Witze mit Bart

12. Februar 2012, 18:31
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Wahrscheinlich war er einmal jung, der Fasching, und half, die Melancholie zwischen Weihnachten und Frühling zu überdauern

Juhu, es ist Fasching. Der saisonale Zeitgeist schlägt vor, heiter bis angeheitert zu sein. Selbst im Samstagabendprogramm des ORF ist man enthemmt bis zum ordinären Witz vor laufender Kamera und bis zur herb pointierten Kritik an der politischen Klasse. Dort wird dem Volksgut Fasching in Sendungen wie "Narrisch guat" viel Zeit eingeräumt.

Die Kanonisierung der Sketches österreichischer Faschingsgilden reiht Schenkelklopfer zu Themen wie "Vollkommen besoffen sein", "Außereheliche Kinder" und "Das multifunktionale Gebiss des Opas" (Kekse ausstechen, Kämmen, Bier aufmachen). Da wird spekuliert, ob Geburtswehen genauso schmerzen wie ein "Tritt in die Eier", und Traiskirchen mit seinem Flüchtlingslager wird als Ort mit den "größten Ausländerübernachtungszahlen" zur Weltstadt erklärt.

Wahrscheinlich war er einmal jung, der Fasching, und half, die Melancholie zwischen Weihnachten und Frühling zu überdauern. Heute vermittelt er aber lediglich den Eindruck eines auslaufenden Ritus. Schon der regelhafte, naive bis geschmacklose Humor seines TV-Begleitprogramms scheint aus einer vor langer Zeit erstarrten Tradition geboren. Selbst Kindheitserinnerungen zum Thema sind nicht unbedingt ein Ort positiver Nostalgie.

Er gibt sich erneuerungsresistent und erzeugt mediale Ausprägungen, die sich eine Zielgruppe mit deutschen Schlagershows oder dem Musikantenstadl teilen. Selbst im hauptstädtischen Gegenstück zum landläufigen Faschingstrubel, dem Wiener Opernball, sind die Scherze in Form der Promi-Einladungen eines in die Jahre gekommenen Bauunternehmers noch das Jugendlichste, das man kriegen kann. (Alois Pumhösel/DER STANDARD; Printausgabe, 13.2.2012)

  • Aus "Narrisch Guat".
    foto: orf

    Aus "Narrisch Guat".

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