Libyen fordert erneut Auslieferung des Gaddafi-Sohnes

11. Februar 2012, 13:28
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Saadi Gaddafi: "Gangster" sind an der Macht

Tripolis - Libyens Nationaler Übergangsrat hat am Samstag von der Regierung des Nachbarlandes Niger erneut die Auslieferung des Gaddafi-Sohnes Saadi gefordert. Der Sohn des gestürzten Machthabers Muammar al-Gaddafi müsse ebenso wie die anderen Flüchtlinge überstellt werden, erklärte ein Regierungssprecher in Tripolis. Zuvor hatte der 38-jährige Saadi Gaddafi sich im arabischen Fernsehsender Al-Arabiya zu Wort gemeldet und mit seiner Rückkehr gedroht. Jetzt hätten in seinem Heimatland "Gangster" das Sagen, bemerkte er.

"70 Prozent der Libyer sind nicht zufrieden mit der aktuellen Situation", sagte Gaddafi telefonisch dem Fernsehsender. Es gebe eine Rebellion, die "sich von Tag zu Tag weiter ausbreitet" und bald das ganze Land erfassen werde. "Ich werde nach Libyen zurückkehren", sagte Saadi, der im August nach Niger geflohen war. Er erwähnte zudem Kontakte mit dem Übergangsrat und verschiedenen Stämmen und Milizen. Der Regierungssprecher wies die Angaben über die angeblichen Kontakte mit dem Übergangsrat zurück. Im Hinblick auf eine mögliche Rückkehr Gaddafis warnte er, jedem "unvorsichtigen Versuch" werde "mit Kraft" begegnet werden. Der Übergangsrat wirft Saadi Gaddafi vor, sich während seiner Zeit an der Spitze des libyschen Fußballverbands illegal bereichert zu haben. Interpol hat einen Haftbefehl gegen ihn ausgestellt.

Der Übergangsrat hat laut Analyse der "International Crisis Group" nicht die Kontrolle über das kriegszerstörte Land. Mehr als 125.000 Libyer sollen unter Waffen stehen. Die Libyer bereiten sich in diesen Tagen auf die Feiern zum ersten Jahrestag des Beginns ihres Aufstandes gegen das Gaddafi-Regime vor. Die "Revolution des 17. Februar" hatte die mehr als vierzigjährige Herrschaft Gaddafis beendet, der im vergangenen Oktober von Rebellen getötet wurde. (APA)

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