Neues vom Binnen-I

Blog | Irene Brickner, 11. Februar 2012, 18:38
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    foto: ap photo/daniel maurer

    "Studenten" oder "Studierende"?

Replik auf die berechtigte Kritik einer Leserin an genderunsensiblem Schreibstil

Wer ist auf dem Bild zu diesem Eintrag zu sehen? "Studenten"? So zumindest lautete der korrekte Ausdruck, bevor im Zuge der Frauenbewegung vor 40 Jahren darüber zu streiten begonnen wurde, wie man mehr Frauengerechtigkeit - und damit Gendergerechtigkeit - in die Sprache bringen kann. Das hat insofern gefruchtet, als heute wohl die Allermeisten auf dem Foto "Studentinnen" erkennen dürfte - oder aber "Studentinnen" bzw. "Student/innen", wenn nicht gar "Studierende".

Damit ist das Thema umrissen, auf das mich die Kritik einer Leserin gebracht hat - wieder einmal. Es geht um Personenbezeichnungen für Männer und Frauen im schriftlichen, also auch journalistischen, Sprachgebrauch: Im Deutschen ist das ein besonderes Problem, weil diese Sprache in ihrer herkömmlichen Anwendung, im Gegensatz etwa zum Englischen, nur wenige wirklich geschlechtsneutrale Bezeichnungen kennt. Das hat dazu geführt, dass maskuline Personenbezeichnungen auch Frauen "mitmeinen" können. So wird z.B. von "Wählern" gesprochen, obwohl die Mehrzahl der Wahlberechtigten in Österreich und Deutschland Wählerinnen sind.

Besagter Leserin ging es um den einen Bericht um die Folgen des Prozess gegen TierschützerInnen, wo nunmehr die schriftliche Begründung der Freisprüche von vor neun Monaten vorliegt. In meinem zu diesem Thema verfassten Artikel (im Print - aber er wurde, wie die meisten Printartikel, auch auf derStandard.at gestellt) hätte ich Gendersensibilität vermissen lassen, merkte die Mailschreiberin an. 

Berechtigte Kritik

Mit der Kritik hatte sie Recht. Schon, was den Titel betrifft: "Rein 'ziviler Ungehorsam' der Tierschützer" lautete dieser.

Doch warum habe ich hier die männliche Form "Tierschützer" gewählt, wo es doch auch sehr viele Tierschützerinnen gibt - selbst auf der Anklagebank im nämlichen Prozess saßen zwei Frauen? Warum nicht die faire Doppelbezeichnungen "Tierschützer und Tierschützerinnen" oder "Tierschützer/innen" oder das Binnen-I. "TierschützerInnen"? Weil - erstens - die Verdopplung aufgrund ihrer Länge nicht praktikabel ist, vor allem in Titeln. Und weil - zweitens - Schrägstriche oder das Binnen-I im Print-Standard prinzipiell nicht verwendet werden: Es gab Diskussionen darüber, aber die endeten mit der Entscheidung, bei den männlich-"neutralen" Formen zu bleiben, weil Querstriche und Binnen-I‘s den Lesefluss beeinträchtigen und einen Bruch mit der deutschen Grammatik darstellen. Im Standard-Onlinebereich ist es anders.

Keine Schrägstriche, kein Binnen-I: So halten das eigentlich alle deutschsprachigen Zeitungen von einiger Verbreitung, abgesehen von der deutschen TAZ und die Schweizer WOZ. Und auch in der TAZ sind die Binnen-I's in den vergangenen Jahren seltener geworden. Wohl auch deshalb, weil sie, konsequent gedacht, eine Reihe von Folgewirkungen haben, die der Artikel-Lesbarkeit schlecht tut. Statt, zum Beispiel "Der Arzt entscheidet über die Therapie" müsste es im Grunde ja "Der/die ÄrztIn..." heißen: eine Abfolge von Unworten.

