Feuz gewinnt Olympia-Generalprobe

11. Februar 2012, 12:44
29 Postings

Schweizer kam mit äußerst selektiver Piste in Sotschi am besten zurecht, Joachim Puchner war auf Rang sechs der beste Österreicher

Krasnaja Poljana  - Nach drei Trainingsbestzeiten hatten sich die österreichischen Abfahrer die Olympia-Generalprobe etwas anders vorgestellt. Joachim Puchner als Weltcup-Sechster mit 0,74 Sekunden Rückstand Bester des ÖSV-Teams konnte aber auch nur darüber staunen, welchen Ritt Beat Feuz an seinem 25. Geburtstag auf die extrem eisige Piste legen sollte. Er siegte vor dem Kanadier Benjamin Thomson (+0,27) und dem Franzosen Adrien Theaux (0,59).

"Das war wild. Zu sagen, dass ich das genossen hätte, wäre übertrieben", meinte der ausgepumpte Sieger nach einem ersten Durchschnaufen im Ziel. Pisten-Designer Berhard Russi hat in Krasnaja Poljana, einem Gebirgsdorf in der Region Krasnodar 70 km östlich von Sotschi, eine Abfahrt geschaffen, die einen würdigen Olympiasieger hervorbringen wird. Das wurde bei der Premiere klar. Ähnlich einem Super-G ging es sehr kurvig los, anschließend boten zahlreiche Sprünge Herausforderungen. Karl Schranz sprach gar von einer "Schanzen-Tournee".

Feuz, machte im Disziplinweltcup viele Punkte gut, liegt nur noch 27 Zähler hinter dem Führenden Didier Cuche (12.) und einen hinter dem Steirer Klaus Kröll (8.). Im Gesamtweltcup rückte er bis auf 50 Punkte an Ivica Kostelic heran."Ein viel schöneres Geschenk zum Geburtstag als den Sieg heute gibt es nicht", meinte Feuz. "Mir ist ein sehr guter Lauf geglückt. Den Abfahrts-Weltcup hatte ich nie ganz abgeschrieben, so einfach gebe ich nicht auf."

Beats Winter

Dass er für Olympia 2014 nun ein heißer Goldmedaillen-Kandidat ist, interessiert ihn noch nicht. "An Olympia denke ich heute noch nicht, vielleicht gibt es ja noch Veränderungen. Es ist aber schon schön, dass man auf der Olympiastrecke gewinnen kann, es kann nichts Besseres geben, als das letzte Rennen vor Olympia hier zu gewinnen", erklärte der nun vierfache Weltcupsieger. 

Puchner ärgerte sich gleich nach seiner Fahrt über einen Fehler im oberen Teil, er hatte gespürt, dass es für noch weiter vorne reichen hätte können. "Ich habe einen Schlag erwischt und Höhe und Speed verloren. Der Mittelteil war super", rekapitulierte der 24-Jährige, der sich nach dem ersten Grant über seine Steigerung auf solch anspruchsvollen und eisigen Pisten freute. "Ich hatte keine Angst, aber großen Respekt. Gestern hatte ich Kopfweh vom Durchschütteln."

Für Kröll kam nach den schlechten Trainingsleistungen und seinen Problemen mit Materialabstimmung und Pistenbedingungen der Top-Ten-Platz für Kröll einer "Schadensbegrenzung" gleich. Es war eine zähe Sache, noch unruhiger als gestern", meinte er. 

Die Härte

Das größte Problem für die Rennläufer waren am Samstag weder Streckenführung noch Sprünge, sondern die Präparierung. Beim bisher einzigen Test, einem Rennen im zweitklassigen Europacup, war die Piste sehr weich gewesen, die Beobachter mokierten sich damals über eine "viel zu leichte" Strecke. Diesmal aber hatten die Verantwortlichen dreimal mit Wasser präpariert. Die Folge: viele Schläge auf einer knüppelharten, spiegelglatten Fläche. Dazu kamen Stellen, an denen die Skier plötzlich Grip hatten. Neun von 57 Startern kamen nicht ins Ziel, darunter Super-G-Weltmeister Christof Innerhofer.

Reichelt "kämpft wie ein Löwe"

Der im Training so starke Hannes Reichelt lag bis zur Hälfte der Strecke auf Siegeskurs, wurde in der Endabrechnung aber nur Neunter (+1,11). "Er hat gekämpft wie ein Löwe und leider in einer Kurve alle vergeben", meinte ÖSV-Sportdirektor Hans Pum, der angesichts des gesamt gesehen schlechtesten Abfahrts-Ergebnisses in dieser Saison nicht gerade in Jubel ausbrach.

Reichelt wusste, woran es bei ihm lag. "Ich bin in der Kurve draufgegangen, habe mich reingelegt, da hatte ich kein Tempo mehr. Oben war es eine gute Fahrt. Schade also." Die nach drei Trainings immer stärker herausgekommenen Schläge waren wahrlich kein Honigschlecken: "Ich bin froh, dass ich gesund herunten bin. Ich habe mich von oben bis unten gefürchtet. Da schlägt es dir die Knie um die Ohrwascheln." Romed Baumann kam auf Platz 14 (1,55), Georg Streitberger auf 25 (2,11), Max Franz auf 27 (2,46) und Mario Scheiber auf 30 (2,68). 

Erfreute FIS

Organisatorisch klappte in Krasnaja Poljana alles zu bester Zufriedenheit. "Im alpinen Bereich könnte Olympia schon morgen starten", meinte FIS-Generalsekretären Sarah Lewis. "Ich bin wirklich sehr, sehr zufrieden. Und das sage ich nicht einfach so. Für einen allerersten Weltcup im Alpinskifahren, auch wenn das Land viel Sporterfahrung hat, haben sie das exzellent hinbekommen", meinte die Engländerin. (APA/sid/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Hans Olsson auf dem Eislaufplatz namens "Rosa Chutor".

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Feuz feiert seinen vierten Weltcup-Sieg.

Share if you care.