In der Stille liegt die Stärke

12. Februar 2012, 18:32
74 Postings

Die Wiener Austria ist frisch aus der Winterpause gekommen und hat Ried souverän mit 2:0 geschlagen. Ivica Vastic feierte somit ein gelungenes Debüt als Cheftrainer

Wien - Es gibt gewiss Spektakuläreres, als Ivica Vastic bei der Arbeit zuzuschauen. Er stand einfach nur dickvermummt in der Coachingzone und schien darauf bedacht zu sein, die weißen Begrenzungslinien nicht zu überschreiten. Schließlich könnte nach so einer Schandtat der Fall eintreten, dass der Schiedsrichter dahergelaufen kommt und maßregelnde Worte spricht. Darauf legt der 42-jährige Vastic echt keinen Wert. Natürlich ist er vor seinem Debüt als Cheftrainer der Wiener Austria "positiv angespannt" gewesen. "Aber ich wusste, dass die Vorbereitung gut war."

Ein bisserl bewegt hat er sich ja. Vermutlich aus medizinischen Gründen. Denn wer friert schon gerne am 11. Februar 2012 in der Generali Arena ein? Zwei Schritte nach rechts, drei nach links, vier zurück, fünf nach vor. Ein paar händische Anweisungen. Abklatschen mit frisch ausgetauschten Spielern, zwei Umarmungen mit Co-Trainer Manfred Schmid. In der neunten und 84. Minute. Nach den beiden Toren von Alexander Gorgon gegen Ried. Da kann man durchaus die Sau rauslassen, zum Temperamentbündel mutieren.

Richtig gepokert

"Ich bin sehr zufrieden", sagte Vastic unaufgeregt. "Fußball ist ein Pokerspiel." Dabei hat er nicht hoch gepokert, nur richtig aufgestellt. Der von Sturm Graz geholte Roman Kienast wird im Laufe der Zeit noch besser stürmen, das 1:0 hat er mit einer famosen Flanke vorbereitet. Der 23-jährige, im rechten Mittelfeld tätige Gorgon vollierte den Ball ins Netz. "Ich habe einfach draufgehauen." Der Australier James Holland erledigte den Part im defensiven Mittelfeld solide. Auffallend war das geordnete Verhalten in der Abwehr, Ried wurde maximal eine Torchance gestattet. Trainer Paul Gludovatz: "Wir hätten noch fünf Stunden spielen können und nicht getroffen." Das wollte aber nicht einmal Gludovatz.

Der Trainereffekt ist im Fußball statistisch nicht nachweisbar. Vielleicht war es trotzdem einer. Manuel Ortlechner, Innenverteidiger und Kapitän, über die Neuerungen unter Vastic beziehungsweise den Unterschied zu Karl Daxbacher: "Er ist wahnsinnig detailverliebt." Vastic glaubt, das Hauptproblem der Austria erkannt zu haben. "Die Linien standen zu weit auseinander, Harmonie und Abstimmung fehlten. Wir waren für Konter anfällig." Also ist die Austria näher zusammengerückt. Psychisch wie physisch. Ortlechner: "Ich bin stolz auf die Mannschaft. Es ist eine Ehre, Kapitän sein zu dürfen. Aber keine Sorge, ich hebe nicht ab, bleibe der ganz normale Ortlechner."

Linz verpokert

Der von den Kollegen abgewählte Roland Linz, immerhin Schützenkönig der Vorsaison, saß wie angekündigt nur auf der Tribüne. Er wird sich an diese Rolle möglicherweise gewöhnen müssen. Wobei Vastic die Tür nicht zuschlägt: "Jeder kann sich aufdrängen. Aber wer gewinnt, hat immer einen Vorsprung auf die anderen."

Am Samstag steigt im Happel-Stadion das 300. Derby gegen Rapid. Vastic wird bis dahin tüfteln, ins Detail gehen. Als ehemalige Offensivkraft wisse er, "dass der Erfolg nur über die Defensive klappen kann. Es ist nicht nur der wichtig, der das Tor schießt." Vastic lobte trotzdem Gorgon ausdrücklich, schließlich hat er zwei Tore geschossen: "Er ist willig, risikofreudig, temporeich." Natürlich freue er sich aufs Derby. Und weil mit Vastic ab und zu das Temperament doch durchgeht, sagte er: "Ich freue mich sogar sehr."(Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe, 13.02.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ivica Vastic hat natürlich einige Emotionen gezeigt.

Share if you care.