BZÖ-Abgeordneter Wittauer kommt nicht - Gorbach-Sekretärin soll diesmal erscheinen
Wien - Nach einer Woche Pause nimmt der parlamentarische Korruptions-U-Ausschuss heute wieder die Zeugenbefragungen auf. Untersucht werden diesmal mögliche Geldflüsse von der teilstaatlichen Telekom Austria an das BZÖ und an den ehemaligen Vizekanzler, Verkehrsminister und BZÖ-Obmann Hubert Gorbach. Stefan Petzner, für das BZÖ im Ausschuss, hatte stets Schmiergeldzahlungen an seine Partei zurückgewiesen. Gorbach hatte sich bei seiner Einvernahme am 1. Februar zu den entscheidenden Fragen der Aussage entschlagen, da er von der Justiz in der Causa Telekom als Beschuldigter geführt wird.
Schmied und Gastinger
Den Zeugenreigen am Dienstag eröffnet Kurt Schmied, Geschäftsführer der Projektentwicklung Werbeberatung Schmied GmbH. Das Nachrichtenmagazin "News" hatte Mitte Jänner berichtet, dass das BZÖ über die parteinahe Agentur Schmied von der Telekom nicht nur 720.000 Euro, sondern auch 240.000 Euro für den Vorzugsstimmenwahlkampf der ehemaligen BZÖ-Justizministerin Karin Gastinger bekommen habe. Gastinger erklärte, davon nichts gewusst zu haben und zeigte sich verärgert über die angeblichen Geldflüsse. Sie wird am Mittwoch Gelegenheit haben, unter Wahrheitspflicht ihre Sicht der Dinge dem U-Ausschuss kundzutun.
Danach sollte sich Klaus Wittauer, Nationalratsabgeordneter und
Telekomsprecher des BZÖ im Jahr 2006 und Spitzenkandidat in Tirol für
die Wahl 2006, den Abgeordneten stellen. Er hat sich wegen eines
Südafrika-Aufenthaltes entschuldigen lassen, so die
Ausschuss-Vorsitzende Gabriela Moser. Wittauer wird am Montag, dem 27.
Februar, vor den Ausschuss treten. Es steht der Vorwurf im Raum, dass das Geld, das für Gastingers
Wahlkampf bestimmt gewesen sein soll und nicht gänzlich verbraucht
wurde, da Gastinger der Politik den Rücken kehrte, in den
Tiroler-BZÖ-Wahlkampf floss. Wittauer saß vor seinem Wechsel zum BZÖ für
die FPÖ im Nationalrat.
Nach Kurt Schmied soll am Dienstag Arno Eccher, ehemals Bundesgeschäftsführer des BZÖ und Geschäftsführer der Orange Werbeagentur GmbH, als Auskunftsperson vor den Ausschuss treten.
Gorbach-Sekretärin kommt
Ebenfalls geladen ist die
ehemalige Gorbach-Sekretärin Gabriele Kröll-Maier. Sie war der letzten
Zeugenladung nicht nachgekommen, da sie in ihrem nunmehrigen Job als
Hauptschullehrerin im Prüfungsstress vor dem Semesterende war. Sie hatte
vor der Justiz Gorbach indirekt schwer belastet. Die Hauptschullehrerin soll von der Telekom über die Hochegger-Firma
Valora einen Beraterauftrag über 264.000 Euro erhalten haben, um den
Wirtschaftsstandort Vorarlberg zu analysieren. Nach anfänglichem
Widerstand hat sie laut Vernehmungsprotokollen zugegeben, dass sie dafür
keine Leistung erbracht habe - sondern abgesehen von einem
Monatshonorar von 4.500 Euro das Geld an ein Dienstkonto von Gorbach
weitergeleitet habe.
Petzner hingegen betonte im U-Auschuss, dass mit der Zeugenbefragung
von Gorbach der Beweis erbracht wurde, dass es keine
Schmiergeldzahlungen gegeben habe. Den von der BZÖ nach bekannt werden
der Zahlungen an die Sekretärin ausgeschlossenen Gorbach will er aber
trotzdem nicht wieder in die Partei aufnehmen.
Telekom-Manager Fröhlich
Abschließend ist noch
der Telekom-Manager Martin Fröhlich an der Reihe. Er war im Unternehmen
für die umstrittene Novellierung der Universaldienstverordnung
zuständig, die sich laut Verdacht der Ermittlungsbehörden die Telekom
bei Gorbach "gekauft" hat. Aus den Verhörprotokollen des Telekom-Managers Gernot Schieszler, der eine Kronzeugenregelung anstrebt, geht hervor, dass es zwischen dem Kabinett von Gorbach und Fröhlich regen Mailverkehr zur Universaldienstverordnung gab, der zumindest streckenweise auch als Auftrag gedeutet werden könnte, dass sich die Telekom die Novelle bestellt hat. Gorbach und sein Stab haben dies bei den vorigen Zeugenbefragungen dementiert.
Hochegger am Donnerstag
Highlight der Ausschusswoche ist am Donnerstag der Auftritt von Peter Hochegger, der zentralen Figur des angeblichen Korruptionsskandals. Er wird von den Abgeordneten nicht die üblichen zwei, sondern ganze vier Stunden befragt. Da er als Beschuldigter in mehreren Verfahren geführt wird, könnte er sich der Aussage entschlagen.(APA)