ChurchWatch: Ökumene II

Kardinal Koch will "leiden, wie es sich geziemen würde"

Wolfgang Bergmann, 13. Februar 2012, 09:39
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    foto: reuters/leonhard föger

    Im Gespräch Ökumene-Minister des Papstes, Kardinal Kurt Koch, Metropolit Ioannis Zizioulas von Pergamon und Kardinal Schönborn 2010 in Wien

"Helfen Sie mir, ich möchte in einem Artikel in wenigen Punkten zusammenfassen, was die wichtigsten Unterschiede der katholischen und der orthodoxen Kirche sind". Mit dieser Bitte wandte ich mich an einen katholischen Experten in Sachen Ostkirchen. Wir schrieben das Jahr 1998 und die Sensation, dass es in Wien zu einem Treffen des Papstes und der Patriarchen von Moskau und Konstantinopel kommen könnte.

Drei-Patriarchen-Treffen schien damals zum Greifen nahe. Die Antwort des Professors lautete: "Wissen Sie, das Schwierige dabei ist, dass sich die Kirchen dort am meisten unterscheiden, wo sie sich am ähnlichsten sind." Wundert es, dass ich diesen Artikel dann nie geschrieben habe?

Vierzehn Jahre später zeigt sich ein noch groteskeres Bild. Der Ökumene-Minister des Papstes, Kardinal Kurt Koch, lässt mit folgender Aussagen aufhorchen: "Wir müssen neu suchen, was das eigentliche Ziel ist" (18.12.2011). Er warnte mit Qualtingers Zitat: "Ich weiß zwar nicht wohin ich will, aber dafür bin ich schneller dort".

Hat dieser Würdenträger ohne Position die richtige Position? Außerdem: zu hohe Geschwindigkeit war bei der Ökumene noch nie zu messen. Noch schräger formulierte er Anfang Februar: Er leide daran, "dass heute so viele Christen an dieser zutiefst anomalen Situation nicht so leiden, wie es sich geziemen würde". Man muss diesen Satz wirklich zweimal lesen! Braucht der Purpurträger diesen Kick des leidenden Gottesvolkes, damit endlich etwas weiter geht?

Versuchen wir einmal ganz ohne Professoren und Kardinäle einen nüchternen Blick. Nehmen wir dabei zunächst nur das Verhältnis der katholischen Kirche und der Orthodoxie unter die Lupe:

Mit der Aufhebung der wechselseitigen Exkommunikation von 1965 besteht kein wirklicher Grund mehr, nicht gemeinsam das Abendmahl zu feiern. Ansonsten bleibt dieser Schritt ja inhaltsleer. Fangen wir also einfach damit an. Die gemeinsame Eucharistie solange zu verschieben, bis alle Probleme geklärt sind, heißt, die Ökumene zu verhindern.

Umgekehrt: Vielleicht lösen sich so manche Fragen praktisch, wenn die Einheit gelebt wird. Man muss ja nicht gleich mit dem Merger der Strukturen beginnen. Der ist immer schwierig, weil so viele menschliche Eitelkeiten damit verbunden sind, auch und (leider) gerade in den Kirchen.

Ein weiterer konstruktiver Vorschlag: Erstellen wir eine "Liste der ewig ruhenden Konflikte". Auch vor Gericht gibt es die praktische Lösung, manche Streitfälle nicht einem Urteil zuzuführen, sondern dann, wenn sie für beide Seiten eigentlich keine Bedeutung mehr haben, einfach zu begraben (keiner hat verloren - dadurch gewinnen beide Streitparteien).

Ein erster Vorschlag für diese Liste: die sogenannte Filioque-Frage. Gelehrte Theologen können sich nämlich ausführlich darüber streiten, ob der Heilige Geist nur "aus dem Vater hervorgeht", ober ob es richtig heißen muss, dass der Heilige Geist "aus dem Vater und dem Sohn (filioque) hervorgeht".

Ich gestehe freimütig: Mir fällt weder ein praktisches noch spirituelles Anwendungsgebiet für dieser Frage ein. Können wir nicht unsere restliche irdische Zeit gut leben, ohne diese Frage zu klären?

Für die Nominierung weiterer Streiftfälle zum Eintrag auf der „Liste der ewig ruhenden Konflikte" bin ich dankbar. - Einfach zu diesem Blog posten oder an: churchwatch@derStandard.at schreiben.