Männlich ist nicht neutral

Dennoch: Die männlichen Bezeichnungsformen sind nicht "neutral". Ihre Verwendung führt dazu, dass LeserInnen Männer, keine Frauen, vor ihrem geistigen Auge sehen, wenn es - zum Beispiel - um "Ärzte" oder auch "Politiker" geht. Die männlichen Formen stellen die heute existierende soziale Realität nicht dar, in der Frauen in allen Jobs und in den meisten sozialen Rollen anzutreffen sind - wenn auch im Vergleich zu Männern unterbezahlt, aber das ist ein anderes Thema.

Daher versucht eine Reihe JournalistenkollegInnen, Worte zu verwenden, die per se gendergerecht sind. Im vorliegenden Fall würde sich das Wort "Tierschützende" anbieten: "Rein 'ziviler Ungehorsam' der Tierschützenden": Das ist ungewohnt (was bedeutet, dass es bis zur Gewöhnung nur eine Frage der Zeit ist), aber es ist auch nicht ganz korrekt: Denn es umfasst, wie das Wort "Studierende", eigentlich nur Personen, die jetzt, in diesem Moment gerade mit Tierschutz- (oder Studier)aktivitäten beschäftigt sind. 

Bliebe der Ausweg, eine ganz andere Titelformulierung zu nehmen - was in diesem Fall wohl auch angebracht gewesen wäre. Eines jedoch zeigt das ganze Hin- und Herüberlegen auf alle Fälle: Eine wirklich faire Lösung gibt es in Sachen gendergerechten Schreibstil im Deutschen bisher keine - auch wenn das Zeitgenossen, die allein schon beim Wort "Gender" abwinken, wohl nicht als Problem sehen. (Irene Brickner, derStandard.at, 11.2.2012)

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superloser
03

"Frauen sind die erfolgreichste Opfergruppe"

Ich sage leck zu Google
04
25.2.2012, 22:45
wieso schreibt die brickner in einer zeitung wo nicht getschendert wird??

Mirabeau
15
19.2.2012, 17:48

Wenn man ständig "Volksschullehrer" sagt, hat jeder einen Mann vor Augen. Darum kommen Frauen gar nicht auf die Idee, Volksschullehrer werden zu wollen. Deshalb sind heute auch 90% der Volksschullehrer Männer.

In den angelsächsischen Ländern is das alles anders: Dort gibt es kein generisches Femininum oder Maskulinum. Dort gibt es nicht der Student und die Studentin, sondern - männlich oder weiblich - "the Student".

Fertig.

Darum ist die Situation der Frauen in angesächsischen Ländern wie England und den USA viel besser als im deutschsprachigen Raum.
50% der Vorstande, Aufsichtsräte, Firmengründer, Senatoren, Abgeordneten, Minister, Wissenschaftler, Universitätsprofessoren sind dort Frauen.
Und die verdienen genausoviel wie Männer.

!integralthinking!
01
26.2.2012, 08:05
Gute Satire.....

frusciante
32
20.2.2012, 15:17

nix verstanden, aber mitgeredet, bravo!

es gibt keine lineare kausalität zwischen gehältern und sprachgebrauch. aber sprache ändert sehr wohl die realität.
es ist eher eine frage des umgangs und von machtstrukturen. frauen werden verbal benachteiligt und bekommen gesellschaftlich einen minderen stellenwert zugeschrieben. das wirkt sich ganz real in deren lebenssituation aus. es geht nicht um das binnen-i, sondern darum, dass frauen ihre anliegen abgesprochen werden. quoten sind diskriminierung, geringere gehälter sind nur wegen der teilzeit, pensionen sind ungerecht weil frauen länger leben usw. usf.
aber dass frauen täglich schlechter behandelt werden als männer, verspottet, belächelt und ignoriert, darüber soll nicht gesprochen werden.

Mirabeau
12
20.2.2012, 21:02

"dass frauen täglich schlechter behandelt werden als männer, verspottet, belächelt und ignoriert, darüber soll nicht gesprochen werden."

