Saadi Gaddafi: "Gangster" sind an der Macht
Tripolis - Libyens Nationaler Übergangsrat hat am
Samstag von der Regierung des Nachbarlandes Niger erneut die
Auslieferung des Gaddafi-Sohnes Saadi gefordert. Der Sohn des
gestürzten Machthabers Muammar al-Gaddafi müsse ebenso wie die
anderen Flüchtlinge überstellt werden, erklärte ein
Regierungssprecher in Tripolis. Zuvor hatte der 38-jährige Saadi
Gaddafi sich im arabischen Fernsehsender Al-Arabiya zu Wort gemeldet
und mit seiner Rückkehr gedroht. Jetzt hätten in seinem Heimatland
"Gangster" das Sagen, bemerkte er.
"70 Prozent der Libyer sind nicht zufrieden mit der aktuellen
Situation", sagte Gaddafi telefonisch dem Fernsehsender. Es gebe eine
Rebellion, die "sich von Tag zu Tag weiter ausbreitet" und bald das
ganze Land erfassen werde. "Ich werde nach Libyen zurückkehren",
sagte Saadi, der im August nach Niger geflohen war. Er erwähnte zudem
Kontakte mit dem Übergangsrat und verschiedenen Stämmen und Milizen.
Der Regierungssprecher wies die Angaben über die angeblichen Kontakte
mit dem Übergangsrat zurück. Im Hinblick auf eine mögliche Rückkehr
Gaddafis warnte er, jedem "unvorsichtigen Versuch" werde "mit Kraft"
begegnet werden. Der Übergangsrat wirft Saadi Gaddafi vor, sich
während seiner Zeit an der Spitze des libyschen Fußballverbands
illegal bereichert zu haben. Interpol hat einen Haftbefehl gegen ihn
ausgestellt.
Der Übergangsrat hat laut Analyse der "International Crisis Group"
nicht die Kontrolle über das kriegszerstörte Land. Mehr als 125.000
Libyer sollen unter Waffen stehen. Die Libyer bereiten sich in
diesen Tagen auf die Feiern zum ersten Jahrestag des Beginns ihres
Aufstandes gegen das Gaddafi-Regime vor. Die "Revolution des 17.
Februar" hatte die mehr als vierzigjährige Herrschaft Gaddafis
beendet, der im vergangenen Oktober von Rebellen getötet wurde. (APA)