Wien-Liesing

Rodaun: Viele neue Wohnungen, eine enge Straße

Bericht | 12. Februar 2012, 17:23
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    foto: standard/andy urban

    Hunderte Menschen sollen wohnen, wo früher Zement produziert wurde.

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    Für den Verkehr könnte das Stillstand bedeuten.

Wegen der geplanten Errichtung von 450 Wohnungen warnen Bürger im Süden Wiens vor einem Verkehrskollaps

Perchtoldsdorf/Wien - Nicht nur längere Staus, sondern einen Verkehrskollaps befürchten Bürger Rodauns in Wien-Liesing. Und bei den politischen Verantwortlichen scheint derzeit niemand darum bemüht, ihnen etwas von ihrer Angst zu nehmen. Angesichts der Pläne für ein Wohnprojekt mit 450 Wohneinheiten an der Kaltenleutgebener Straße fordert die Bürgerinitiative (BI) "Rodaun droht Verkehrsinfarkt" seitens der Stadt ein auf den erwarteten Zuzug eingehendes Verkehrskonzept. "Es gibt angeblich Lösungen, aber keiner weiß etwas Genaues", sagt Herbert Zischka von der BI.

Die Kaltenleutgebener Straße ist ein Nadelöhr, durch das viele Bewohner der niederösterreichischen Umlandgemeinden Perchtoldsdorf, Kaltenleutgeben und Breitenfurt nach Wien fahren. Schon jetzt staut es sich dort unter der Woche jeden Morgen. Mangels Alternativen steigen die meisten - angeblich 90 Prozent - der Pendler ins Auto. Oder in den Bus, der auch im Stau steht.

Demo im März geplant

Konkrete Gespräche über das Wohnprojekt auf dem Areal der ehemaligen Perlmooser Zementfabrik und der sogenannten Polsterermühle laufen seit 2009. Die BI hat 1200 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt. Im März will sie eine Demo veranstalten.

Vor der letzten Wahl sollen der damalige Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) und der Liesinger Bezirksvorsteher Manfred Wurm (SP) versprochen haben, dass die Wohnungsanzahl halbiert werde - das habe man auf Band, sagt Zischka. Inzwischen ist aber wieder von rund 450 geplanten Wohnungen die Rede, obwohl im Wiener Gemeinderat eine Reduktion der Verbauung um rund 20 Prozent beschlossen wurde.

Flächenwidmung für 500 Wohnungen

Liesings Bezirksvorsteher-Stellvertreter Gerald Bischof (SP) sagt, mit weniger Einheiten sei das Projekt für die Bauträger unwirtschaftlich. Nach aktueller Widmung sei sogar die Errichtung von mehr Wohnungen möglich. Im Büro von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SP) wird bestätigt, dass derzeit konkrete Planungen für 450 Wohneinheiten laufen. Der Flächenwidmungsplan, vor dessen Beschluss ja jede Menge Diskussionen gelaufen seien, ließe sogar 500 zu. Das angebliche Versprechen Schickers, die Wohnungsanzahl zu reduzieren, will man nicht kommentieren.

Bischof hält den Gegnern weiter entgegen, es gebe sehr wohl bereits ein Verkehrskonzept für die drei betroffenen Kreuzungen. Die aktuell ungeregelte Kreuzung Kaltenleutgebener Straße/Hochstraße erhalte eine Ampel, die Ampelkreuzung Hochstraße/Ketzergasse eine zusätzliche Abbiegespur und der Fahrstreifen für Abbieger an der Ampelkreuzung Breitenfurter Straße/Rodauner Straße werde deutlich verlängert.

Ampel oder Kreisverkehre

Zischka nennt dies "eine Lösung, die keine ist". Zwischen zwei der drei Kreuzungen sei so wenig Distanz, dass sich erst recht wieder alles aufstauen werde. Bürger Rodauns, darunter er, hätten im Rahmen der "Agenda 21 plus" ein Konzept für das Gebiet entwickelt, das unter anderem die Errichtung zweier Kreisverkehre und eine Inbetriebnahme der Kaltenleutgebner Bahn mit Personenzügen vorsieht.