Ganz im Gegenteil!
Genau darüber soll endlich gesprochen werden! Dieser ganze Pipifax mit Binnen I, man/frau/transgender dient doch nur dazu, vom totalen Versagen der Frauenpolitik abzulenken!
Eine ganze Generation von Frauen vergeudet ihre Zeit und Energie mit der von Luise Pusch aufgewärmten, längst widerlegten Saphir-Worf Hypothese.
Unterdessen teilen sich Männer die Jobs und das Geld auf.

Es gibt für Frauen zwar keine Einkommensgerechtigkeit, keine Jobs in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, aber dafür gibt es das Binnen I. und eine Heimat großer Töchter.

Ich gratratuliere. Was für ein Sieg!

eze eze
 
00
25.2.2012, 19:47

Die Sapir-Whorf-Hypothese geht weit über das hinaus, was von AnhängerInnen des Binnen-Is zugunsten des Binnen-Is vorgebracht wird, sie hat einen viel umfassenderen Anspruch. Daher folgt aus ihrer Widerlegung nicht zwingend das, was du hier daraus ableiten willst. Im übrigen: Was machst denn du konkret für Einkommensgerechtigkeit und Jobgerechtigkeit für Frauen und Männer? In welcher Weise setzt du dich dafür ein? Was sollten Frauen und/oder Männer hier deiner Meinung nach tun?

jedi31
02
19.2.2012, 11:50
Einfach das generische Femininum

statt dem Maskulinum verwenden :-)

Mirabeau
01
19.2.2012, 17:59

Ich bin dafür. Dann wird alles gut.

Posten schadet der Gesundheit
02
19.2.2012, 08:59
"wohl die Allermeisten"

das ist eine unterstellung!
ich halte die geschlechtsspezifische sprache, also das "gendering" für einen missglückten versuch sprachliche gerechtigkeit zu erzielen.
außerdem: taten statt (binnen-I) worte!

Posten schadet der Gesundheit
00
19.2.2012, 20:32
für die Allermeisten und Allermeisterinnen

ist genderunsensibel ein schreckliches Wort ohne Bedeutung

V. S.
124
15.2.2012, 18:42
>bei den männlich-"neutralen" Formen zu bleiben, weil Querstriche und Binnen-I‘s den Lesefluss beeinträchtigen und einen Bruch mit der deutschen Grammatik darstellen.

?????

DER STATUS QUO, nämlich die maskulinen Bezeicnnungen, stellen eine BRUCH mit der deutschen Grammatik dar!!
Diese unterscheidet glasklar zwischen Frauen und Männer.

Also WO, BITTESCHÖN ist das Problem??
Gerade von JournalistInnen sollte wohl erwartet werden können, dass sie der Grammatik mächtig sind.

Und "Unlesbarkeit" - da kommt mir ja nur das Kotzen. Frauen haben sich also brav und lieb zurückzunehmen, weil Texte ansonsten "schwer lesbar" sind?? Frauen haben ergo ihren Selbstwert unter jenen von geistig (Lese)schwachen anzusiedeln??

Gehts noch??

Mirabeau
10
19.2.2012, 17:57
Der Stuhl, Die Stuhllehne, Das Stuhlbein

Na wenn das kein glasklarer BRUCH mit der deutschen Grammatik ist!

LGM
34
15.2.2012, 21:35

Wenn Sie dann fertig gekotzt haben, dann überlegen Sie doch einmal, warum das generische Maskulinum einen Bruch mit der deutschen Grammatik darstellen sollte.

Der ewig überraschte Wen
00
15.2.2012, 14:46
Wenns nur die deutsche Sprache ist, die das alles SO schwer macht, wird mir jetzt einiges klar.

Grad aus dem angelsächsischen Raum kommen doch viele solche Anschläge auf die Produktivität der Deutschsprechenden.

Ein Beispiel: Wer MS-Excel kennt, kennt möglicherweise auch die englische Funktion OFFSET. In der deutschen Version muss man aber anstelle dieses kurzen Ausdrucks BEREICH.VERSCHIEBEN schreiben, was ja ziemlich abschreckend ist - und wegen Nichtverwendung dann zur erhöhten Fehleranfälligkeit von Listen führt.

