Wang Lijun nach Peking gebracht
Peking - Der ehemalige chinesische Polizeichef Wang
Lijun, der mit einem rätselhaften Besuch im US-Konsulat in Chengdu,
der Hauptstadt der Provinz Sichuan, für Aufsehen gesorgt hatte, ist
gemeinsam mit einem ranghohen chinesischen Sicherheitsbeamten nach
Peking geflogen. Laut der Reisewebsite Travelsky flog Wang bereits am
Mittwoch in die chinesische Hauptstadt. Nach Angaben einer in
Hongkong ansässigen Nichtregierungsorganisation soll der prominente
Korruptionsermittler, der unter dem Verdacht des Überlaufens steht,
in Peking verhört werden. Zuvor hatte es Spekulationen über den
Aufenthaltsort Wangs gegeben.
Wang Lijun hatte in den vergangenen Jahren mit seinem Kampf gegen
Korruption in der Stadt Chongqing (Tschungking) Bekanntheit erlangt.
Als Vizebürgermeister und Polizeichef der
30-Millionen-Einwohner-Stadt im Südwesten Chinas veranlasste er
tausende Festnahmen, von denen auch zahlreiche ranghohe Beamte
betroffen waren. In der vergangenen Woche berichteten die
chinesischen Staatsmedien, dass Wang als Chef der Behörde für
öffentliche Sicherheit entlassen worden sei.
Wenige Tage später kursierten Gerüchte im Internet, wonach Wang
das US-Konsulat in Chengdu aufgesucht habe. Demnach soll er dort
versucht haben, politisches Asyl zu beantragen. Zugleich soll er den
US-Beamten sensible Dokumente übergeben haben. Zahlreiche Polizisten
hätten das Konsulat daraufhin umstellt. Das US-Außenministerium
bestätigte zwar den Besuch Wangs im Konsulat, nicht aber den
Asylantrag. Laut dem chinesischem Außenministerium verbrachte Wang
den gesamten Montag im Konsulat. Die staatliche Nachrichtenagentur
Xinhua berichtete, die Behörden "untersuchten den Vorfall". (APA)