Energie-Politik

Über das Schönrechnen der "sauberen Energie"

Leser-Kommentar | 13. Februar 2012, 10:13

Wie wir tatsächlich von fossiler Energie wegkommen? Schritt eins: den unbequemen Fakten ins Auge sehen. Schritt zwei: realistische Optionen angehen

Für die Energiewende wird viel getan, noch mehr wird darüber geschrieben, aber trotzdem hat sie noch nicht einmal begonnen: Obwohl viele Windräder und andere Öko-Kraftwerke gebaut wurden, ist der Anteil von erneuerbarer Energie an der Stromerzeugung in Österreich von 70 Prozent im Jahr 1997 auf heute 62 Prozent gesunken!

In Europa wurde noch kein einziges fossiles Kraftwerk überflüssig gemacht. Die weltweiten CO2-Emissionen steigen von Jahr zu Jahr. Das teure Öl verschlimmert die Sache sogar noch, weil dadurch mehr von der noch klimaschädlicheren Kohle verfeuert wird. Sollte das Öl zur Neige gehen, droht gar eine Renaissance der Kohleverflüssigung.

Verbrauchswachstum steigt unaufhörlich

Der Grund dafür, dass die ganze neue Ökoenergie bisher nur ein Tropfen auf dem heißen Stein war, ist das unaufhörliche Verbrauchswachstum. Hätten wir heute den Stromverbrauch des Jahres 1985, bräuchten wir keine Gas- und Kohlekraftwerke mehr in Österreich. Offenbar können wir die Ökoenergie nicht schnell genug ausbauen, um einen ungebremsten Energiehunger zu stillen. Am Einbremsen scheint kein Weg vorbeizuführen, wenn die Energiewende kommen soll.

Da Sparen unpopulär ist, sind Politiker und Werbefachleute gewieft im Erfinden angenehmerer Botschaften. Während sie bei jedem neuen Windrad und jeder ersetzten Glühbirne über das viele vermiedene Kohlendioxid jubeln, behaupten sie bei Stromverbrauchern wie zum Beispiel Elektroautos, dass diese "emissionsfrei" sind, weil wir ja genug Wasserkraft haben. Eingesparte Kilowattstunden werden den schmutzigsten Kraftwerken zugerechnet - zusätzlich benötigte den saubersten. Eigentlich ist ziemlich offensichtlich, dass hier schöngerechnet wird, aber erstaunlicherweise erhebt niemand Einspruch. Sogar Stromheizungen werden mit dem Argument des "sauberen Ökostroms" beworben, doch der fehlt dann anderswo. Wir haben noch lange keine Ökostrom-Überschüsse, und wenn wir jedes Mehr an sauberer Energie gleich wieder verbrauchen, werden wir nie welche haben.

Stromnetzausbau versus dezentrale Versorgung

Wird das Stromnetz genügend verstärkt und das Speichervermögen der existierenden Stauseen besser genutzt, dann sind 100 Prozent Grünstrom möglich und sogar so kostengünstig, dass der Strom billiger werden könnte. Der Ökostrom hat kein "Speicherproblem", wie oft behauptet wird. Die Umstellung auf 100 Prozent nachhaltige Stromerzeugung könnte mit der heute verfügbaren Technik sofort starten und bis 2030 abgeschlossen sein, wenn Politiker und alle Interessenverbände an einem Strang ziehen.

Viele "Energievorkämpfer" haben jedoch ihre eigenen Lieblingslösungen: je kleiner, desto besser. Am beliebtesten sind Solarzellen am Dach. Doch mit allen gut geeigneten Dächern könnte gerade mal ein Drittel des Strombedarfs gedeckt werden. Bei Freiflächenanlagen ist es mit der Beliebtheit schnell vorbei. Auch Windräder werden nicht gern gesehen. Man muss aber kein Energie-Experte sein, um zu begreifen, dass unsichtbare Öko-Kraftwerke eine Utopie sind. Schönheit oder nachhaltige Energieversorgung - was ist uns wichtiger?