Dieses Verkehrskonzept wollte man auch mit Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) besprechen. Für vergangenen September habe sie einen Termin zugesagt, sagt Zischka. Auf diesen warte er immer noch.

"Mehr geht nicht"

Redebedarf mit Vassilakou verspürt auch der Perchtoldsdorfer Bürgermeister, Martin Schuster (VP). Ein Projekt mit halb so vielen Wohnungen, sagt er, hätten die Umlandgemeinden verkehrstechnisch gerade noch verkraftet. Mehr gehe aber nicht. Denn es sei ja nicht so, dass sich die Autos an der Wiener Stadtgrenze in Luft auflösten - wie bei einer Visualisierung von Verkehrsplanern einmal dargestellt worden sei.

In Vassilakous Büro verweist man allerdings an Planungssprecher Christoph Chorherr, der sehr deutliche Worte findet: "Wir als Grüne und ich als Planungssprecher waren von Anfang an klar gegen das Projekt. Daran hat sich nichts geändert." Chorherr sagt, die Sozialdemokraten, die die Flächenwidmung so beschlossen hätten, müssten "die Suppe nun auslöffeln". (Gudrun Springer, DER STANDARD-Printausgabe, 13.2.2012)

Kommentar posten
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Florian Pich
08
14.2.2012, 09:55
Schade

Hier wird heftig diskutiert und viele haben keine Ahnung wie die Situation dort wirklich aussieht.

Teilweise wird darüber geredet, dass Anrainer keinen Zuzug wollen, wobei das überhaupt nicht zur Diskussion steht.

Es geht nur darum, dass in Liesing (auch beim Bau des Riverside) keine ordentlichen Verkehrskonzepte vorliegen. Für Anrainer gibt es dort ein großes Parkplatzproblem durch den Bau der Anlage. Zu Stoßzeiten kommt es immer wieder zu Staus, in beiden Richtungen der Breitenfurterstraße.

Mit der Anlage am Maurerberg in Rodaun kommt noch mehr Verkehr hinzu.

In Kaltenleutgeben funktioniert es jetzt schon nicht und wird mit 400 Wohnungen mehr sicher nicht besser.
Ein sinnvolles Konzept (mit Bahn oder ohne) ist auf jeden Fall hilfreich

Mirstetta Toni
04
14.2.2012, 11:29

gleiches problem wie in wiener neudorf.
der bürgermeister hat sich mit seinem spezi von der aura 450 wohneinheiten in den kopf gesetzt; verkehrplanung wurscht!

http://www.wirtschaftsblatt.at/home/schw... 6/index.do

http://www.oevp-wienerneudorf.at/abb-grund... otze-durch

Tapetenkleisterei
00
14.2.2012, 07:58
Onlinepetition

!!!Wer noch gegen große Bauprojekte ohne Blick für die Verkehrssituation ist, bitte diese Onlinepetition unterschreiben!!!
Es geht nicht darum ob Wohnungengebaut werden, sonder darum, dass eine sinnvolle Verkehrslösung gefunden wird, mit der alle (Bewohner von Liesing, Kaltenleutgeben, Breitenfurt, Perchtoldsdorf) halbwegs zufrieden sind und nicht zu Stoßzeiten im Stau stecken.

http://www.petitiononline.at/unterschr... nfarkt/230

green tea
13
13.2.2012, 23:44
Unabhängig von der nicht gerade tollen Lage (ziemlich schattig) - kann es sein,

dass die ÖVP eine verlogene Bande ist, wenn es um diesen Wohnbau geht?

Zur früheren Zementfabrik sind ebenfalls ein hunderte Arbeiter und Angestellte mit dem Auto angereist.
Und nicht nur das - zusätzlich gab es noch den angenehmen Schwerverkehr der LKWs, die tagtäglich Zement transportiert haben.

