Französin siegt vor Maze und Höfl-Riesch - Görgl Fünfte, Fenninger mit starkem zweiten Lauf
Soldeu - Tessa Worley ist derzeit die Nummer eins im
Riesentorlauf-Weltcup der alpinen Ski-Damen. Die Französin gewann
nach Kranjska Gora am Sonntag auch in Soldeu und schlüpfte damit ins
Rote Trikot der Disziplinen-Leaderin. Bei neuerlich starkem Wind in
Andorra setzte sich die 22-Jährige vor der slowenischen Weltmeisterin
Tina Maze (+0,16 Sekunden) und der Deutschen Maria Höfl-Riesch (0,75)
durch.
Einen Tag nach dem Slalom-Triumph von Marlies Schild fuhren die
ÖSV-Damen am Podest vorbei. Die Steirerin Elisabeth Görgl wurde
Fünfte (1,00), die Salzburgerin Anna Fenninger mit Bestzeit im
aufgrund des Windes um elf Tore verkürzten zweiten Durchgang noch
Sechste (1,14).
Im Riesentorlauf-Weltcup hat sich das Feld durch den Ausfall der
abgelösten Leaderin Viktoria Rebensburg eng zusammengeschoben. Worley
(310 Punkte), Rebensburg (290), Fenninger (262), die US-Amerikanerin
Lindsey Vonn (249) und Görgl (221) sind aktuell nur durch 89 Zähler
getrennt. Im Gesamt-Weltcup ist die Lage weit weniger spannend, Vonn
führt trotz eines mäßigen Wochenendes in Andorra noch 410 Punkte vor
Maze.
"Für mich ist es heute perfekt gelaufen", sagte Worley, die
bereits nach dem ersten Lauf in Führung gelegen war und ihren
siebenten Weltcup-Sieg feierte. "Vor dem Rennen hatte ich Bedenken
wegen des Windes. Aber dann habe ich mir gedacht, dass man es sowieso
so nehmen muss, wie es kommt." Platz eins im Riesentorlauf-Weltcup
spielt für die Freundin des französischen Slalom-Läufers Julien
Lizeroux vorerst nur eine untergeordnete Rolle. "Die Entscheidung
fällt erst im März, es haben viele Läuferinnen Chancen", meinte
Worley.
Nur knapp an einem Sturz vorbeigeschrammt ist im Finish Görgl. Die
Doppel-Weltmeisterin 2011 touchierte heftig mit dem vorletzten Tor,
rettete sich aber gekonnt ins Ziel. "Ich habe voll riskiert und das
Tor voll niedergeräumt", erklärte Görgl, die Prellungen im linken
Unterarm befürchtete. Bis dahin war Görgl stark unterwegs gewesen,
ohne den Zwischenfall wäre wohl auch das Podest in Griffweite
gewesen. "Mir hat's getaugt, es war eine gute Leistung."
Fenninger verhaute den ersten Lauf und lag zur Halbzeit nur auf
Rang 17. Mit der Wut im Bauch attackierte Fenninger im Finale voll
und kletterte mit Bestzeit noch auf Platz sechs. "So eine Leistung
hätte ich mir auch im ersten Durchgang gewünscht. Im zweiten Lauf
habe ich aber gezeigt, was ich kann. Ich habe richtig attackiert und
es ist mir aufgegangen", meinte Fenninger.
"Endlich wieder ein Erfolgserlebnis", freute sich Eva-Maria Brem
nach Rang zehn. "In den letzten Wochen ist es im Training besser
gelaufen", sagte die Tirolerin, die auch punkto Einstellung an sich
gearbeitet hat. "Ich war oft zu verkrampft. Heute bin ich am Start
gestanden und habe mir gesagt, dass ich Spaß haben möchte",
berichtete die 23-Jährige, die nach Andorras Weltcup-Premiere Soldeu
als "absolut weltcupwürdig" bezeichnete.
Mit Schmerztabletten aufs Stockerl gefahren ist Höfl-Riesch. Die
Deutsche war am Dienstag im Training schwer gestürzt, biss aber in
Soldeu die Zähne zusammen. "Der Schnee hier ist extrem aggressiv, da
beißen die Ski und man wird herumgeschleudert. Aber so geht es
allen", erklärte Riesch, die sich nicht gehandicapt fühlte. "Beim
Rennen ist man so fokussiert, dass man an kleine Schmerzen nicht
denkt."
Direkt nach Rennende begann für das ÖSV-Damen-Team das nächste
Wettrennen, nämlich jenes zum Flughafen Barcelona, von dort aus flog
man für wenige Stunden nach Hause. Bereits am Montag beginnt für die
Österreicherinnen mit der Anreise das Abenteuer Sotschi, wo am
Mittwoch das erste von drei Trainings auf dem Programm steht. Am
Samstag geht es am Olympia-Schauplatz 2014 in der Abfahrt und am
Sonntag in der Super-Kombination um Weltcup-Punkte. (APA)