Auch die Gendervorschriften bewirken ja gerade für Deutsch, dass jeder an sich sowieso schon hochkomplexer Text NOCH schwerer zu lesen ist.

Wir hecheln also auch noch FREIWILLIG einem Produktions- und Forschungsnachteil hinterher.

Immerhin hat das Frau Brickner zumindest im Bereich des Journalismus auch erkannt

Monopoly mit Hut
22
15.2.2012, 14:12
Berufsbezeichnungen

Ich bin dafür, Berufsbezeichnungen nicht dem natürlichen Geschlecht der davon betroffenen Personen anzupassen. Man SOLL gar nicht auf die Idee kommen, dass hinter eine Berufsbezeichnung nur Menschen eines Geschlechts gemeint sein könnten.

Wenn ich von "Mannschaft" lese oder von "Doktoren", "Studenten" oder "Hebammen", dann sehe ich vor meinem geistigen Auge immer Frauen und Männer. Wieso sollte ich hier plötzlich unterscheiden, wenn ich bei "im Garten spielen Kinder" und "im Park sind Spaziergänger unterwegs" nicht unterscheide?

Es wird ja auch niemand plötzlich kastriert, nur weil ich von "Biestern" spreche, oder? Das grammatikalische Geschlecht hat eben nichts mit dem natürlichen Geschlecht zu tun.

Meyer Lansky
16
15.2.2012, 13:11
Recht hat sie, die Frau Brickner.

Längst schon vermisse ich die vermutlichen BankräuberInnen, die unbekannten AutodiebInnen oder EinbrecherInnen.

Gerd2
05
19.2.2012, 17:06

Nicht zu vergessen die ganzen BürgerInnenkriege

bibabutzebaer
01
15.2.2012, 00:38
könnte mir bitte mal jemand helfen?

...ich versuch schon die ganze zeit "frauenfußballmannschaft" zu gendern...

Posten schadet der Gesundheit
01
19.2.2012, 09:03
JournalistenkollegInnen

oder doch journalistinnenkolleginnen?
journalistinnenkollegen?

Posten schadet der Gesundheit
10
19.2.2012, 20:25
jetzt hab ichs:

Posten schadet der Gesundheit
20
19.2.2012, 20:29

zu den weiblichen journalisten könnte man auch journalistinnen sagen. die weiblichen journalisten haben also journalistenkollegen und journalistinnenkollegen.
das mit der berufsbezeichnung kann man sich unter kollegen auch sparen, da diese klarerweise vom gleichen fach sind. es heißt also meinetwegen dann:
Kollegen und Kolleginnen bzw. für die gender-faschisten: KollegInnen

let's dance
 
59
14.2.2012, 16:07
Ausser Frau Brickner mit ihrem Gender - Blog und ein paar

verqueren FeministInen haben die meisten eh kein Problem damit dass die Deutsche Sprache nicht genderfreundlich ist.

Weibliche Emanzipation besteht, für mich zumindest, aus wesentlich wichtigeren Dingen als Gendering.

Frau Doktor oder Frau DoktorIn, Frau Magister vs. Frau Magistra.... etc. :-) was für ein aufgebauschter Nonsens.

eze eze
 
03
14.2.2012, 21:58

Angesichts deines Postings interessiert es mich jetzt, warum du nicht von Feministen, sondern von FeministInnen sprichst? Du bist doch gegen das Binnen-I?
Und die GrünbewerterInnen können das doch nicht alle übersehen haben, wo es doch so furchtbar den Lesefluss stört???

V. S.
51
15.2.2012, 18:45
>Angesichts deines Postings interessiert es mich jetzt

Interessant, echt.
Mich hingegen interessieren Ergüsse von geistig Unterentwickelten überhaupt nicht, sind schlicht meine zeit nicht wert.

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