Was dann an kleinen Erlebnissen in "Der rote Löffel" passiert, lebt vom sparsamen Mitteleinsatz
Wien - Der bewohnbare rote Löffel im dunklen, leeren Theaterraum (plus
dem Summen einer großen munteren Stofffliege) - das war für zwei
Zuschauer nicht sehr angenehm. Sie mussten jedenfalls gleich nach Beginn
des Stückes Der rote Löffel hinausgetragen werden. Ansonsten jedoch war
das in elterlicher Begleitung erschienene Publikum im Dschungel Wien
ganz Aug und Ohr, auch guter Laune; und so geizte es auch nicht mit
Kommentaren in Richtung Zwowidl, dem kleinen Löffelbewohner (großer
pantomimischer Charme: Yoshie Maruoka).
Zwowidl nämlich ist nicht nur bei Abenteuern zu erleben. Man ist auch
Zeuge seines Schnarchens, Aufwachens und Ankleidens. Und da es eine
Weile dauert, bis Zwowidl wirklich wach ist, unterlaufen ihm halt ein
paar Pannen beim Hoseanziehen, die gottlob dank Publikumsintervention
korrigiert werden können. "Falsch! Du ziehst ein Leiberl an - als Hose!
", schallt es mahnend durch den Raum, und alles wird doch irgendwie gut.
Was dann an kleinen Erlebnissen passiert (Sounds und Musik Jörg Behrens;
Konzept und Regie Helga Utz), lebt vom sparsamen Mitteleinsatz. Ein paar
Autoreifen machen den Löffel mobil. Ein Telefon dient zur Ablenkung
Zwowidls und verschafft der Fliege Zugang zum begehrten Honigtopf. Der
nachfolgende Konflikt wird indes jäh durch einen Riesenfuß unterbrochen,
gegen den Zwowidl unter Anfeuerung der Fliege erfolgreich anboxt.
Die Oper unterwegs, die schon in einer historischen S-Bahn Ingeborg
Bachmanns Erzählung Undine (Musik: Olga Neuwirth) umgesetzt hat, gelingt
hier also etwas für die Kleinsten. Auch an den Reaktionen konnte man es
erkennen. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD - Printausgabe, 13. Februar 2012)
Bis 15. Februar; 7., 8., 9., 10. März. Dschungel Wien. Tickets: 522 07
20-20.