PS.: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Verantwortung der Päpste und des Vatikans am internationalen Missbrauchsskandal geklärt werden muss. Der derzeitige Papst hat bisher lediglich zur Schuld einzelner Priester und Bischöfe Stellung genommen. Zu den Vorgängen innerhalb der vatikanischen Mauern fand er kein Wort. Benedikts beharrliches Schweigen dazu macht ihn als Papst unglaubwürdig.

Autor: Wolfgang Bergmann, Magister der Theologie (kath.), 1988-1996 Pressesprecher der Caritas, 1996-1999 Kommunikationsdirektor der Erzdiözese Wien und Gründungsgeschäftsführer von Radio Stephansdom. Seit 2000 Geschäftsführer DER STANDARD.

2010 erschien sein Romanerstling "Die kleinere Sünde" (Czernin Verlag) zum Thema Missbrauch in der Kirche.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 170
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Jo Trollmann
01
29.2.2012, 06:49
"Man soll es den Unglücklichen nicht zu leicht machen."

Spruch "unseres" Dechanten an einem Sonntagmorgen, an dem ich dachte, noch nicht ganz wach zu sein. Der Wahnwitz hat schon Methode. (Ging übrigens um Geschiedene.)

Walter J. Ferstl
00
24.2.2012, 19:17
"... wie es sich geziemen würde".

Wenn man früher wissen wollte, was "sich geziemt" und was nicht, konnte man einfach einen Tanzlehrer fragen.

Heute darf/muss es auch für diesen Fall offenbar schon ein Bischof sein, der dann sagt:
"Knie nieder, mein Sohn, und bete um Vergebung, denn du leidest nicht in dem Maße, wie es sich geziemt"? Lassen denn die römisch-katholischen Apparatschiks gar nichts aus?

Dem Metropoliten von Pergamon ist dazu sicher einiges durch den Kopf gegangen.

Wolkengedanken
11
23.2.2012, 17:49

"dass heute so viele Christen an dieser zutiefst anomalen Situation nicht so leiden, wie es sich geziemen würde".
.
DAS ist es, was alle christlichen Kirchen gemeinsam haben. LEIDEN muss man, sonst ist irgendwas falsch gelaufen.
.
Nicht dass da jemand versuchen wollte, die positiven Seiten des Lebens zu sehen. Als käme das Leiden nicht ohnehin von selbst.
NEIN,NEIN suchen muss man das Leiden, dann passt alles.

j.h.k.
00
16.2.2012, 06:36
lieber zensor-

mein gestriges posting wurde nicht veröffentlicht. hmmm.... weil ich parallelen zwischen dem kirchenstaat und stalin festzustellen glaubte?
ich weiß, das war ungerecht! immerhin hat hr dschugaschwili nur 40 jahre terror verbreitet. und natürlich hatte der vatikan zu n**is ein viel innigeres verhältnis.
ich meinte ja nur....

Urfahraner Auge
00
15.2.2012, 20:16
Filioque ist doch auch in der rk Kirche kein Problem.

"In der päpstlichen Erklärung Dominus Iesus über die Einzigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche vom 6. August 2000 wird das filioque nicht verwendet."

http://de.wikipedia.org/wiki/Filioque

Problem ist "nur" das Papst-Primat.

macmel
01
15.2.2012, 17:38
An

Hunger "leidet" er offensichtlich nicht, der Herr Kardinal.

rudolf schladming
 
10
21.2.2012, 21:51

die initiative gegen kirchenprivilegien ist eine wichtige sache. der andere link ist kontraproduktiver nonsense.

Dimitrisocke
 
51
15.2.2012, 15:42
KLM - OZ

OZ - Ohne Zweifel .. diese Links sind doch die Blödesten, die es gibt.

la chiesa pontifica amen
01
15.2.2012, 11:45
Wie könnte

etwas, das aus sich heraus und in sich - letztlich, durch einen sich in der Innerzeitlichkeit verhängnisvoll auszeitigenden fundamentalen sittlichen Mangel! - schlecht ist, gut sein?

Wolkengedanken
00
23.2.2012, 17:52

Würde mich interessieren, ob das "auszeitigen in der Innerzeitlichkeit" auf Ihrem Mist gewachsen ist, oder ob man sowas im theologischen Kontext tatsächlich als akzeptable Aussage betrachtet ?

Walter J. Ferstl
00
13.3.2012, 16:30
Wer die fein ziselierten Kommentare von chiesa nicht zu goutieren weiß,...

... versäumt einiges.

Danke, chiesa!

j.h.k.
00
15.2.2012, 22:54
endlich haben sie die probleme der katholischen kirche erkannt!!

