Korruptionsskandal in der Slowakei

Dumm und dreist

Kommentar | Josef Kirchengast, 12. Februar 2012, 18:23

Das Ansehen der Politik bei den Bürgern hat einen neuen Tiefpunkt erreicht

Über einen Korruptionsfilz zwischen Politik und Wirtschaft wird in der Slowakei schon lange mehr als gemunkelt. Aber wenn die im Internet veröffentlichten Abhörprotokolle des Geheimdienstes echt sind - und daran ist nach den Erklärungen des Innenministers kaum zu zweifeln -, dann übertrifft die durch die Aktion "Gorilla" aufgedeckte Affäre die schlimmsten Vermutungen.

Die Slowaken, die zu Tausenden auf die Straße gehen, fragen sich, was sie wütender macht: die Dummheit der Beteiligten und Informierten zu glauben, die Sache könne geheimgehalten oder vertuscht werden; oder die Dreistigkeit, mit der die Akteure sich offensichtlich sicher vor Verfolgung wähnten.

Als mutmaßliche Schlüsselfigur wird der jetzige Außenminister Mikulás Dzurinda einigen Erklärungsbedarf haben, wie die Privatisierungen 2005/2006 während seiner zweiten Amtszeit als Regierungschef tatsächlich abliefen. Dzurinda ist seit zwei Jahrzehnten im politischen Geschäft und vermutlich der bestvernetzte Politiker der Slowakei.

Angetreten war er, um dem Land nach den bleiernen Jahren unter dem Autokraten Vladímir Mečiar zu einem Neustart zu verhelfen. Dabei ist ihm einiges gelungen. Inzwischen aber hat das Ansehen der Politik bei den Bürgern einen neuen Tiefpunkt erreicht. Will Dzurinda noch einen Rest davon - und von seiner eigenen Reputation - retten, dann hilft nur die schonungslose Aufklärung der Affäre. (DER STANDARD-Printausgabe, 13.02.2012)

Kommentar posten
18 Postings
könnt mich aufregen wenn ich Zeit hätte
00
13.2.2012, 16:57

Wow die haben einen Korrupten Politiker.
Bei uns gibts glaube ich nicht einen der Ehrlich ist.

papst benedikt
00
13.2.2012, 10:57

genau das ist die politische clique, die kirchengast seit jahren für osteuropa propagiert.

Harald Herrmann
11
12.2.2012, 23:45
Ja, eh'....

und was soll daran so anders sein als bei uns? Austriakische Hybris ist nicht angebracht, in der Slowakei werden die Malversationen wenigstens aufgedeckt...

Roter Baron
00
13.2.2012, 09:41

aufgedeckt werden sie bei uns auch
der eine oder andere KHG zeigt sich
wenns gar nimmer anders geht auch selber an
aber das wars dann
mehr passiert nicht in Ö

roter baron

wurm83
 
00
13.2.2012, 13:33
ich denk da zB an den strasser

der ja ja zum glück in der EU beim gesetzebiegen erwischt worden ist, in österreich wäre selbiges verhalten nicht strafbar gewesen...

Erwin Wolfram
00
12.2.2012, 22:38
...

ich find es dort intelligenter als bei uns, weil ich find eine wahrnehmungsstoerung vorzutaeuschen ohne befund signifiziert diktatur...

MichaelMoore
01
12.2.2012, 21:16
der Balkan beginnt am Naschmarkt

und breitet sich nach Osten aus.

Peter Beta
00
13.2.2012, 15:40

Nö.

Mal einen kurzen Blick auf die Karte werfen:

Österreichs Grenze wegdenken und statt dessen nur die Grenzen der Bundesländer beachten.

Schön, wie sich der Bünderländer-Fleckerlteppich NAHTLOS in die balkanischen Kleinstaat-Muster einfügt, oder?

Österreich hat Bundesländer, die in ihrer Grösse in anderen Ländern einer Gemeinde entsprechen würden.

"Alpanien am Westbalkan ohne Bananen."

Das wäre ja nicht schlimm, aber man will es nicht wahrhaben, weil ja geschichtlich anderes "gewohnt".

Alles was bleibt ist ein verblassender Schein; in Krisenzeit wird der Blüff nicht mehr geglaubt.

Einfach mal Außensichten über Ö. einholen.

Bodo Steinbrech
00
13.2.2012, 14:08
Der Balkan beginnt bei den Unschuldsvermuteten

und breitet sich in alle Richtungen gleichmäßig aus.

FatFaceRicky
00
12.2.2012, 21:48

Am Rennweg. Das ist immerhin 300m weiter gen Osten.

Der Waehlerwille
 
00
12.2.2012, 21:24
Enns ... Enns!

Fritz Meyer
00
13.2.2012, 08:34
Vielleicht kommt's über die Donau her?

Ab Passau flussaufwärts sind's ja schliesslich auch berühmt für ihre "sizilianische" Auffassung von Ehrlichkeit in der Politik. ;)

Seria
33
12.2.2012, 19:22

das Land war auch lange Teil der kuk Monarchie. Die Nachwirkungen gibt es leider nicht nur in Restösterreich.

CEEIT
01
12.2.2012, 18:41
Was lief bei uns anders?

Bodo Steinbrech
00
13.2.2012, 14:06
Dort werden Politiker observiert

Bei uns Tierschützer

Dort werden offensichtlich strafbare Erkenntnisse nicht verwertet
Bei uns führen offensichtlich nicht strafrechtlich relavante Erkenntnisse zur Anklage

Aber:
Dort biegen sich ein paar Leistungsträger Gesetz und Justiz zurecht
Hier biegen sich ein paar Leistungsträger Gesetz und Justiz zurecht

Nur:
Dort scheint die Bruchstelle beim Biegen schon erreicht
Bei uns noch lange nicht

Papp Kamerad
10
12.2.2012, 18:49
Dass wir 45-89 im Gegensatz zur Slowakei vor dem Eisernen Vorhang waren, nicht dahinter, schon vergessen?

CEEIT
00
12.2.2012, 18:56
ich rede vom letzten Jahrzehnt

Sorry, ich hätte für Sie die Frage ausführlicher formulieren sollen.

Papp Kamerad
00
12.2.2012, 20:03
Ändert gar nichts, diese Einschränkung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.