Die teuflische Inflationssteuer

Blog | KrisenFrey, 11. Februar 2012, 18:39
  • Der so oft 
wiederholte Vorwurf, dass in Österreich Arbeit zu hoch und Kapital zu 
niedrig besteuert werden, trifft einfach nicht mehr zu.
    foto: armin weigel dpa/lhe

    Der so oft wiederholte Vorwurf, dass in Österreich Arbeit zu hoch und Kapital zu niedrig besteuert werden, trifft einfach nicht mehr zu.

Vermögenszuwächse werden in Österreich nominal und nicht real besteuert - und daher viel höher als es scheint

Der Obmann des Verbandes Immobilien in der Wirtschaftskammer, Thomas  Malloth, hat bei der neuen Immobilienbesteuerung vor kurzem kritisiert, dass Wertzuwächse, die nur der allgemeinen Preissteigerung entsprechen und daher dem Besitzer gar nichts bringen, in Zukunft genauso mit 25 Prozent besteuert werden wie reale Zuwächse - also jene, die über der Inflationsrate liegen.

Malloth fordert hier eine Anpassung, sodass nur reale Gewinne der Immobilienbesteuerung unterliegen sollen.

Der Wirtschaftskämmerer hat mit seiner Kritik grundsätzlich recht. Allerdings übersieht er, dass Sparer dieses Problem schon seit Jahrzehnten haben. Auch Zinsen werde mit 25 Prozent Kapitalertragssteuer belegt, egal ob der Ertrag real ist oder nicht. Das gleiche gilt für die neue Wertpapier-Kest, die sich ebenfalls um die Inflation nicht schert.

Nun, da auch alle Immobilien, die nicht als Hauptwohnsitz genutzt werden, einer Kest unterliegen werden - und das ist gut so -, kann man feststellen, dass in Österreich Vermögenszuwächse grundsätzlich nominal und nicht real besteuert werden.

Der effektive Steuersatz auf reale Vermögenszuwächse (und das sind die einzigen, von denen der Eigentümer profitiert) liegt daher deutlich über 25 Prozent und wahrscheinlich ungefähr auf dem gleichen Niveau wie der Grenzsteuersatz bei der Einkommenssteuer - also zwischen 36 und 50 Prozent.

Der so oft wiederholte Vorwurf, dass in Österreich Arbeit zu hoch und Kapital zu niedrig besteuert werden, trifft einfach nicht mehr zu.

Aber wie hoch ist der echte Steuersatz auf reale Vermögenszuwächse? Das hängt von der jeweiligen Inflation ab, genauer gesagt: vom Verhältnis zwischen Inflation und Rendite.

Wird ein bedeutender Teil der nominalen Rendite von der Inflation aufgefressen, dann ist der Steuersatz sehr hoch. Nehmen wir an, Sie haben bei zwei Prozent Inflation eine nominale Rendite von vier Prozent. Die reale Rendite ist zwei Prozent, die Kest beträgt ein Prozent - das heißt, 50 Prozent der realen Rendite wird wegbesteuert.

Ist die nominale Rendite dreimal so hoch wie die Inflation (also bei zwei Prozent Inflation sechs Prozent), dann sinkt der effektive Steuersatz auf 37,5 Prozent. Ist die Rendite allerdings nur um die Hälfte höher als die Inflation (also drei Prozent), dann steigt der Steuersatz auf 75 Prozent.

Bei vielen Sparern beträgt die Kest derzeit wegen der niedrigen Nominalzinsen sogar mehr als die Realrendite - der Steuersatz auf Sparbücher liegt derzeit oft über 100 Prozent.

Grundsätzlich kann man feststellen, dass bei niedrigere Inflation die effektive Kest niedriger ist als bei einer hohen. Bei Inflationsraten über drei Prozent muss man schon gewaltigen Rendite einfahren, um einen vernünftigen Steuersatz zu kommen. Das gilt für Wertpapiere und Immobilien in Zukunft genauso wie für Spareinlagen.

