Niederösterreicher bezwingt die russische Nummer eins Alex Bogomolow jr. in vier Sätzen und sorgt für eine komfortable Führung
Wr. Neustadt - Österreichs Davis-Cup-Team hat am Samstag im Doppel
schon "Matchball" auf den ersten Viertelfinaleinzug in der Weltgruppe seit 17
Jahren. Andreas Haider-Maurer stellte am Freitagabend in der Arena Nova in Wr.
Neustadt mit einem überraschenden 6:1,6:4,6:7(1),6:2-Sieg über Alex Bogomolow
jr. nach 2:28 Stunden im Länderkampf mit Russland die 2:0-Führung her. Der
24-jährige Niederösterreicher feierte bei seiner Davis-Cup-Heim-Premiere gleich
einen Erfolg.
Die ÖTV-Truppe hat damit in den ausständigen drei Partien drei Möglichkeiten,
den noch erforderlichen dritten Punkt zum Aufstieg in die Runde der besten acht
Nationen der Welt zu holen. Die Basis dafür hatte Jürgen Melzer gelegt. Der
30-jährige Niederösterreicher rang vor rund 3.500 Zuschauern Igor Kunizyn nach
einem 4:04-Stunden-Marathon mit 6:2,6:7(3),6:4,3:6,6:1 nieder. Am Samstag haben
es Oliver Marach und Alexander Peya in der Hand, mit einem Sieg im Doppel den
Russen den Gang ins Play-off zu bescheren.
Kasachstan oder Spanien
Sollte sich Österreich durchsetzen, dann trifft die Truppe von Neo-Kapitän
Clemens Trimmel vom 6. bis 8. April entweder auswärts auf Spanien oder zu Hause
auf Kasachstan. Die Spanier führen übrigens nach dem ersten Tag (ohne Rafael
Nadal und David Ferrer) auch mit 2:0.
"Ich denke, das war vielleicht mein größter Sieg. Weltgruppe, das erste Mal
Davis Cup im eigenen Land - ich muss sehr zufrieden sein. Ich habe in den ersten
eineinhalb Sätzen sicher mein bestes Tennis gespielt", freute sich
Haider-Maurer, der seine Trainingsleistungen im Verlauf dieser Woche perfekt ins
Match umgesetzt hatte.
Russisches Comeback
Nach einer soliden 2:0-Satzführung gelang es Bogomolow dann doch noch, eine
"Verlängerung" zu erzwingen. Der Russe, der bei seinem ersten Davis Cup mit
enormen Druck auf den Platz gegangen war, gewann den Tiebreak sicher. "Im
dritten Satz, bevor man es zumachen muss, bin ich ein bisserl verkrampfter
geworden", gestand Haider-Maurer, der schon mit 4:3 und Break vorangelegen war.
"Aber im vierten Satz habe ich mich zum richtigen Moment wieder erfangen und
habe aktiv gespielt."
Melzer hatte durch seinen Erfolg Bogomolow bei dessen Davis-Cup-Premiere
Druck gegeben und Haider-Maurer wohl auch den Rücken gestärkt. "Ja, das war
extrem wichtig auch für das gesamte Team. Es war eine Partie, in der ich Favorit
war. Wenn wir den Länderkampf gewinnen wollen, dann muss ich die Partie
gewinnen", meinte ein glücklicher Melzer, der seinen Sieg gegen Kunizyn auf dem
Platz überschwänglich gefeiert hatte . "Ich habe versucht, die Fehlerquote
niedriger zu halten als die Winner-Quote und über fünf Sätze ist sich das auch
ausgegangen."
Melzer geschont
Zwar hat ihm der verloren zweite Satz nach drei Sätzbällen weh getan, "aber
da hat er die ganze Zeit an seinem Limit gespielt." Melzer selbst glaubte nicht
an einen Einsatz im Doppel am Samstag. "Ich habe da heute alles draußen
gelassen, mehr habe ich nicht im Tank gehabt. Ich habe eine ziemliche Blase auf
der kleinen Zehe aufgerissen, das ist sehr blutig, aber bis Sonntag ist das
okay."
Kapitän Trimmel meinte zwar später, dass er die Aufstellung vornimmt, doch
wird er wohl Melzers Kräfte schonen, sollte er zum vielleicht entscheidenden
Einzel am Sonntag einlaufen müssen. Trimmel jedenfalls freute sich über seinen
tollen ersten Tag auf der Bank.
"Wir haben sehr gut gearbeitet diese Woche und waren für alle möglichen
Gegner vorbereitet. Das hat sich bezahlt gemacht, aber wir sind noch lange nicht
durch", warnte der Neo-Kapitän. "Für den Sieg braucht man drei Punkte. Ich habe
das dem Team auch gesagt: freut euch einmal zehn Minuten, dann beginnt der Fokus
für morgen." Er ließ dann aber doch auch seine Gefühlslage erkennen. "Einen
schöneren Start gibt es nicht, aber jetzt müssen wir die Emotionen runterfahren.
In der Weltgruppe geht es zu eng her, dass wir jetzt schon sagen könnten, da
sind wir durch."(APA)