Auch Schulen und Universitäten geschlossen - Verkehrsnetz in Rom aufgrund von Kälte zusammengebrochen
Belgrad - Heftige Schneefälle haben große Teile der
Balkanhalbinsel am Samstag in neues Chaos gestürzt. Um Strom zu sparen, bestimmte die serbische Regierung die nächste
Woche als arbeitsfrei. Staatsunternehmen und Behörden bleiben
geschlossen, private Firmen sollten ihren Mitarbeitern ebenfalls
freigeben. "Wir reden über die Gefahr, dass das Stromsystem
auseinanderfliegt", begründeten die Behörden ihren Schritt.
Heizkraftwerke liefen an ihren Kapazitätsgrenzen. 50.000 Menschen waren am Samstag in Serbien eingeschneit, teilte der Leiter des Notfallstabes,
Predrag Maric, in Belgrad mit. 19 Kältetote seien bisher
seit Beginn der Extremtemperaturen zu beklagen. Unzählige Straßen
seien nach wie vor nicht zu befahren.
In der
montenegrinischen Hauptstadt Podgorica fiel ein halber Meter Schnee.
In Serbien und Bosnien-Herzegowina dürfen Schüler und Studenten nach
der freien vergangenen Woche auch in den kommenden sieben Tagen zu
Hause bleiben, beschlossen die Regierungen beider Länder. In der Nähe der Stadt Kolasin (nördlich Podgoricas) waren Dutzende Reisende in einem Zug gefangen,
nachdem eine Lawine die Schienen blockiert hatte.
Eine dicke Eisdecke legte in Bulgarien die Schifffahrt auf der
Donau lahm. Bei der Donaustadt Silistra im Osten war der Fluss
komplett zugefroren, wie die bulgarische Donaubehörde am Samstag
mitteilte. In dem Balkanland starben nach Medienangaben bisher mehr
als 20 Menschen in der Kälte. Zudem ertranken im Süden des Landes
zehn Menschen bei Überschwemmungen, die von übergelaufenen Stauseen
und Flüssen verursacht wurden.
Chaos in Italien
Die extreme Kältewelle, die Italien seit Anfang Februar fest im Griff
hat, betrifft immer stärker auch Mittel- und Süditalien und sorgte am
Samstag für Chaos im Flugverkehr. Auf dem römischen Flughafen Fiumicino
wurden nach heftigen Schneefällen am Samstag 60 Flüge gecancelt. Am
Freitagabend waren bereits 20 Flüge gestrichen worden, 2.000 Passagiere
mussten die Nacht am Airport verbringen.
Auch auf dem römischen
Flughafen Ciampino wurden Engpässe und Verspätungen gemeldet. Die
Flughäfen von Rimini und Alghero auf Sardinien wurden geschlossen. Bei
den Bahnverbindungen kam es in mehreren Regionen des Landes zu
erheblichen Schwierigkeiten.
Das extreme Winterwetter belastet
verstärkt auch Süditalien. In Neapel wurden alle Kirchen offen gehalten,
um Obdachlosen Schutz zu bieten. Schnee wurde sogar auf der Insel
Pantelleria zwischen Sizilien und Tunesien, sowie in Kalabrien gemeldet.
Tannheim kältester Ort Österreichs
In 259 Orten Österreichs sind die Temperaturen in
der Nacht auf Samstag unter minus zehn Grad gelegen. Der tiefste Wert
mit minus 25,3 Grad wurde laut Zentralanstalt für Meteorologie und
Geodynamik (ZAMG) auf der Wetterstation in der Tiroler Gemeinde
Tannheim (Bezirk Reutte) auf 1.100 Meter Seehöhe gemessen. Die
wärmste Nacht wurde - wie schon in der vergangenen Nacht - mit erneut
minus 9,1 Grad im Kärntner Gmünd gemessen. Zu Wochenbeginn halten die
Meteorologen tagsüber "zarte" Plusgrade für möglich.
Selbst im Flachland, etwa im niederösterreichischen Raabs an der
Thaya im Bezirk Waidhofen auf 459 Metern Seehöhe, zeigte das
Quecksilber frostige minus 23,2 Grad. Anhaltend kalt war es auch in
Gars am Kamp (Waldviertel, 267 Meter Seehöhe) mit minus 21,9 Grad
oder in Güssing (Burgenland, 219 Meter Seehöhe) mit minus 21,1 Grad.
Lawinenwarnstufe 3
Auf verbreitet erhebliche Lawinengefahr, die
Stufe "3" der fünfteiligen Skala, haben am Samstag die Experten des
Tiroler Lawinenwarndienstes hingewiesen. Wintersportler sollen vor
allem oberhalb der Waldgrenze auf kürzlich gebildete
Triebschneeansammlungen achten, die bereits in mäßig steilem Gelände
leicht durch geringe Zusatzbelastung zu stören seien. Zudem stellten
nach wie vor Gleitschneelawinen ein Gefahrenpotenzial dar.
Diese könnten trotz eisiger Temperaturen auf steilen Wiesenhängen
abgleiten und dabei durchwegs mittlere Größe erreichen. Auch harte,
tragfähige Schneeoberflächen stünden derzeit "unter Spannung", wie
Lawinenereignisse der vergangenen Tage bestätigten.
Triebschneepakete würden sich in kammnahem Gelände der Exposition
Süd über West bis Nord sowie in Rinnen und Mulden aller Expositionen
befinden. Diese erst kürzlich gebildeten Triebschneeansammlungen
seien allgemein schlecht mit der Altschneedecke verbunden. (APA)