Wirtschaftstreuhänder: Sparpaket unangenehm, aber notwendig und ausgewogen

12. Februar 2012, 11:27

Höhere Steuern nur akzeptabel, wenn Reformen voll umgesetzt werden

Die im Sparpaket der Regierung enthaltenen Belastungen sind unter der Voraussetzung akzeptabel dass die vorgesehenen Reformen in vollem Umfang durchgezogen werden und so die notwendigen Einsparungen erzielt werden. Insgesamt ist das Paket unter den gegebenen Umständen hart, aber ausgewogen. So kommentiert Klaus Hübner, Präsident der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, das am Freitag Abend vorgelegte "Reformpaket".

"Ein Verhältnis von 90 zu 10 zwischen ausgabenseitigen Maßnahmen und neuen Belastungen wäre mir lieber gewesen, aber 70 zu 30 ist immer noch viel besser als 50 zu 50", sagte Hübner zu dem von der Regierung geplanten Kurs zur Budgetsanierung. Ein Sparprogramm sei angesichts der Situation der Staatsfinanzen unumgänglich, weil ein weiteres Ansteigen der Schulden die Handlungsfähigkeit Österreichs gefährde. "Wir verspielen sonst die Zukunft unserer Kinder", sagte Hübner.

Insgesamt scheine es gelungen zu sein, die Belastungen einigermaßen ausgewogen zu verteilen. Dies gelte insbesondere für die Beamten, die ÖBB, die Landwirtschaft und die Besserverdiener. Die Einschränkungen bei den Frühpensionen und die Anhebung des Pensionsantrittsalters seien aus demographischen Gründen unumgänglich und richtig. Positiv bewertete Hübner den Verzicht auf die Wiedereinführung von Vermögens- und Erbschaftssteuern. Der Solidarbeitrag sei akzeptabel. Allerdings bestehe bei solchen befristeten Belastungen immer die Gefahr, dass sie sich zu Dauereinrichtungen entwickeln.

Die Steuer auf den Wertzuwachs von Immobilien sei gut nachvollziehbar so weit es um Umwidmungsgewinne gehe. Zur Besteuerung der Spekulationsgewinne meinte Hübner, dass es viele Länder mit einer solchen Regelung gebe, eine abschließende Beurteilung aber erst nach Vorliegen der Details möglich sei.

Die Aufnahme der noch nicht beschlossenen Finanztransaktionssteuer in das Paket sei "mutig". Das Abkommen mit der Schweiz zur Besteuerung von Schwarzgeld sei naheliegend, müsse aber erst verhandelt werden.

Die Gelegenheit zur grundlegenden Vereinfachung der Steuergesetzgebung konnte offenbar unter dem Zeitdruck nicht ergriffen worden sei, sagte Hübner. Das Thema bleibe für künftige Reformen weiter aktuell. Die Wirtschaftstreuhänder hätten unter Federführung von Karl Bruckner, Vorsitzender des Fachsenats für Steuerrecht, ein Modell eines integrierten Einkommensteuertarifs ausgearbeitet, mit dem erhebliche Einsparungen erzielt werden könnten.

Grundsätzlich sei das Bemühen um die Einleitung von Strukturreformen erkennbar. Es müssten aber künftig weitere Reformen folgen, um Volumina für die Senkung der Abgabenquote frei zu bekommen. Diese liege in Österreich derzeit um vier Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt und um acht Prozentpunkte über dem OECD-Durchschnitt. Positiv sei anzumerken, dass das Paket Österreich als Wirtschaftsstandort nicht beeinträchtige.

Rückfragehinweis:

Heinrich Mathis Kammer der Wirtschaftstreuhänder Schönbrunner Straße 222 - 228 1120 Wien Tel: 01 81173 - 245 Mobil: 0664 2071993 mathis@kwt.or.at

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