Schattenseiten der Energieautarkie

Anhänger der "Small-Is-Beautiful-Philosophie" begeistern sich für lokale Stromerzeugung, die Überlandleitungen und Energieimporte überflüssig machen soll. Klingt toll, allerdings wäre die lokale Stromspeicherung, z. B. in Akkus, in dem dann nötigen Ausmaß astronomisch teuer. Außerdem ist es ineffizient, den Strom mit hohen Verlusten lokal zu speichern, während gleichzeitig anderswo Flaute herrscht und unser überschüssiger Strom gut gebraucht werden könnte. Die Verluste beim Stromtransport sind viel geringer als bei der lokalen Speicherung. Selbst von Nordafrika bis Mitteleuropa gingen nur 15 Prozent verloren, und dieser Verlust wird durch bessere Verhältnisse zur Wind- und Solarstromproduktion mehr als ausgeglichen. Eine Energieautarkie anzustreben, ist so absurd, als wollten wir in Österreich Bananen anbauen. Natürlich sind Strommasten unbeliebt, aber wer neue Leitungen verzögert, der verzögert die Energiewende, denn die teuren Lösungen werden nicht kommen. Schon 2005 wurde das damalige Ökostrom-Gesetz zu Fall gebracht, weil 0,6408 Cent pro Kilowattstunde angeblich unleistbar sind.

Unser Wohlstand basiert auf billiger fossiler Energie. Die Umstellung auf erneuerbare Energie ist eine Mammutaufgabe, die nur dann gelingen kann, wenn wir uns auf die effizientesten und aussichtsreichsten Möglichkeiten konzentrieren. Der Traum von einem Leben in "Saus und Braus" wie bisher, lediglich auf nachhaltige Weise, ist für uns nicht erfüllbar. Je eher wir das erkennen, desto besser. (Leserkommentar, Mario Sedlak, derStandard.at, 13.2.2012)

Autor

Mario Sedlak ist studierter Mathematiker. Er arbeitet seit vier Jahren als Fachexperte in der Strombranche. www.sedl.at

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utility
02
20.2.2012, 12:30
Der Traum von einem Leben in "Saus und Braus" wie bisher, lediglich auf nachhaltige Weise, ist für uns nicht erfüllbar.

Da fällt mir folgendes dazu ein: Nonanet!

@Q@
12
14.2.2012, 10:20

"Selbst von Nordafrika bis Mitteleuropa gingen nur 15 Prozent verloren, und dieser Verlust wird durch bessere Verhältnisse zur Wind- und Solarstromproduktion mehr als ausgeglichen."

Das ist eine Milchmädchenrechnung. Bitte die Rechnung inkl. Abschreibung und Wartung der Anlagen wiederholen.

sysiphos
 
01
14.2.2012, 16:34
diese kosten

sind in den produktionskosten drin.
das andere ist eine technische bilanzierung, das hat mit den kosten nixhts zu tun und daherauch nicht mit einem milchmädchen. da geht es rein um die technische effizienz. wenn 15% übertragunsgverlust sind, aber die herstellungseffizienz deutlich mehr als 15% über einer mitteleuropäischen liegt, heißt das ganz einfach, dass es technisch sinnvoll ist, das dort zu bauen.
wirtschaftlich mag die sache nochmal anders aussehen, ich glaub aber nicht, dass man das kabel allzu intensiv warten muss, dh hier geht es eher um eine einmalinvestition. die produktionsanlage selbst müssen sie hier wie dort warten. das größte problem ist wohl die terroranfälligkeit solche einer zentralen leitung. also verflüssigung zu h2?

ridentem dicere verum
00
14.2.2012, 09:21
und was genau

hält jetzt hr. sedlak für die "effizientesten und aussichtsreichsten Möglichkeiten" der erneuerbaren energiegewinnung?

auch bei diesem leserkomentar gehts mir wie mit so vielen davon:

ja, da wird viel herumkritisiert - aber was ist die konstruktive aussage, welche forerung wird denn nun konkret erhoben?

Mario Sedlak
Mario Sedlak
 
01
15.2.2012, 19:22
Die Lösung

Mein Vorschlag ist der Netzausbau - keine Idee von mir sondern von einem Physiker, der seine Dissertation dem Thema widmete:

http://derstandard.at/1254311454005
http://derstandard.at/3240776

Ausführlicher nachzulesen in diesem Interview:

http://www.euractiv.de/energie-k... rid-002815

Ganz ähnlich ist der Vorschlag des deutschen Sachverständigenrats für Umweltfragen:

http://www.umweltrat.de/cae/servl... orgung.pdf

sysiphos
 
00
14.2.2012, 09:50
ich denk netzausbau

ist das, was der autor für die wichtigste maßnahme hält, um ökostrom besser verteilen zu könne, zb in speicherkraftwerke einzuspeisen...

ridentem dicere verum
11
14.2.2012, 10:36
das ist sicher zutreffend

und vor allem auch intelligente netze, um den verbrauch dem angebot anpassen zu können. dann ist das speicherproblem gleich ein geringeres

aidz1
00
14.2.2012, 08:44

die energiewende wird nicht stattfinden, wenn man sich darauf reduziert, ökoenergie zu fördern.

es muss gespart werden! vor 10 jahren hatte ich zur arbeit nur 5 km. heute hat man glück, wenn man nur 30 km zu arbeit hat.
weiters: wenn ich durch energieeffiziente technik sparen möchte, funktioniert das selten. --> rebound effekt

Ivan Bukov
00
14.2.2012, 21:06

Jevons Paradoxon. Das mit dem Sparen wird nichts.

utility
00
20.2.2012, 12:17

Das mit dem Rebound Effekt steht doch eh schon in seinem Post.

gracilis
70
14.2.2012, 07:35
Wer glaubt an das böse CO2 ??