Kleine Sparer werden von diesem System am härtesten getroffen, weil sie meist nur geringen Renditen erhalten - als Preis für mehr Sicherheit.

Auch bei Immobilien wird der Fiskus in Zukunft oft hart zuschlagen: Die Wertzuwächse gerade im privaten Bereich liegen meist nur wenig über der akkumulierten Inflationsrate, wie Malloth richtig festgestellt hat.

Am besten schneiden Aktieninvestoren ab, denn dort gibt es erstens die Möglichkeit, Verluste aus dem gleichen Jahr bei der Steuer gegenzurechnen, und zweitens die Chance (dank hohem Risiko) auf gelegentlich sehr hohe Gewinne, die weit über der Inflationsrate liegen.

Ich glaube nicht, dass der Gesetzgeber geplant hat, Zocker niedriger zu besteuern als jene, die das Risiko scheuen. Aber er hat offenbar auch nichts dagegen. Die potenziellen Ungerechtigkeiten bei der Besteuerung nimmt er in Kauf.

Ein anderes System, das bei der Besteuerung jedes Kapitalertrags die Inflationsrate berücksichtigt, wäre von der Abwickung wahrscheinlich zu aufwändig.

Eine Option könnte man sich dennoch überlegen: Wie wäre es, wenn jeder Steuerzahler die Möglichkeit erhält, statt einer 25-Prozentsteuer auf den Nominalertrag den realen Ertrag in seine Einkommenssteuererklärung aufzunehmen und zu seinem jeweiligen Grenzsteuersatz zu versteuern.

Bei Immobilien wäre dies wohl meist 50 Prozent, weil der Gewinn aus einem Haus- oder Wohnungsverkauf den Steuerzahler rasch in die höchste Steuerklasse bringt. Aber selbst da könnten manche Private etwas besser aussteigen als bei 25 Prozent auf alles.

Und gerade für Menschen mit wenig Einkommen würde durch so ein System die drückende Steuerlast auf niedrige Sparzinsen etwas sinken. Das wäre eine sozial gerechte Reform.

Ich weiß nicht, was diese Wahlmöglichkeit dem Fiskus kosten würde. Leisten kann es sich der Staat wohl erst in einigen Jahren, wenn der Schuldenberg etwas abgetragen worden ist. Aber mit der Berechnung könnte man schon heute beginnen.

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no risk no fun,

aber mal zum herrn frey, man staune über ein hardcore thema sozusagen. respekt.

das problem kennen wir natürlich und über dinge wie sparbücher, scherkekse äh scherzkest usw. sind wir schon lange hinweg. 3% rendite - im monat? spass beiseite, der spiesser bin ich.

wir alten echte liberalen wissen warum es so ist, wir wissen was passiert und wie man bestens rauskommt. also je höher die inflation umso besser, je höher die steuern, umso grösser die freude. alles kein problem, dank münze österreich.

aber das risiko ist sooo .... aber besser verzockt als versteuert. und wenn ichs nicht brauch, wart ich noch 50 jahre, nice try bis zum nächsten crash. vermögen und erbschaft hin oder her. ich glaub da kommt noch einer. ziemlich sicher.

Ja teuflisch, was ist das nur für ein Land

in dem man für Nichts nicht mehr Geld bekommen kann?

Und wie teuflisch sind erst die anderen Länder, die nicht nur die Vermögenszuwächse, sondern auch noch die Vermögen an sich besteuern....

Gibts eigentlich schon Fristen für den Hauptwohnsitz?

Wie lange müssen die Besitzer Hauptgemeldet sein, um der Steuer zu entgehen?

Vollkommen richtig, Herr Frey!

