Alle lieben Laos

13. Februar 2012, 10:49
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...besser gesagt, vor allem seine natürlichen Ressourcen

Laos ist stark von externen Wirtschafts- und Entwicklungsgeldern abhängig. Das Land ist ein kleines Wunder, denn es produziert abgesehen vom berühmten Beerlao-Bier nahezu nichts, was man quantifizieren könnte. In vielen Bereichen machen die chinesischen Billigwaren die Entwicklung einer eigenen Produktion auch nahezu unmöglich. Und die Waren, die nicht aus China importiert werden, kommen aus Thailand. In der Tourismusindustrie machen zunehmend chinesische Hotels und thailändische Projekte den Anwohnern das Einkommen streitig. Nahrungsmittel, Alkohol und privat hergestellte und vertriebene Textilien bedeuten für Einzelne eine Einkommensquelle, werden aber nicht als Wirtschaftsleistung gerechnet.

"Entwicklungshilfe" oder "Der Schnellste kriegt die Ressourcen"

Das größte Interesse an Laos und seiner Entwicklung haben seine Nachbarstaaten China, Vietnam und Thailand. Auch Süd-Korea beteiligt sich in den letzten Jahren zunehmend an diesem Wettlauf um Ressourcen. Investitionen aus Thailand und Vietnam haben sich in den letzten Jahren vervielfacht; Joint Ventures werden vor allem im Primärsektor und in der Tourismusindustrie gegründet. Direktinvestitionen fließen in Kraftwerke, Bergbau und Kautschukplantagen. Die Höhe dieser Investitionen und die Nutzung des Geldes jedoch sind, so beschweren sich einige Wirtschaftswissenschaftler, schwer nachvollziehbar da nur mangelhaft dokumentiert; die durch Kraftwerke generierte Energie wird fast vollständig exportiert. So sitzen Laoten regelmäßig tagelang ohne Strom im Dunklen, während in Thailand billig hergestellter laotischer Strom konsumiert wird.

Chinesische Hilfe

China hat zwar auch einige Joint Ventures in Laos, aber die meisten Projekte sind "geschenkte" Entwicklung: chinesische Projekte werden mit chinesischem Geld (oder u.U. von einem Drittstaat) und Arbeitern innerhalb Laos' umgesetzt.

Nachdem Laos sich in den 1980ern Jahren von China ab- und Vietnam zugewandt hatte, dauerte es einige Jahre, bis die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen sich wieder verbesserten. China bindet Laos mit immer mehr Darlehen und Investitionen an sich. Darüber hinaus werden auch politische Zusammenarbeit durch Besuche von Politikern, Stipendien und Austauschprogrammen gestärkt. Wenn Laoten erfolgreich studieren, winkt ihnen ein Studium in China als größte Belohnung. Viele Laoten stehen dem großen Nachbarn aber sehr kritisch gegenüber.

Wenn ich auf meiner Reise durch Laos die häufige Frage nach meinem Wohnort mit "Kunming" beantworte, verfinsterte sich mehr als einmal ein bis dato freundliches Gesicht. Kunming kennt hier jeder, denn die meisten Chinesen reisen von dort nach Laos; somit war ich als - zugegebenermaßen merkwürdig aussehende - Chinesin abgespeichert, und die Reaktionen darauf waren nicht immer gut. Andererseits erzählten mir Chinesen, die Laotisch sprechen, dass sie durchaus freundlich aufgenommen werden. Und Laoten, die jetzt chinesisch sprechen, können sich eine goldene Nase verdienen.

Nachhaltigkeit?

Das Nachhaltigste "Geschenk" Chinas an Laos sind neben den Straßen die Kautschukbäume. Die ersten Plantagen in Laos wurden bereits Anfang der 1990er angelegt, doch erst seit 2002 wurden größere Mengen angebaut, und erst seit 2011 kann hier im großen Stil geerntet und gewinnbringend verkauft werden. China selbst hat abgesehen von Xishuangbanna nur wenige Gebiete, in denen Kautschuk produziert werden kann. Somit hat die Volksrepublik ein großes Interesse daran, dass Gummi in Reichweite seines Transportsystems angebaut wird. Massive Investitionen werden vor allem in großflächige Plantagen oder in "geschenkten Bäumen" getätigt. Die Landlizenzen lässt sich die laotische Regierung einiges kosten, während die Arbeiter vor Ort oder die Dörfer, deren Land betroffen ist, häufig nur sehr geringe Entschädigungen, aber viele Versprechen für zukünftige Entwicklung erhalten. Der gesamte Input von Pflanzen über Knowhow und Geld kommt aus China, und die Gesamtproduktion von Kautschuk wird an China verkauft. Laotische Farmer brauchen das zusätzliche Einkommen, China braucht den Kautschuk unter anderem für die schnell wachsende Automobilindustrie.

Gefährdete Natur

Ob das chinesische Modell der Wirtschaftsentwicklung bisher tatsächlich als eine Förderung des laotischen Lebensstandards gesehen werden kann, ist fraglich. Der Straßenbau förderte vor allem eines - die Beschleunigung der massiven Abholzung eines der letzten intakten Regenwälder Südostasiens und den illegalen Ausverkauf von gefährdeten aber begehrten Tier- und Pflanzenarten. Der Bau der Staudämme an den Flüssen verursacht Umsiedlungen und bedroht die Fischerei, die für viele Laoten existenzielle Lebensgrundlage ist. Die Plantagen, die mit chinesischen Kautschukbäumen überall die lokale Flora und Fauna verdrängen, bergen ernstzunehmende Risiken wie Landrutsche, Überschwemmungen, Erosion, Wassermangel und Abhängigkeit vom chinesischen Preisdiktat.

Es ist schwer mit anzusehen, wie leichtfertig mit der Umwelt umgegangen wird, obwohl die Folgen klar abzusehen sind. Der Zustand von einigen sogenannten Naturschutzgebieten, die zu einem großen Teil abgeholzt und mit Kautschukbäumen bepflanzt sind, ist sichtbares Zeichen dafür - es ist ein Vorbote von Umweltproblemen, die sich die meisten Laoten bislang noch nicht einmal vorstellen können. (An Yan aus Laos, daStandard.at, 13.2.2012)

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    Jugendlich lernen das traditionelle laotische Fischen mit Netzen.

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    Die alte Laotin ist Bewohnerin des Dorfes Nakai Tai, das wegen des Baus des Wasserkraftwerks Nam Theun 2 umgesiedelt wurde. Die Lippen und Zähne der Frau sind mit Betelnüssen gefärbt.

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    Der Bau des umstrittenen Wasserkraftwerks Nam Theun 2 in der Provinz Nakai.

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