Kreative Buchhaltung

Kommentar | Günther Oswald, 12. Februar 2012, 18:03

Die Zahlen zum Sparpaket werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten

Es gibt das alte Sprichwort: "Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast." Die Regierung müsste demzufolge großes Vertrauen in das von ihr vorgelegte Sparpaket haben. Vieles von dem Zahlenmaterial, das nun vorgelegt wurde, erinnert an kreative Buchhaltung, wie man sie sonst nur von Banken und Konzernen kennt, die gerade ums Überleben kämpfen.

Erstes Beispiel dafür: Wie kommt die Regierung eigentlich auf den Konsolidierungsbedarf von 26,5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2016? Die Antwort: indem sie das Ausgangsszenario als viel dramatischer vorrechnet, als es bisher der Öffentlichkeit kommuniziert wurde. So ging man noch vor drei Monaten davon aus, dass der Schuldenstand der Republik in den nächsten vier Jahren auf 74,4 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen wird. Nun rechnet man vor, dass sich die Schuldenlast ohne Gegensteuern auf fast 78 Prozent entwickelt hätte. Der kleine Unterschied macht knapp zwölf Milliarden Euro aus - nur im Jahr 2015. Oder anders gesagt: Trotz "größten Sparpakets aller Zeiten" wird der Schuldenstand 2016 nur geringfügig niedriger sein als im Vorjahr.

Wie das alles zusammenpasst? Warum man nun so pessimistisch ist? Weil sich die Konjunktur schlechter entwickle und auch Ausgaben für Bildung und Unterricht im alten Modell noch nicht enthalten gewesen seien, heißt es im Finanzministerium. Die ganze Wahrheit kann das nicht sein. Das Wifo hat seine mittelfristige Wachstumsprognose nur geringfügig von 1,8 auf 1,6 Prozent pro Jahr revidiert. Die Mehrausgaben für Bildung waren im Herbst auch schon politisch akkordiert.

Das wirft viele Fragen auf, die die Regierung bisher nicht beantwortet hat: Waren die alten Zahlen Unsinn? Wird hinter den Kulissen schon einkalkuliert, dass die Griechenland-Hilfen abgeschrieben werden müssen? Oder auch jene für Irland und Portugal? Rechnet man damit, dass die verstaatlichten Banken (Hypo Kärnten, Kommunalkredit) weitere Zuschüsse benötigen werden? Angesichts der bisherigen Informationspolitik sind solche Worst-Case-Szenarien nicht auszuschließen. Still und heimlich wurden auch im Budget des Vorjahres 600 Millionen für die Bad Bank der Kommunalkredit zurückgestellt.

Ein anderes Beispiel für die rot-schwarzen Rechenkünste: Schlappe 1,5 Milliarden Euro wurden schon mal unter dem Titel Finanztransaktionssteuer eingebucht. Über den kleinen Schönheitsfehler, dass diese Steuer auf EU-Ebene noch immer äußerst umstritten ist, sah man einfach hinweg.

Oder: Was ist eigentlich "ausgabenseitiges Konsolidieren"? Der naive Bürger würde wahrscheinlich sagen: Ausgabenseitig ist es dann, wenn eine staatliche Ausgabe reduziert wird. Denkste. Bei der kreativen Buchhaltung werden auch höhere Beiträge für Kranken-, Pensions- und Arbeitslosenversicherung als ausgabenseitig verbucht. Ebenso eine Strafgebühr, die Unternehmen bei Beendigung eines Dienstverhältnisses sowie für Nachtarbeit zahlen müssen.

In Summe machen diese Punkt 1,5 Milliarden aus. Abgesehen von der irreführenden Darstellung führen sie auch zu einer neuerlichen Belastung des Faktors Arbeit. Hier ist Österreich ohnehin schon Weltmeister. Alle Experten plädieren seit Jahren für eine Ent- statt Belastung der Arbeitskosten. Aber was zählen solche Argumente schon, solange man das Zahlenwerk kreativ schönrechnen kann. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 32
1 2
_oHo_
10
13.2.2012, 19:09
Der Oswald macht es sich allerdings auch einfach, wenn er in seinen eigene vergleichen Äpfel mit Birnen vermischt