Natürlich bin für saubere Strom Erzeugung, aber was mich an der öffentlichen Energie/Klima Diskussion immer stört, ist das ewige Mantra das Menschgemachte CO2 sei an allem Schuld.
Jeder des selbstständig denken und recherchieren kann, ist dem Internet sei Dank, in er Lage diese Bildungslücke aufzubessern, um sich so der Manipulation zu entziehen.
Es herrscht unter den Klimatologen absolut kein Konsens was das Thema angeht, wie immer in den Medien suggeriert wird.
Der CO2 Zertifikate Handel, ist nichts weiter als ein Handel, eine Weltweite Steuer, die sich Politiker haben einfallen lassen und nicht Klima Forscher.

Ivan Bukov
11
14.2.2012, 21:08

Ist es wirklich relevant auf welcher Grundlage der Abschied von Kohle und Gas vorangetrieben wird?
Ich wuerde sagen nein

OK wir haben noch kein einziges Gas oder Kohlekraftwerk abgeschalten (wir betreiben sogar noch mehr davon) aber das ist eine andere Geschichte

sysiphos
 
00
14.2.2012, 09:49
augen zu!!

auf das haus, in dem ich wohn, hat ein sprayer gesprayt: "bleib passiv, alles wird gut!" das fällt mir zu ihrem posting ein!!

sterngucker
 
07
14.2.2012, 08:47
Mit Glauben müssen Sie sich ja auskennen

In der Wissenschaft zählen aber Fakten. Und es ist ein Faktum, daß über 97% alle Klimatologen mit den grundsätzlichen Aussagen des IPCC-Berichtes übereinstimmen. Das ist keine Suggestion, das ist das Ergebnis von Zitieranalysen.

Wenn Sie Konsens strikt als Fehlen jeder Gegenstimme definieren, dann haben Sie natürlich recht. Diese Definition ist aber unbrauchbar, weil es dann auch keinen Konsens hinsichtlich der Kugelgestalt der Erde gibt.

Sehr tiefgehend scheint Ihre Internetrecherche nicht verlaufen zu sein, sonst müßten Sie wissen, daß kein ernstzunehmender Wissenschaftler behauptet, anthropogenes CO2 sei "an allem Schuld". Das ist eine typische Verzerrung, wie man sie auf pseudowissenschaftlichen Leugner-Websites findet.

mika33
00
14.2.2012, 11:04
Bei den Wissenschaftlern zählen die Fakten, aber bei den Medien

absolut nicht. Und die Allgemeinheit bezieht seine Informationen nun mal aus den gängigen Medien.

sterngucker
 
02
14.2.2012, 13:43
Skepsis gegenüber Medienberichten ist immer angebracht

Auch Skepsis gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen is angebracht und ist auch Bestandteil der wissenschaftlichen Methode.

Die Behauptungen von gracilis haben mit Skepsis nichts zu tun. Das ist unreflektiertes Alles-nicht-wahr-Gebell ohne einen Funken von Evidenz.

Pierre d´Aubusson
11
14.2.2012, 08:44
Ich glaube nicht an das böse CO²

und die daraus zu ziehende Konsequenz, daß nur erneuerbare Energie gute Energie sein kann. Es wird sich was ändern - na und?
Ich hoffe sogar, daß Erwärmung die Wasser-Transportfähigkeit der Luft erhöht und vermehrt Niederschläge in sonst trockene Gebiete Ostösterreichs gelangen werden. Das erhöht das landwirtschaftliche Produktionsvermögen.

Natürlich hab ich meine Freude, wenn das Selbstbau-Solar mir das Warmwasser vorheizt, aber eben nur indirekt, denn die wahre Freude beginnt, wenn ich dann weniger Gas verbrauche. Das verringert in Summe die Auslandsabhängigkeit. Und ab da erst is es sinnvoll, sofern politische Köpfe sowas überhaupt nützen (wollen).

sterngucker
 
00
14.2.2012, 13:46
Wer sagt Ihnen, daß Ostösterreich mehr Niederschläge verzeichnen wird?

