Der boxende Löffelbewohner

12. Februar 2012, 18:34
posten

Was dann an kleinen Erlebnissen in "Der rote Löffel" passiert, lebt vom sparsamen Mitteleinsatz

Wien - Der bewohnbare rote Löffel im dunklen, leeren Theaterraum (plus dem Summen einer großen munteren Stofffliege) - das war für zwei Zuschauer nicht sehr angenehm. Sie mussten jedenfalls gleich nach Beginn des Stückes Der rote Löffel hinausgetragen werden. Ansonsten jedoch war das in elterlicher Begleitung erschienene Publikum im Dschungel Wien ganz Aug und Ohr, auch guter Laune; und so geizte es auch nicht mit Kommentaren in Richtung Zwowidl, dem kleinen Löffelbewohner (großer pantomimischer Charme: Yoshie Maruoka).

Zwowidl nämlich ist nicht nur bei Abenteuern zu erleben. Man ist auch Zeuge seines Schnarchens, Aufwachens und Ankleidens. Und da es eine Weile dauert, bis Zwowidl wirklich wach ist, unterlaufen ihm halt ein paar Pannen beim Hoseanziehen, die gottlob dank Publikumsintervention korrigiert werden können. "Falsch! Du ziehst ein Leiberl an - als Hose! ", schallt es mahnend durch den Raum, und alles wird doch irgendwie gut.

Was dann an kleinen Erlebnissen passiert (Sounds und Musik Jörg Behrens; Konzept und Regie Helga Utz), lebt vom sparsamen Mitteleinsatz. Ein paar Autoreifen machen den Löffel mobil. Ein Telefon dient zur Ablenkung Zwowidls und verschafft der Fliege Zugang zum begehrten Honigtopf. Der nachfolgende Konflikt wird indes jäh durch einen Riesenfuß unterbrochen, gegen den Zwowidl unter Anfeuerung der Fliege erfolgreich anboxt.

Die Oper unterwegs, die schon in einer historischen S-Bahn Ingeborg Bachmanns Erzählung Undine (Musik: Olga Neuwirth) umgesetzt hat, gelingt hier also etwas für die Kleinsten. Auch an den Reaktionen konnte man es erkennen. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD - Printausgabe, 13. Februar 2012)

Bis 15. Februar; 7., 8., 9., 10. März. Dschungel Wien. Tickets: 522 07 20-20.

Share if you care.