Kritik dahingehend wär ja gut richtig und wichtig, aber:
Sorry ahnungsloser gehts nimma.

wien 1220
 
00
13.2.2012, 17:28
Daran werden wir uns jetzt gewöhnen müssen:

Das einzige Sparpaket, bei dem (fast) alle JournalistInnen und alle Experten bis auf ganz wenige Ausnahmen in Jubel ausgebrochen wären, wäre eine Kürzung aller Pension um mindestens 20%, eine Halbierung des Arbeitslosengeldes und zumindest 3 Jahre Nulllohnrunden für sämtliche Beschäftigten gewesen. Sicher hätten sich dann noch manche die Auflösung aller Landtage und die Halbierung aller Gemeinderäte gewünscht.

PS: Sicher hätte man dann in zwei Jahren viele Berichte über die darbenden Kaufleute gelesen, die nun unbedingt eine Förderung brauchen, so wie der Bericht im Wienteil über die Pratersauna.

TT1
01
13.2.2012, 16:24
ENRON

Kann sich noch jemand an ENRON erinnern? Amerikanischer Energiekonzern, der Gewinne verbuchte, die noch garnicht abgeschlossen waren. Die Manager gingen alle für Jahre in den Häfn. Meine Frage: Warum dürfen Failmann, Fekter und Spindelegger sowas - ohne in den Häfn zu kommen?

andreas wilbard
01
13.2.2012, 16:12
Der Staat hat stets nur Schulden aufgebaut und jetzt in der Krise fehlt das Geld doppelt.

Der Staat hat ja auch gut von der Konjunktur gelebt, nur: Die Konjunktur ist passé. Verabsäumt wurde zu sparen (wie das etwa Keynes für Zeiten der Konjunktur dringend fordert).
Jetzt ist kein Geld da. Die Zinsen fressen das Budget auf.
Die Wirtschaft schrumpft, der öffentliche Sektor muss daher auch reduziert werden (gehaltsbezogen, personenbezogen, stundenbezogen).
Dagegen wird nun demonstriert und gestreikt (Studenten, Lehrer, Postler, Richter...)
Wer fürs Sanieren der Budgetlöcher war (ÖBB, Post usw.) oder gar fürs Sparen war, der wurde mundtot gemacht mit "Kaputtsparen", "Weg in die soziale Kälte", "Sparen am Rücken der Ärmsten",..

Hagra
00
13.2.2012, 15:54
Die Blauen wählen ...

die können was die anderen nicht können: SPAREN durch Steuersenkungen und Ausgabenerhöhungen!!

:-)

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
110
13.2.2012, 15:29
KHG + www.bit.ly/Die_Abkassierer = www.bit.ly/Skandalmilliarden = Sparpaket

.
26500 Mio € Sparpaket für:

1 Mio € www.bit.ly/OEFB-Foerdermille
+ 1000 Mio € www.bit.ly/Blaulicht-Skandal
+ 1 Mio € www.bit.ly/Polizeifunk Provision an Mensdorff-Pouilly
+ 5500 Mio € www.bit.ly/HypoAlpeAdria
+ 9,6 Mio € www.bit.ly/BUWOG-Provisionen
+ ??? Mio € www.bit.ly/Terminal-Tower-Linz
+ 30 Mio € www.bit.ly/Mastertalk
+ 1226 Mio € www./bit.ly/Eurofighter-Schaden
+ 1500 Mio € www.bit.ly/BAWAG-Affaere
+ 3 Mio € www.bit.ly/Rettungsg... e-Kampagne
+ 10000 Mio € www.bit.ly/Koralmtunnel
+ 28700 Mio € www.bit.ly/29Mrd_fue... iechenland

+ … ?
Wer hilft mit ... was fehlt noch alles ?

Österreich ist ein reiches Land. ÖVP+FPÖ+BZÖ+SPÖ müssen aufhören uns Milliarden zu stehlen, dann GÄBE ES KEINE FINANZPROBLEME!

VölligDurchgeknallteStimmeDerVernunft
01
13.2.2012, 17:14
Rechnen Sie dazu was uns zwischenzeitlich die

Austria Tabak als Dividende eingebracht hätte - wenn diese nicht um ein Bettel verkauft worden wäre.