Seriöse Modellrechnungen gehen eher vom Gegenteil aus. Mit Sicherheit wissen kann es niemand. Aber "Klimaänderung - was soll's?" ist eine pure Vogel-Strauß-Haltung.

Michael B
00
14.2.2012, 09:22
Und wenn es im Marchfeld erst einmal ein bisschen mehr regnet,

gleicht das die Überflutung von tausenden Kilometern Küstenland mehr als aus....

Pierre d´Aubusson
00
14.2.2012, 15:41

Na klar, weil wenn wir unsere Lichees und Papayas ausm Rgenwald im Marchfeld bekommen, dann entfallen die Transporte und das reduziert CO²

Staatssekretär
02
14.2.2012, 07:51
Natürlich können sie sich im Internet ihre vor vorgefasste Meinung zusammengooglen - zu jedem Thema finden sie praktisch jede Meinung.

- Ein paar Blogs, ein paar pseudowissenschaftliche Seiten (beim Thema Klimawandel gibt es ja massig) und das ganze garnieren mit Youtube-"Dokus"...

Wie auch bei der Realitivitätstheorie oder Darwins Evolutionstheorie gibt es auch bei der Annahme des antropogenen Klimawandels, eine handvoll Gegner, die das so nicht wahrhaben wollen.

Aber ich kann sie beruhigen, der Konsens ist 99 zu 1. Schon seit einigen Jahren gibt es praktisch keinen ernstzunehmenden Wissenschaftler mehr mit Zugang zu allen Daten, der das abstreitet.

Wenn sie sich informiert haben, versteh ich den Hinweis mit den Zertifikaten nicht. - Es ist eben keine Steuer, sondern wurde in Kyoto auf drängen von USA und Co etabliert. - Der Handel war von Anfang an umstritten.

sanjoaquin
 
30
14.2.2012, 10:09
Ich darf Sie

höflichst an ein paar Fakten erinnern. Darwin haben Sie ja schon zitiert, nehmen wir noch Galileo und Kolumbus. Die waren alle "Klimaleugner" in ihrer Zeit also contra Mainstream, der auch damals schon von Dogmen geprägt war und den Mainstream nehmen ja unsere Klimaadepten so gern in Beschlag. Andauernd krähen "Die ganze Wissenschaft ist für das CO2" und dann sich auf die Aussenseiter, die Dogmen gekippt haben, beziehen. Merken Sie denn gar nicht, wie lächerlich Sie sich mit derartigen Vergleichen machen?

sterngucker
 
03
14.2.2012, 11:13
Lächerlich ist Ihr Vergleich

und löchrig ist ihre Logik.

Der Vergleich ist lächerlich, weil Galileo die durch und durch dogmatische katholische Kirche gegen sich hatte. Der weitreichende Konsens der Klimaforscher ist aber eben kein Dogma, sondern beruht auf wissenschaftlichen Methoden, die unter anderem die Vorläufigkeit jeder Hypothese und die Angabe einer Irrtumswahrscheinlichkeit beinhalten. Diese Leute stehen in der Tradition von Galileo, und es sind Leugner wie Sie, deren Behauptungen auf Glauben fußen.

Löchrig ist Ihre Logik, weil sie auf einem inversen Argumentum ad numerum beruht: Galileo behielt gegen die Mehrheit recht, ich vertrete eine Meinung gegen die Mehrheit, also habe ich recht. Jedes halbwegs intelligente Kind durchschaut diesen Fehlschluß.

sanjoaquin
 
20
14.2.2012, 13:25
Auch wenn Sie

100 mal hier die alte Leier abklimpern: Das Dogma der Klimaadepten heisst:
Zuerst C02, dann Erwärmung. Erst wenn Sie dieses Dogma weglassen, wird die Klimadiskussion wissenschaftlich.
Das Dogma bei Galileo und Kolumbus lautete: Die Erde ist eine Scheibe. Meine ganz private Konklusio, wenn sich die anerkannten Dogmatiker in eine Reihe mit Galileo und Kolumbus stellen, dann ist das lächerlich.

sterngucker
 
02
14.2.2012, 21:59
Dieses Dogma gibt es nur in einem Kopf

Weisen Sie methodisch einwandfrei nach, daß die dem IPCC-Bericht zugrundeliegenden Annahmen fehlerhaft sind, und die Fachwelt wird Ihnen folgen und den Irrtum eingestehen. Ständig nur "Dogma, Dogma, gar nicht wahr" zu wiederholen ist kindisch und nicht stichhaltig. Also, wo ist Ihre Evidenz?

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