Iran kontrolliert Internet immer stärker

11. Februar 2012, 14:02
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Nationales Internet soll in den nächsten drei Jahren zum Einsatz kommen - Auswirkungen bereits jetzt bemerkbar

Wie die Washington Post berichtet, kontrolliert das iranische Regime den Zugang zum Internet immer stärker. Ausländische Seiten werden immer öfter geblockt. Selbst eine spezielle Software, mit der es jahrelang möglich war, die iranische Firewall zu umgehen, funktioniert nicht mehr. Ein bekannter Blogger meinte zur Post: "Es scheint, als würden die Behörden die Überhand im Internet gewinnen."

Nationales Internet

Die iranische Regierung möchte mit den Maßnahmen verhindern, dass in dem Land etwas ähnliches wie im arabischen Frühling passiert und das gelingt ihnen immer besser. Doch es soll nicht bei der Blockade ausländischer Seiten bleiben. Die Regierung möchte ein nationales Internet schaffen. Dieses staatliche Intranet soll innerhalb der nächsten drei Jahre zum Einsatz kommen.

Spione aus dem Ausland

Offiziell begründet das Regime diese Maßnahmen damit, dass die USA und Israel den Iran ausspionieren wollen. Firmen wie Google, Twitter oder Microsoft sollen den Westen dabei unterstützen, das Suchverhalten, die Nutzung von sozialen Netzwerken und E-Mails der iranischen Bevölkerung zu durchscannen.

Schutz der Privatsphäre

"Sie stehlen die Informationen des Volkes und verfolgen ihre eigenen Ziele", sagte Reza Taghipour, iranischer Minister für Kommunikation und Informationstechnologie, im Jänner. "Wir brauchen das Nationale Internet, um die Privatsphäre der Familien zu schützen."

Abgeschotet

Die Behörden beschwichtigen zwar, dass es weiterhin einen Zugang zum World Wide Web geben wird und nur "schädliche" Seiten geblockt werden, aber Internetaktivisten befürchten, dass die Staatsbürger vom Rest der Welt abgeschnitten werden und unter verstärkter Beobachtung der Behörden stehen werden.

Auswirkungen bereits bemerkbar

Bereits jetzt werden Internetnutzer für ihre Onlineaktivitäten verhaftet. Ein iranisch-kanadischer Entwickler wurde zu Tode verurteilt, weil er "pornografisches Material" verteilt haben soll. Er selbst behauptet, bloß eine Upload-Seite gemacht zu haben, die von anderen missbraucht wurde. Andere Personen wurden verhaftet, weil sie über Facebook "Hot or Not"-Wettbewerbe veranstaltet haben. Ihnen wurde Anstiftung zur Prostitution vorgeworfen. (soc)

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    Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad möchte ein nationales Intranet schaffen

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