Ähnlich vernünftig wäre es die Einnahmen aus den BUWOG-Wohnungen bis Ende dieses "Sparpakets" dazuzurechnen - weil um DAS Geld hätten allein die Mieteinnahmen bis dato höher sein müssen!

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
04
13.2.2012, 15:31
[Geheimbuchhaltung]

Ich bin für eine jährliche Offenlegung der GESAMTEN BUCHHALTUNG der Regierung (= alle Einnahmen + Ausgaben), damit DAS nicht mehr passiert.

Es ist UNSER GELD.

Wir haben ein Recht zu wissen, was genau mit UNSEREM GELD geschieht.
Die Regierung ist uns Rechenschaft schuldig, was sie mit unserem Geld macht.

Wir leben in keiner Demokratie, denn in einer Volksherrschaft dürfte die Buchhaltung nicht vor dem Volk geheim gehalten werden (www.bit.ly/Geheimbuchhaltung ) !

Das was uns unsere Herrscher als "Demokratie" verkaufen ist in Wahrheit eine www.bit.ly/Oligarchi... esterreich

schaun se
22
13.2.2012, 13:24
na bumsti

In einer 5-Jahresplanung gibts auch Unsicherheiten.
Sakrament. Skandal. Regierung sofort absetzen. Journalisten-Controller: übernehmen Sie!

Ich persönlich glaube ja, am meisten schreibt man die FPÖ herbei, weniger wenn man dauernd über sie berichtet, sondern mehr, wenn man ihren Stil kopiert und auch - komme was da wolle - immer nur schlechtmacht. Wenn eh immer alles nur Schei..e ist, was die Regierung tut, dann wirds in den Köpfen vieler wirklich irgendwann eh schon wurscht, wer dort sitzt.

Idefix der zweite
 
00
13.2.2012, 14:45

Leider ist WIRKLICH so ziemlich alles, was diese Regierung macht, nur Schei..e.

Es geht nicht um "Unsicherheiten", sondern darum, dass uns Phantasiezahlen aufgetischt werden - oder worden sind, weil da nichts zusammenpasst.

her mit den Strichen!
31
13.2.2012, 10:39
Ein Sparpaket, dass den Durchschnittsösterreicher vielleicht EUR 1.000 pro Jahr kostet...

ist keines!!!

Ein Sparpaket muss schmerzen, wenn nicht verfehlt es die Wirkung.

Zum Vergleich: Wenn die Herren Piech und Porsche im letzen Jahr ihr Vermögen um 5,2 Mrd. EUR vergrößert haben... Was ist dann ein Staat, der gerade mal 1,5 Mrd. EUR pro Jahr sparen möchte...???

Aristarch
30
13.2.2012, 10:21
Lustiger Vorwurf einer "kreativen Buchhaltung":

Wenn also ein Buchhaltung vorsichtig angelegt und von einen ungünstigen Szenario ausgegangen wird, handelt es sich um eine "kreative Buchhaltung"?

Zusätzlich Einnahmen in der Sozialversicherung stellen für den Bund eine Reduktion der Ausgaben dar, weil die Mehreinnahmen dem Bund ja nicht zufliesen, er aber dann die Zuschüeese für die Sozialversicerungsträger reduzieren kann.

RS69
 
00
13.2.2012, 15:56

Für uns ist es relativ egal, unter welchem Vorwand das Geld aus der Tasche gezogen wird.

In den Überschussjahren der Kassen war die Trennung der Regierung weniger wichtig, und die Finanzminister haben fleissig überschüsse abgeschöpft.

default-user
00
13.2.2012, 15:52
nach dieser logik..

..könnte der staat also ausgabenseitig sparen, indem er die bauern so hoch besteuert, daß sie sich ihre subventionen selbst finanzieren. da wenn das nicht kreative buchführung (nicht -haltung, btw) ist..