REAL werden Vermögen viel höher besteuert als es ausschaut. Das mag Umverteiler erfreuen, aber es gibt eine Nebenwirkung, die keinen vernünftigen Menschen erfreuen sollte: Das Kapital und letztlich die Menschen selbst verlieren Mobilität. Man verkauft nicht, um Steuern zu vermeiden. Dadurch verzögern sich wirtschaftliche Anpassungsprozesse und wegen der geringeren Rendite weniger Investitionen, was letztlich dann zu weniger Wohlstand und weniger Steuern führt.
Wenn jemand beim Verkauf seines Hauses einen erheblichen Steuerschaden erleidet, dann wechselt er eben vielleich nicht den Wohnort für einen besseren Job oder baut erst überhaupt kein Haus.

Der Vergeliche mit KEST ist falsch

denn dort wird eben nur der Zinszuwachs besteuert.

der real null ist

und das wird besteuert.

das ist der mist für die leute die nicht rechnen können oder wollen. manche wollens einfach wo liegen haben, ja nur nicht daheim und zahlen eigentlich dafür depotgebühr in form von negativrenditen (wie ja auch bei dt. bundesanleihen die profis).

inflation ist keine naturkatastrophe sondern ein wirtschaftskonzept (zur entwertung und entschuldung). ganz einfach.

und wir stehen erst am anfang.

Der Schmäh ist,

soviel Vermögen zu haben, dass man es auch sehr langfristig mit hohen renditen veranlagen kann. Bei einer Rendite von 10% ist die KESt nimmer so schlimm (30-40%, d.h. eine netto-rendite von 7-6%), während "der kleine sparer" mit dem täglich verfügbaren sparbuch einen realverlust macht, zu dem dann noch steuern dazukommen.

Die Umverteilung funktioniert also nach wie vor prächtig. Auch wenn man grad die wenigen lohnsteuerpflichtigen Großverdiener zwangssolidarisch ein bisserl zur Kasse bittet, das Vermögen der wirklich Reichen bleibt geschützt.

(Wenn die kreative Privatbank mit der Filiale im benachbarten Ausland nicht ohnehin neben den Renditen auch noch die Besteuerung optimiert.)

ja, wo kriegt man denn sichere 10% rendite?

beim grasser, strasser

bei der övp, spö ....

wenns mit ein paar mille zur langfristigen veranlagung bei einer privatbank vorstellig werden geht einiges mehr als bei der hausbank mit ein paar zehntausend euro. noch dazu wo kleine vermögen meistens auch kurzfristig verfügbar sein müssen.

konkrete zahlen müssens wen anderen fragen, ich bin leider kein privatbankkunde. es wird wohl grad jetzt auch für großanleger nicht so rosig aussehen. aber das macht nichts, weil die es ja langfristig (oft über generationen) anlegen. nur so zwecks einschätzung: vorsorgewohnungen werden mit bis zu 8% nach steuern beworben, und das ist noch nicht mal besonders exklusiv. (wienerprivatbank.com)

Ob mit ein paar Millionen

oder ein paar Milliarden, _sichere_ 10% gibt es einfach nicht, per definitionem.
oder warum verkaufen sich deutsche Staatsanleihen derzeit mit Negativzins? Genau, weil sie als supersicher gelten. Und dort kommt nicht ein Swarovski mit ein paar Millionen zum einkaufen vorbei, sondern Pensionsfonds und ähnliche Kaliber, die ein paar Milliarden oder gleich Billionen verwalten.

ich weiß nicht wer in diesem thread angefangen hat von 100% sicher zu reden, aber ich war's 100% sicher nicht.

mag sein

aber auch 8% für Vorsorgewohnungen (ein Klumpenrisiko par excellence, aber wer's mag...) erscheint mir derzeit sehr gewagt. Und 10% gibts nur mit entsprechendem Risiko. Dazu gibt's jede Menge Literatur.

wie hoch auch immer die renditen grad liegen, das wird schon wieder.

der punkt ist: die reichen haben zeit, und dadurch und durch die höheren kapitalmengen erzielen sie höhere renditen. daher werden durch den unterschied zwischen real- und nominalgewinnbesteuerung die kleinen sparer deutlich härter getroffen - eben bis hin zur realverlustbesteuerung.

meiner meinung nach erzielen große vermögen...

