühen sich nun darum, die Verantwortung für die gesamte Lehrerausbildung zu bekommen. Zumindest in jenen Städten, in denen es Universitäten gibt, sollen die PHs mit dem gesamten Personal in diese integriert werden, meint Martin Polaschek, Leiter der "Taskforce Lehrerbildung neu", die von der uniko eigens gegründet wurde.

Mehr Ressourcen

Polaschek, der auch Vizerektor an der Uni Graz ist, argumentiert damit, dass die Uni durch personelle und räumliche Ressourcen für eine Verdreifachung der Lehramtsstudierenden besser ausgerüstet ist. Die Gründung Pädagogischer Universitäten würde "mindestens zehn Jahre" dauern, während die Universitäten die gesamte Lehrerausbildung ab 2013 anbieten könnten, meint Polaschek. 

PHs gegen Vorschlag

Brunner von der PH in Vorarlberg sieht in dem Vorschlag die Gefahr, dass die Pädagogenbildung "in einer Ecke steht", wenn sie an einer einzelnen Fakultät an der Universität verortet ist. Er spricht sich für einen "überspannenden Bogen" über alle betroffenen Fakultäten aus. Hier könne er dem Vorschlag von "Schools of Education", eine Art Netzwerk der Lehrerbildung an einer Universität, einiges abgewinnen. Die Pädagogischen Hochschulen könnten dann an dieses Netzwerk andocken und so mit den Unis kooperieren. Ein Problem sieht Brunner auch darin, dass eine Fakultät für Lehrerbildung über die Universität finanziert wird. "Wenn irgendwo an der Uni Geld fehlt, bleibt es nicht bei der Lehrerbildung", fürchtet der Vorsitzende. 

"Näher an Schullandschaft"

Die PHs wollen außerdem weiterhin ihre Selbstständigkeit behalten. "Wir sind nahe dran an der Schullandschaft und an der Lehrpraxis", sagt Brunner. Die PHs würden einen "Berufsbogen" bei den Lehrern spannen können: Vom Beginn des Studiums bis zur Pensionierung könnten sich Lehrer hier fortbilden. Das sei den Unis bisher nicht gelungen. In Vorarlberg plant Brunner eine eigene Pädagogische Universität. Er kann sich aber vorstellen mit der Universität in Innsbruck zu kooperieren.

PH-Lehrende weiter bei Unterrichtsministerium

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle hat sich bisher dafür ausgesprochen, dass die Universitäten für die neue Lehrerausbildung verantwortlich sind. Unterrichtsministerin Schmied will aus den PH deshalb Pädagogische Universitäten machen, da sie dann weiterhin in ihren Zuständigkeitsbereich fallen. Die uniko bietet hier in ihrem Vorschlag einen Kompromiss: Vizerektor Polaschek schlägt vor, dass das Unterrichtsministerium weiterhin die PH-Lehrenden bezahlt.

In Österreich gibt es mit den privaten Anbietern 14 Pädagogische Hochschulen. Hier werden Pflichtschullehrer ausgebildet. An den Unis in Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Salzburg und Wien werden Lehramtsstudien für den Lehrer an den AHS und BMHS angeboten. Schmied und Töchterle haben sich das Ziel gesetzt, mit der "PädagogInnebildung Neu" die Lehrerausbildung zu vereinheitlichen.
(red, derStandard.at, 13.2.2012)

Share if you care.