Idefix der zweite
 
00
13.2.2012, 14:48

Bloss dass es für den Bürger relativ egal ist, ob Steuern oder ob Sozialabgaben erhöht werden. Da von ausgabenseitigen Massnahmen zu reden, grenzt an Verarschung.

living reef
01
13.2.2012, 09:26
das ist nicht mehr kreativ sondern spekulativ!

verleih nix
02
13.2.2012, 09:26
da gibts aber noch viel mehr

ein kleiner auszug
-die erhöhung der möst für bauern wird als ausgabenseitiges sparen verkauft
-die finanztransaktionsteuer ist schon fix im eu-budget eingeplant
-die maßnahmen im pensions- und arbeitsmarktbereich existieren gar nicht
u.v.m.

dafür würde man mit dem normalen bürger über bilanzfälschung diskutieren.

Benjamin Klein
00
13.2.2012, 09:51
also die MÖST ..

wird ja bei den Bauern (der ÖBB , etc. ) kassiert und laufend vereinnahmt,

und dann gibt es "Rückzahlungen" an die Begünstigten, und wenn die wegfallen, die Rückzahlungen dann bedeutet das schon "weniger Ausgaben";

anders wäre es gewesen hätte man den in anderen Ländern üblichen "grünen Diesel" (gefärbelt wie das Heizöl") eingeführt und mit einem geringeren Steuersatz oder auch ohne MÖST in Verkehr gebracht und keine Einnahmen getätigt, hätte mann auch nichts zurückzahlen (auszugeben) brauchen .

Natürlich wäre das dann jetzt eine Steuererhöhung wenn man da was darauflegen wollte,

Aber für mich ist
nichts "Rückzahlen" auch "nichts asgeben" !

bula sagt
26
12.2.2012, 20:45
viel zu viel ist in diesem

5 jahrespaket auf spekulation, annahme und prognose in innerstaatlich unbeeinflussbare entscheidungsfaktoren aufgebaut.
was mit einer derivativen buchhaltung natürlich nichts zu tun hat.
warum derivativ ?
maria fekter - als finanzministerin absolut fehl am platz - hat gestern in der zib 2 in bezug auf die börsentransaktionssteuer gesagt: .... nur, wenn auch derivative dabei sind."
ich bin zwar kein spezialist, aber ich kenne nur derivate.
ich gebe zu, es ist nicht fair, die qualitäten einer mizzi ohne schotter (fürs budget) an einem möglichen versprecher zu messen.
aber es beruhigt; und was ist schon fair in der politik ?

RS69
 
11
13.2.2012, 13:44

Unterstellen wir ihr einfach, dass Sie international agiert, und ihre Geschäftssprache bei Investmetns eher Englisch ist.

Das wird's dann wohl eher treffen.

Falls das nicht klar genug war: Googeln's mal derivative instrument.

Man kann an unseren politischen Akteuren vielerlei (berechtigte) Kritik üben. Zumindest qualifiziert sollte Kritik aber sein - wenn die Kritik nur zeigt, dass man nicht ausreichend Englisch kann, und nicht mal gegoogelt hat, fällt das eher auf einen selbst zurück.

Und Ihr Grünstrichler: Schämt Euch, das ist eine Bildungslücke. ;-)

bula sagt
10
13.2.2012, 17:52
beim googeln ist die quellenangabe zu berücksichtigen

RS69
 
01
13.2.2012, 18:04

Bei Wörtern des Alltagsgebrauches?

Idefix der zweite
 
10
13.2.2012, 14:58

"Wenn die Kritik nur zeigt, dass man nicht ausreichend Englisch kann"

Als nächstes schaffen wir dann in Österreich das Deutsche ganz ab und führen englisch als offizielle Amtssprache ein.

In der Deutschen Sprache gibt es das Wort Derivative nicht, da hilft Ihnen auch kein Google, und Ihr "Bildungslücken"-Vorwurf geht völlig ins Leere.

RS69
 
01
13.2.2012, 15:55

ok, ich nehme zur Kenntnis, dass es auf Ihrem Niveau keine Bildungslücke darstellt, einfache finanzwirtschaftliche Grundbegriffe nicht in englischer Sprache zu erkennen.

Für Mich bestätigt das nur meine Aussage betreffend Bildung anschaulich: "Wenn das in Englisch ist kann doch keiner erwarten, das wir's erkennen oder verstehen" kostet mich bestenfalls einen Lacher.

Aus der Perspektive sollte man nicht die mangelnde Kompetenz anderer beanstanden.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 32
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.