... höhere renditen weil sie erstens sehr diversifiziert sind und zweitens nie verkaufen "muessen". Steigt der Goldpreis, verkaufe ich gold, steigt der zinssatz fixverzinslicher wertpapiere kaufe ich diese, steigen aktien verkaufe ich sie. irgendein produkt erwirtschaftet zu jedem gegeben zeitpunkt immer 10% rendite. ich muss es nur besitzen...

genau. das meinte ich mit langfristigem anlegen. und dann eben noch die nötige menge, um individuelle veranlagung rentabel zu machen.

hier herrscht keine waffengleichheit, und die nominalgewinnbesteuerung trifft erst wieder vor allem die kleinen. womit wieder mal bewiesen wäre: reich wird man nicht vom arbeiten, sondern durch kapital. und die politik sorgt dafür dass das auch so bleibt. leistung muss sich lohnen? aufwachen, die verspotten uns.

wenn das so wär tät österreich keine einzige staatsanleihe loswerden.

Im Prinzip natürlich

richtig.
Aber zum x-ten mal: solang mir auch bei Gehaltserhöhungen die Inflation wegbesteuert wird (und zwar schon mit meinem Grenzsteuersatz, was gibt das real erst für einen Steuersatz? 100%, oder noch mehr, wie in den letzten Jahren nicht unmöglich?), dürfen die armen Hausverkäufer ganz still sein.

Dabei handelt es sich um die sog. kalte Progression, das ist etwas anderes. Der Steuersatz steigt ohne Reallohngewinn, aber es wird dennoch nur der Gewinn versteuert. Einen Realverlust zu besteuern, wie das etwa bei der KESt passiert, das gibt die kalte Progression nicht her. Auch keinen realen Steuersatz, der den nominalen Höchststeuersatz überschreitet.

"Einen Realverlust zu besteuern, wie das etwa bei der KESt passiert, das gibt die kalte Progression nicht her"

natürlich geht das. Ein Abschluss unter der Inflationsrate ist schon ein Reallohnverlust, trotzdem wird die Nominalerhöhung besteuert.

nein, der lohn wird immer vollständig besteuert, bei einem verkauf nur der gewinn. sie können eine lohnerhöhung nicht mit einem veräußerungsgewinn vergleichen.

Natürlich kann ich.

Warum nicht? In beiden Fällen ist der Grundbetrag x irrelevant, es geht nur um den Wertzuwachs.

nochmal: lohn- und einkommensteuer besteuern den gesamtbetrag, KESt nur den zuwachs. es gibt bei beiden inflationseffekte, aber eben ganz unterschiedliche. die kalte progression erhöht die steuersätze auf dasselbe realeinkommen, aber es wird immer das realeinkommen besteuert, im gegensatz zur KESt, die sogar realverluste besteuert.

25% des Wertzuwachses? Paaßt!

Wenn ich mir so ansehe, daß ein Haus eine Investition auf Lebenszeit ist, weil man ja drin wohnt, dann wird die Steuer maximal für die Erben fällig.
Wird so ein Haus aber vorzeitig verkauft, etwa weil jemand seine Schulden nicht zahlen kann, dann ist es eher selten, wenn der ursprüngliche Kaufpreis erreicht wird. Und 25% von nix is nix.

Wenn ich mir aber z.B. den "Stumpf-Tower" ansehe, der von der Bank finanziert wurde, die ihn nun besitzt und der (wer kauft schon etwas, wo er der Bank im Grundbuch die tatsächliche Summe zahlen muß) aus der "Konkursmasse" billig erworben wurde, wobei sich die Bank seltsamerweise nicht geschädigt fühlt....
Da könnten ruhig 100% drauf sein, es wär immer noch "a G'schäft"

Wenn jemand ein Haus, das er bewohnt hat, verkauft, dann erfolgt in der Regel überhaupt keine Besteuerung des Gewinns, da der Hauptwohnsitz von dieser Steuer ohnehin befreit ist.

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