Reger Waffenschmuggel vom Irak nach Syrien

13. Februar 2012, 10:42
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Clans auf beiden Seiten der Grenze - Auch irakische Islamisten sickern ein

Zu Zeiten des Irakkriegs sponnen Waffenhändler dies- und jenseits der syrischen Grenze ein dichtes Netz an Schmuggelpfaden. Tausende Waffen fanden so ihren Weg in das vom Bürgerkrieg und ethnischen Spannungen erschütterte Land an Euphrat und Tigris. Vor allem von der zentralirakischen Provinz Anbar und der nördlichen Al Kaida-Hochburg Mosul aus führen heute Schmugglerrouten in die umgekehrte Richtung: in das westliche Nachbarland Syrien, das seit Monaten einen gewaltsamen Aufstand gegen das Regime von Bashar al-Assad erlebt.

Die Solidarität mit den meist sunnitischen Aufständischen in Syrien rührt von jahrhundertealten Verstrebungen der Stämme her, die auf beiden Seiten der Grenze leben. Die New York Times hat mit Schmugglern gesprochen. Die Waffen würden überwiegend in die nördliche irakische Provinz Niniwe gebracht und dort von Familienclans auf beiden Grenzseiten nach Syrien geschmuggelt. Dort gingen sie dann weiter an die syrische Opposition. Nach 30 Jahren Krieg verfügt der Irak über riesige Waffenarsenale. Informanten zufolge steigen die Preise für die Waffen derzeit rasant an.

Islamisten vom Irak aus in Syrien eingedrungen

Aus dem Irak sind nach Regierungsangaben gewaltbereite Islamisten nach Syrien eingedrungen. "Wir haben Informationen der Geheimdienste, wonach eine gewisse Zahl irakischer Jihadisten nach Syrien gefahren ist", sagte der stellvertretende irakische Innenminister Adan al-Assadi am Samstag der Nachrichtenagentur AFP in Bagdad.

US-Zeitung: Irakische Al-Kaida hinter Bombenanschlägen in Syrien

Die US-Zeitungsgruppe McClatchy hatte zuvor unter Berufung auf nicht namentlich genannte US-Vertreter berichtet, der irakische Flügel der Terrororganisation Al-Kaida sei wahrscheinlich für die Anschläge im syrischen Aleppo sowie zwei frühere blutige Bombenanschläge in Damaskus verantwortlich.

Demnach erfolgten die Anschläge auf Anweisung von Al-Kaida-Führer Aiman al-Zawahiri. Nach Angaben der Zeitungsgruppe könnte Al-Kaida versuchen, den seit März währenden Aufstand in Syrien für sich zu vereinnahmen. Es sei das erste Mal, das der irakische Al-Kaida-Ableger außerhalb des Irak aktiv geworden sei.

Im Syrienkonflikt lehnt die unterdessen UN-Vetomacht Russland eine Diskussion über eine von Saudi-Arabien formulierte Resolution in der Vollversammlung ab. "Wir können eine Übertragung der Syrienfrage mit demselben unausgewogenen Inhalt eines Resolutionsentwurfs in die UN-Vollversammlung nicht unterstützen." Das schrieb Vize-Außenminister Gennadi Gatilow am Samstag beim Kurznachrichtendienst Twitter. Erst vor kurzem hatte Russland eine Resolution gegen seinen Partner Syrien als "einseitig" kritisiert und mit seinem Veto verhindert.

Zu einer diplomatischen Konfrontation dürfte es auch in Damaskus kommen. Die syrische Regierung ordnete die Schließung der Botschaften Libyens und Tunesiens binnen 72 Stunden an. Die beiden Staaten hatten zuvor ihrerseits syrische Diplomaten ausgewiesen. Tunesien hatte vergangene Woche der syrischen Führung von Präsident Bashar al-Assad die Anerkennung entzogen. (APA/AFP/Reuters/red)

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