Der angrenzende Steinbruch hatte ebenfalls ein reges Transportaufkommen zu bieten...das die daran verdienenden ÖVPler in keinster Weise gestört hat.

Nun, beide Betriebe gibt es heute de facto nicht mehr, es ist ruhiger geworden im schattigen Kaltenleutgeben. Wenn es dort zukünftig 450 Wohnungen geben soll, wird das "neue" Verkehrsaufkommen in keinster Weise höher sein als früher der Berufsverkehr zum Steinbruch und Zementfabrik.

HBF 13
00
14.2.2012, 09:45

Die geplante Siedlung auf Wiener Gebiet liegt nicht so im Schatten wie der Teil der Abfüll-Verladestelle auf (neuerdings) Kaltenleutgebner Gebiet.
Der Zement wurde früher mit der Bahn angeliefert. Die Strecke wurde noch 2007/2008 saniert. Dann kam es durch die Krise aber zu keiner Wiederaufnahme der Transporte. Die Verladestelle ist aber noch aktiv. Nur wird der Zement jetzt mit LKW angeliefert.
Zu früheren Zeiten gab es auch Holztransporte.

Gummibam aus Surinam
01
14.2.2012, 07:34

Jetzt kommen's der ÖVP doch nicht auch noch mit Logik!

Lost art of conversation
00
13.2.2012, 21:43

Wohnen mit Blick auf den Steinbruch...
Man sollte eher die Wunden im Wienerwald schliessen, als dort Häuser zu bauen.
http://www.flickr.com/photos/da... otostream/
http://www.flickr.com/photos/da... otostream/

Stephan W.
00
14.2.2012, 01:24

Der alte Steinbruch ist allerdings bei Biologen ziemlich beliebt, weil's dort allerhand seltene Arten gibt :-) Leider gibts auch regelmäßig Reinigungseinsätze, weil irgendwelche Idioten ihren Müll nicht mitnehmen können.

Para Dox
00
13.2.2012, 23:47

Das 2. Bild ist das Zementwerk, das jetzt Wohnungen weichen soll.

Nicht mehr benutzten Steinbrüche wurden renaturiert. Einer ist jetzt ein kleiner See, der von den Kaltenleutgebnern (eigentlich illegal) zum Baden genutzt wird.

stainless_steve
00
15.2.2012, 08:11

leider kaum noch von den kaltenleutgebnern sondern fast nur noch ausschließlich von wienern, von denen die meisten einfach ihren müll liegen lassen...

U-Bahn Steuer
00
13.2.2012, 21:31

wartets nur, bis an der rodaunerstraße/breitenfurterstraße neu gebaut wird... DANN wirds richtig lustig!

MeinUNG - muss nicht DeinUNG sein
00
14.2.2012, 08:21
Aber dort wird doch schon gebaut!

U-Bahn Steuer
00
20.2.2012, 19:24

oh - das wusst ich nicht, bin seit sommer nicht mehr vorbeigekommen - und da waren noch die alten häusln mit zugenagelten fenstern und türen...

(das war der gemeindebau meiner träume - bessere lage gibts wohl kaum irgendwo in wien)

Stupa
01
14.2.2012, 11:10
Genau, aber doppelt so groß wie der frühere alte Gemeindebau!

Eine eigene Abbiegespur über die Rodauner Straße solls dann auch geben.

Wurm sei Dank!

wien 1220
 
93
13.2.2012, 16:09
Wie schon mehrmals,

zuletzt beim Bericht über die Seestadt Aspern gepostet: Es gibt in Wien keinen Platz mehr, wo Wohnungen gebaut werden dürfen, ohne dass sich nicht sofort ein paar hundert massiv beschweren. Irgendein Grund findet sich immer.

Denen, die in schlechter Wohnqualität wohnen, missgönnt man eine leistbare Verbesserung und Zuwanderer will man schon gar nicht, nicht einmal aus dem Waldviertel.

