Arbeitsfreie Woche zum Stromsparen in Serbien

11. Februar 2012, 10:27
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Auch Schulen und Universitäten geschlossen - Verkehrsnetz in Rom aufgrund von Kälte zusammengebrochen

Belgrad - Heftige Schneefälle haben große Teile der Balkanhalbinsel am Samstag in neues Chaos gestürzt. Um Strom zu sparen, bestimmte die serbische Regierung die nächste Woche als arbeitsfrei. Staatsunternehmen und Behörden bleiben geschlossen, private Firmen sollten ihren Mitarbeitern ebenfalls freigeben. "Wir reden über die Gefahr, dass das Stromsystem auseinanderfliegt", begründeten die Behörden ihren Schritt. Heizkraftwerke liefen an ihren Kapazitätsgrenzen. 50.000 Menschen waren am Samstag in Serbien eingeschneit, teilte der Leiter des Notfallstabes, Predrag Maric, in Belgrad mit. 19 Kältetote seien bisher seit Beginn der Extremtemperaturen zu beklagen. Unzählige Straßen seien nach wie vor nicht zu befahren.

In der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica fiel ein halber Meter Schnee. In Serbien und Bosnien-Herzegowina dürfen Schüler und Studenten nach der freien vergangenen Woche auch in den kommenden sieben Tagen zu Hause bleiben, beschlossen die Regierungen beider Länder. In der Nähe der Stadt Kolasin (nördlich Podgoricas) waren Dutzende Reisende in einem Zug gefangen, nachdem eine Lawine die Schienen blockiert hatte.

Eine dicke Eisdecke legte in Bulgarien die Schifffahrt auf der Donau lahm. Bei der Donaustadt Silistra im Osten war der Fluss komplett zugefroren, wie die bulgarische Donaubehörde am Samstag mitteilte. In dem Balkanland starben nach Medienangaben bisher mehr als 20 Menschen in der Kälte. Zudem ertranken im Süden des Landes zehn Menschen bei Überschwemmungen, die von übergelaufenen Stauseen und Flüssen verursacht wurden.

Chaos in Italien

Die extreme Kältewelle, die Italien seit Anfang Februar fest im Griff hat, betrifft immer stärker auch Mittel- und Süditalien und sorgte am Samstag für Chaos im Flugverkehr. Auf dem römischen Flughafen Fiumicino wurden nach heftigen Schneefällen am Samstag 60 Flüge gecancelt. Am Freitagabend waren bereits 20 Flüge gestrichen worden, 2.000 Passagiere mussten die Nacht am Airport verbringen.

Auch auf dem römischen Flughafen Ciampino wurden Engpässe und Verspätungen gemeldet. Die Flughäfen von Rimini und Alghero auf Sardinien wurden geschlossen. Bei den Bahnverbindungen kam es in mehreren Regionen des Landes zu erheblichen Schwierigkeiten.

Das extreme Winterwetter belastet verstärkt auch Süditalien. In Neapel wurden alle Kirchen offen gehalten, um Obdachlosen Schutz zu bieten. Schnee wurde sogar auf der Insel Pantelleria zwischen Sizilien und Tunesien, sowie in Kalabrien gemeldet.

Tannheim kältester Ort Österreichs

In 259 Orten Österreichs sind die Temperaturen in der Nacht auf Samstag unter minus zehn Grad gelegen. Der tiefste Wert mit minus 25,3 Grad wurde laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) auf der Wetterstation in der Tiroler Gemeinde Tannheim (Bezirk Reutte) auf 1.100 Meter Seehöhe gemessen. Die wärmste Nacht wurde - wie schon in der vergangenen Nacht - mit erneut minus 9,1 Grad im Kärntner Gmünd gemessen. Zu Wochenbeginn halten die Meteorologen tagsüber "zarte" Plusgrade für möglich.

Selbst im Flachland, etwa im niederösterreichischen Raabs an der Thaya im Bezirk Waidhofen auf 459 Metern Seehöhe, zeigte das Quecksilber frostige minus 23,2 Grad. Anhaltend kalt war es auch in Gars am Kamp (Waldviertel, 267 Meter Seehöhe) mit minus 21,9 Grad oder in Güssing (Burgenland, 219 Meter Seehöhe) mit minus 21,1 Grad.

Lawinenwarnstufe 3

Auf verbreitet erhebliche Lawinengefahr, die Stufe "3" der fünfteiligen Skala, haben am Samstag die Experten des Tiroler Lawinenwarndienstes hingewiesen. Wintersportler sollen vor allem oberhalb der Waldgrenze auf kürzlich gebildete Triebschneeansammlungen achten, die bereits in mäßig steilem Gelände leicht durch geringe Zusatzbelastung zu stören seien. Zudem stellten nach wie vor Gleitschneelawinen ein Gefahrenpotenzial dar.

Diese könnten trotz eisiger Temperaturen auf steilen Wiesenhängen abgleiten und dabei durchwegs mittlere Größe erreichen. Auch harte, tragfähige Schneeoberflächen stünden derzeit "unter Spannung", wie Lawinenereignisse der vergangenen Tage bestätigten.

Triebschneepakete würden sich in kammnahem Gelände der Exposition Süd über West bis Nord sowie in Rinnen und Mulden aller Expositionen befinden. Diese erst kürzlich gebildeten Triebschneeansammlungen seien allgemein schlecht mit der Altschneedecke verbunden. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Stillstand in Rom.

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