Zahlreiche Grenzkonflikte weiter ungelöst
Addis Abeba - Der Sudan und der Südsudan haben unter
Vermittlung der Afrikanischen Union (AU) einen Nichtangriffspakt
geschlossen. Das Abkommen wurde am Freitag in der äthiopischen
Hauptstadt Addis Abeba von den Geheimdienstchefs der beiden Länder,
Mohammed Atta und Thomas Douth, unterzeichnet. Darin verpflichten sie
sich, ihre Souveränität und territoriale Integrität gegenseitig zu
achten und sich jedes Angriffs zu enthalten. Zwischen den beiden
Staaten bestehen zahlreiche Grenzkonflikte. Seit der Sezession des
Südens im Vorjahr ist die Situation an der Grenze angespannt. Der
Norden wirft dem Süden vor, bewaffnete Rebellen zu unterstützen. Um
Konflikte zu verhindern, soll für Grenzstreitigkeiten künftig eine
gemeinsame Kommission zuständig sein.
Das Abkommen war von dem Chefvermittler der Afrikanischen Union,
dem früheren südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki, in die Wege
geleitet worden. Es sei nun an den beiden Staaten zu handeln, sagte
Mbeki. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon erklärte, es sei für beide
Staaten an der Zeit, Kompromisse einzugehen, um eine friedliche
Zukunft zu garantieren. Am Samstag sollten die Verhandlungen in Addis
Abeba fortgesetzt werden. Im Zentrum sollte der Streit um die
Ölförderung und die Ölpipelines stehen. Mit der durch Referendum
beschlossenen Abspaltung des Südens verlor der Sudan rund zwei
Drittel seiner Ölquellen.
Der sudanesische Staatschef Omar al-Bashir, gegen den vom Haager
Internationalen Strafgerichtshof Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen
und Verbrechen gegen die Menschlichkeit erlassen wurde, hatte dem
Süden wegen der Unruhen in der Region Abyei wiederholt mit Krieg
gedroht. In einer Volksabstimmung im Jänner 2011 hatte sich die
Bevölkerung des christlichen und animistischen Südens mit
überwältigender Mehrheit für die Loslösung vom arabisch-muslimischen
Norden entschieden. Ein ursprünglich ebenfalls für Jänner geplant
gewesenes Referendum in der Abyei-Region wurde abgesagt, weil sich
der Norden und der Süden nicht über den Kreis der Stimmberechtigten
einigen konnten. Stammesvertreter aus der Region Abyei warfen der
Regierung in Khartum vor, bewaffnete arabische Milizen auf die
einheimische Bevölkerung loszulassen.
Der verheerende sudanesische Bürgerkrieg, der über zwei Millionen
Menschen das Leben kostete, war 1983 nach der Einführung der
islamischen Rechtsprechung auch für Nichtmuslime ausgebrochen. Im
Süden organisierte die "Sudanesische Volksbefreiungsarmee" (SPLA)
unter der Führung von John Garang den Widerstand gegen das islamische
Regime in Khartum. Erst 2005 wurde in Nairobi ein Friedensabkommen
unterzeichnet, das umfangreiche Autonomierechte für den Süden und die
Option einer Loslösung vom Norden vorsah. Das Abkommen bildete die
Grundlage für das Unabhängigkeits-Referendum. (APA)