Bertelsmann-Chef will Konzern breiter aufstellen

12. Februar 2012, 19:15
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Einzelne Sparten sollen sich stärker auf die Zentrale ausrichten

Gütersloh - Der neue Bertelsmann-Chef Thomas Rabe will die Ertragslage seines Medienriesen unabhängiger vom Fernsehgeschäft machen. "Wir werden auf jeden Fall wieder breiter", sagte Rabe dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Zehn, zwölf solcher Wachstumsplattformen definieren wir zurzeit." Die RTL Group liefert bislang den Löwenanteil des Gewinns beim größten europäischen Medienkonzern, zu dem auch das Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr, der Buchverlag Random House und der Dienstleister Arvato gehören.

Rabe hatte zu Jahresbeginn den Vorstandsvorsitz von Hartmut Ostrowski übernommen. Der Konzern werde in fünf Jahren "internationaler und in mehr Geschäftsfeldern" aktiv sein, sagte Rabe in dem Interview.

Nicht über Schulden erkaufen

So wolle der Konzern etwa in das Bildungsgeschäft nicht bloß in Europa und den USA einsteigen, sondern vor allem in Brasilien, Indien oder China, erklärte der Vorstandsvorsitzende. Bertelsmann suche nach Geschäftsmodellen, die "eine globale Dimension erreichen können und sollen". Das geplante Wachstum werde der Konzern aber "sicherlich nicht mit neuen Schulden erkaufen", sagte Rabe. "Bertelsmann stand noch nie für besondere Kapitalstärke, das war immer ein Engpass." Der Konzern mache aber aus der Not eine Tugend: "Ich halte es für zukunftsweisend, neue Geschäfte mit Partnern aufzubauen", sagte Rabe. Er wolle "ein Klima schaffen, dass die besten Unternehmer im Medienbereich wieder zu uns kommen, um hier ihre Ideen umzusetzen".

Offensichtlich will Rabe mit alten Bertelsmann-Traditionen brechen und die einzelnen Sparten stärker auf die Zentrale ausrichten. "Uns stehen im Moment globale Spieler wie Facebook gegenüber, die alles andere als dezentral aufgestellt sind", sagte Rabe. Auch für den im Jahr 2009 gestorbenen Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn sei Dezentralität immer an Bedingungen geknüpft gewesen. "Die Ergebnisse mussten stimmen." Es stelle sich daher die Frage, "ob es in einigen Bereichen nicht besser wäre, stärker zusammenzuarbeiten". (APA)

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    Thomas Rabe.

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