Lost art of conversation
00
13.2.2012, 22:03

Anstatt froh zu sein das Wien einen Waldgürtel hat, zersiedeln wir ihn mit Wohnungen, Supermärkten, Garagen....

In diesem wirklich engen Tal sollte der Verkehr soweit es irgendwie geht, sogar reduziert werden.

Die Zementfabrik einfach noch einmal 15 oder 20 Jahre stehen lassen.
Das würde die einmalige Chance bieten, auf eine vernünftigere Politik zu hoffen, die die von ihr zugelassenen Bausünden der Vergangenheit nicht verstärkt und wiederholt, sondern dort einfach den Wienerwald wieder aufforstet.
Das wäre Lebensqualität für alle!

Para Dox
11
13.2.2012, 23:43
Du verwechselst da was

Die Wunden im Wienerwald schließen ist nicht das Anliegen der Anwohner. Die wollen nur die Straßen möglichst für sich alleine haben.

wien 1220
 
00
13.2.2012, 22:37

Gott sei Dank gibt es ja jetzt die Umwidmungsabgabe.

The Dude
00
14.2.2012, 17:02

Die Umwidmungsabgabe, deren Ertrag kontraproduktver Weise den Gemeinden zugute kommen sollen, die umwidmen.
Was wird passieren: Umwidmungen in Bauland werden für die Entscheider noch wesentlich attraktiver als bisher, weil jetzt auch offiziell jeder mitschneidet. Die Zersiedelung wird also noch stärker gefördert.

Senftube
12
13.2.2012, 17:50
ehe derartige worte gepostet werden...

...empfiehlt sich ein lokalaugenschein vor ort.

und dann hüpfen Sie mir bitte eine vernünftige verkehrstechnische lösung zu diesem projekt vor.

manchmal hilft informieren, ehe man kritiker ewige nörgler heißt.l

super cat
10
13.2.2012, 18:31

Leider stellen sich alle vor, dass die zukünftigen Bewohner mit dem Fahrrad der Sonne entgegen radeln. Dass soviele Menschen auch mehr Verkehr verursachen (von Müllabfuhr bis Geschäfte beliefern, nicht nur private PKWs) und der sich nicht nur auf vorhandenen, oft bereits stark belasteten Straßen abspielen sollte, das wird bei der Planung nicht berücksichtigt weil neue Straßen sind ja pfui... Die Anrainer danken, auch in anderen Bezirken in denen solche Großprojekte geplant sind.

murdoch block, for a truer internet
00
14.2.2012, 16:18

Solch eine Geschichte erzählt man uns bereits in der 1.Volksschule.

Grundgedanke:

Die Stadtmenschen fliehen aus ihrer Stadt auf eine kleine Wiese am Land. Auf diese Wiese nimmt man zuerst Picknickkörbe mit, danach Griller, baut einen Zaun drumrum, überdacht es, baut Infrastruktur (wie Straßen), nimmt sich in das kleine Sommerhüttl Fernseher, Kühlschrank und alles andere mit.

Am Ende unterscheidet sich die Wiese nicht mehr von der Stadt und die Stadtmenschen ziehen in ihrer Freizeit auf die nächste grüne Wiese.

super cat
00
14.2.2012, 18:14

Es wird gebaut aber die Infrastruktur passt nicht und darum geht es. Kann doch nicht so schwer zu verstehen sein!

wien 1220
 
10
13.2.2012, 20:31

Wo die Menschen aber wohnen sollen, darüber denken die Anrainer nicht nach. Es ist ihnen egal, wenn sie nicht überhaupt gegen jeden Zuzug sind.

Börner
01
14.2.2012, 12:18

nicht vergessen.. hier geht es eher darum dass der verkehr umgeleitet werden sollte .. und nicht darum dass die kaltenleutgebner nicht wollen dass mehr menschen etwas von der schönen umgebung haben ;)

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