Die US-Sängerin wurde in den 1980er-Jahren mit ihrem Soul-Pop zum Superstar - Zuletzt war sie jedoch meist mit Drogenproblemen in den Schlagzeilen
Nun ist Houston 48-jährig gestorben.
Los Angeles - Als sich in den 1980er-Jahren das Modell "Globaler
Superstar" mit Michael Jackson, Prince oder Madonna im Popbusiness
etablierte, war die Soul-Pop-Sängerin Whitney Houston vorne mit dabei.
Sie besaß eine gute Stimme, war hübsch und von Musik umgeben
aufgewachsen. Whitneys Mutter Cissy Houston gründete 1959 die
Gospel-Truppe Sweet Inspirations, die in den 1960ern für Stars wie
Aretha Franklin, Wilson Pickett, Dusty Springfield, Solomon Burke und
später Elvis Presley als Backgroundsängerinnen aufnahm.
Aretha Franklin wurde später Patentante von Whitney, und nachdem ihre
Cousinen Dee Dee und Dionne Warwick ebenfalls 'erfolgreiche Karrieren
betrieben, versuchte sich auch Whitney als Sängerin - und wurde
erfolgreicher als alle anderen zusammen. Doch so steil nach oben sie ihr
Höhenflug brachte, so tief war ihr Abstieg. Nachdem sie bereits zwei
Jahrzehnte lang als drogensüchtig galt, gelangte sie in den letzten
Jahren fast nur noch mit ihrer Sucht in die Schlagzeilen.
Ihre Abhängigkeiten überschatteten neue Alben, sie führten zu
desaströsen Auftritten, bei denen Houston Texte vergaß und verwirrt
wirkte. Vergangenen Samstag ist sie nun in einem Hotelzimmer in Los
Angeles tot aufgefunden worden. Die Todesursache war vorerst nicht
bekannt gegeben worden, Fremdeinfluss wurde aber ausgeschlossen.
Nach ersten Aufnahmen als Teenager als Backgroundsängerin für Musiker
wie Chaka Khan oder Lou Rawls veröffentlichte die 1963 in Newark, New
Jersey, Geborene mit 22 ihr Debüt. Gleich drei Nummer-eins-Hits waren
darauf zu finden: Saving All My Love For You, How Will I Know und The
Greatest Love Of All. Sie legten den Grundstein für eine der kommerziell
erfolgreichsten Showbusinesskarrieren der letzten 25 Jahre. Gut 170
Millionen Alben und Singles soll Houston verkauft haben.
Gelungen ist ihr das mit einer gefälligen Übertragung von ursprünglich
schwarzer Musik in den weißen Mainstream. Dabei blieb von der Emotion
des Soul nicht viel übrig, Houston überführte die letzten Reste echter
Gefühligkeit in die Gefilde des hohlen Pathos. Der Erfolg gab ihr Recht,
was Houston anfing, schien wie von selbst zu Gold zu werden. Folgewerke
wie Whitney (1987) und I'm Your Baby Tonight (1990) setzten den
eingeschlagenen Weg fort und festigten Houstons Status. Doch ihr größter
Erfolg lag da noch zwei Jahre vor ihr.
Die Oscar-Nominierung
1992 gab Houston an der Seite von Kevin Costner ihr Filmdebüt, in The
Bodyguard. Der Streifen entwickelte sich zu einem weiteren Welterfolg
für Houston, sein Soundtrack verkaufte sich über vierzig Millionen Mal.
Die musikalischen Zugpferde darauf sang Houston, vor allem I Will Always
Love You, eine Schnulze epischen Ausmaßes, die bei Livekonzerten selbst
Nichtraucher zum Konzertfeuerzeug greifen ließ. Neben Oscar-Nominierung
für die Musik erhielt The Bodyguard indes auch eine Goldene Himbeere als
schlechtester Film des Jahres.
Ebenfalls 1992 heiratete sie Sänger Bobby Brown. Das Paar hat eine
Tochter, doch die Ehe war überschattet vom Lebensstil Browns. Drogen und
häusliche Gewalt gehörten zum Alltag und brachten ihm Gefängnisstrafen
ein. Houston brauchte bis 2007, um sich von Brown zu lösen. Lange davor
begannen ihre Drogenprobleme, war die Sängerin immer wieder in
Entzugskliniken. Während dieser Zeit erschienen zeitgeistig beeinflusste
Alben wie My Love Is Your Love (1998) sowie 2003 das eher verzweifelt
wirkende One Wish: The Holiday Album mit Weihnachtsliedern. Vor drei
Jahren erschien die CD I Look To You, mit der sie auf Welttournee ging.
Vergangenes Wochenende war Houston wegen der Grammy-Verleihungen in Los
Angeles. Am Nachmittag wurde Houston regungslos in ihrer Badewanne
gefunden, Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Whitney Houston
wurde 48 Jahre alt. (Karl Fluch, DER STANDARD - Printausgabe, 13. Februar 2012)