Steffi62
00
15.2.2012, 08:18

Die Aussgae von Koch find ich echt mutig. Dann soll er gleich zu leiden beginnen, stellvertretend für seine "Mitbrüder" oder wie das heißt, die kleine Buben missbrauchen und quälen. Wo ist die gute alte Selbstgeißelung geblieben?

la chiesa pontifica amen
21
15.2.2012, 11:47

Finden Sie es nicht etwas respektlos, Seine Eminenz, den Hochwürdigsten Herrn Kardinal, einfach als "Koch" zu bezeichnen?

Wolkengedanken
01
23.2.2012, 17:53

Vor allem da der Kardinal mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nicht kochen kann. Wäre ja immerhin eine nützliche Fähigkeit

O.W. Mehrsenf
01
16.2.2012, 07:45
Titel

Mehr als „Kardinal Koch“ oder „der Kardinal“ erfordert die normale Höflichkeit nicht. Hier im Forum ist auch an dem salopperen „Koch“ nichts auszusetzen. „Eminenz“ entspricht etwa dem „Minister“ und ist eher bei diplomatischen Anlässen üblich. Ein Poster braucht das nicht zu übernehmen. Völlig deplaziert finde ich „hochwürdigst“, das heute schon an Lobhudelei grenzt und vielleicht auch dem Würdenträger selbst peinlich wäre

WoHo
02
15.2.2012, 22:39
stimmt

Steffi62 sollte sich bei allen Köchen entschuldigen, Wie kommen die dazu, mit dem Kardinal in einen Topf geworfen zu werden ?

j.h.k.
02
15.2.2012, 18:29
ich liiiebe ihre ironischen postings!!

Deus Ex Coquina
00
15.2.2012, 12:37

Giftmischer besser?

estragon001
00
15.2.2012, 07:35
Wenn Märchenerzähler eifersüchtig werden, dann gibts einen handfesten Märchenkrieg !

Jaaaa, bittteeeee, ich setz' mich in die erste reihe !

gnadevorrecht
01
14.2.2012, 21:43
Es darf nicht übersehen werden, dass auch die Vertreter der orthodoxen Kirche eine gemeinsame Eucharistiefeier (noch?) nicht wollen.

Aber nun eine Frage an den Autor dieser Kolumne, welcher ja gerne den einen oder anderen (vermeintlichen) Widerspruch in der römisch-katholischen Kirche aufzudecken vermeint:

In älteren Artikeln dieser Serie stand da doch noch bei der Kurzvorstellung des Autors "... war Gründungsmitglied der Aktion Geborene für Ungeborene".

Zunächst frage ich mich (und auch Sie), warum Sie das nun weglassen?

Erfüllt dies nun nicht mehr die Erfordernisse der political correctness Ihres Blattes? Ist es Scham gegenüber der Mehrzahl Ihrer Leser (von denen wohl die wenigsten Verständnis für so ein Engagement haben dürften)? Oder haben Sie in der Lebensschutzfrage schlicht Ihre Meinung geändert?

Wolfgang Bergmann
01
15.2.2012, 19:29
Bin richtig überrascht,

wie genau Sie alle Texte bis in die Fußnoten hinein lesen und vergleichen. Herzlichen Dank für das große Interesse! Das mit dem Lebenslauf ist schnell erklärt: In der Regel nenne ich bei einem Lebenslauf keine ehrenamtlichen Funktionen (schon gar nicht bei einer Kurzfassung). Die Ausnahme dazu war mein offener Brief "Obskure Argumente zum 'Sterben Europas'"
(vom 03. Dezember 2008 ) der auch im Archiv von Churchwatch aufscheint. Darin habe ich Positionen von Kardinal Schönborn im Zusammenhang mit Humanae Vitae ("Jerusalemer Predigt") kritisiert - und da wollte ich gesondert deklarieren, aus welcher Kompetenz und aus welcher Haltung (die sich in dieser Frage nicht geändert hat) ich diesen Brief verfasst habe. Beste Grüße
wb

gnadevorrecht
00
15.2.2012, 21:41
Wenn ...

... Sie sich, immerhin als Geschäftsführer des Standards(!), als Lebensschützer für Ungeborene deklarieren, dann gibt's von mir - trotz aller sonstiger inhaltlicher Gegensätzlichkeiten - ein "grün".

Michael Tfirst
 
00
14.2.2012, 18:12
Tot aus der Donau gefischt

Die Behinderung der Aufklärung im Mordfall "Priesterseminar St. Pölten - Österreich"

http://www.news4press.com/Meldung_637594.html

MfG
Michael Tfirst

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