Doch Ausnahme für kirchliche Organisationen
Washington - US-Präsident Barack Obama wollte kirchliche
Einrichtungen zwingen, Mitarbeiterinnen Verhütungsmittel zu bezahlen
- jetzt rudert er nach scharfer Kritik zurück. Vor allem Konservative
und die katholische Kirche laufen gegen die Regelung Sturm. Obama bot
nun am Freitag einen Kompromiss an: Danach sollen Organisationen mit
religiösem Hintergrund wie Krankenhäuser oder wohltätige Stiftungen
eine Ausnahme von der Verpflichtung erhalten, Mitarbeiterinnen die
Erstattung von Verhütungsmitteln zu bezahlen.
Der republikanische Parlamentspräsident John Boehner hatte mit
Blick auf die Regelung von einem "unzweideutigen Angriff auf die
Religionsfreiheit" gesprochen. Durch seinen Kompromissvorschlag werde
nun die freie Ausübung des Glaubens geschützt, während Frauen
weiterhin unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund kostenlosen
Zugang zu Mitteln zur Empfängnisverhütung hätten, sagte Obama.
Kompromiss
Die US-Regierung hatte vorigen Monat verkündet, dass als Teil von
Obamas Gesundheitsreform auch kirchliche Arbeitgeber die Erstattung
von Verhütungsmitteln für ihre weiblichen Beschäftigten gewährleisten
müssen - als Teil der Gesundheitsvorsorge für Frauen. Direkt in
Gotteshäusern Beschäftigte sind davon ausgenommen. Alle anderen
Organisationen müssen der Regelung bis August 2013 nachkommen.
Mit dem Kompromiss Obamas werden nun die kirchlichen Arbeitgeber
umgangen. Sollte eine Einrichtung Bedenken haben, müssen künftig
Krankenversicherungen auf weibliche Angestellte zugehen und ihnen
direkt kostenlosen Zugang zur Pille anbieten. "Die kirchliche
Einrichtung wird dadurch für Verhütungsmittel weder zahlen, noch sie
zur Verfügung stellen", erläuterte der US-Präsident.
An den Protesten gegen die Regelung hatten sich auch Demokraten
und Befürworter von Empfängnisverhütung beteiligt, die dadurch die in
den USA besonders hoch geachtete Religionsfreiheit in Gefahr sahen.
Umgekehrt hatten nach einem Bericht der Zeitung "USA Today" 600 Ärzte
und Medizinstudenten einen Brief an Obama und Gesundheitsministerin
Kathleen Sebelius mit der Forderung gesandt, an der ursprünglichen
Regelung festzuhalten. (APA)