Obama gibt im Streit um kostenlose Pille nach

10. Februar 2012, 19:25

Doch Ausnahme für kirchliche Organisationen

Washington - US-Präsident Barack Obama wollte kirchliche Einrichtungen zwingen, Mitarbeiterinnen Verhütungsmittel zu bezahlen - jetzt rudert er nach scharfer Kritik zurück. Vor allem Konservative und die katholische Kirche laufen gegen die Regelung Sturm. Obama bot nun am Freitag einen Kompromiss an: Danach sollen Organisationen mit religiösem Hintergrund wie Krankenhäuser oder wohltätige Stiftungen eine Ausnahme von der Verpflichtung erhalten, Mitarbeiterinnen die Erstattung von Verhütungsmitteln zu bezahlen.

Der republikanische Parlamentspräsident John Boehner hatte mit Blick auf die Regelung von einem "unzweideutigen Angriff auf die Religionsfreiheit" gesprochen. Durch seinen Kompromissvorschlag werde nun die freie Ausübung des Glaubens geschützt, während Frauen weiterhin unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund kostenlosen Zugang zu Mitteln zur Empfängnisverhütung hätten, sagte Obama.

Kompromiss

Die US-Regierung hatte vorigen Monat verkündet, dass als Teil von Obamas Gesundheitsreform auch kirchliche Arbeitgeber die Erstattung von Verhütungsmitteln für ihre weiblichen Beschäftigten gewährleisten müssen - als Teil der Gesundheitsvorsorge für Frauen. Direkt in Gotteshäusern Beschäftigte sind davon ausgenommen. Alle anderen Organisationen müssen der Regelung bis August 2013 nachkommen.

Mit dem Kompromiss Obamas werden nun die kirchlichen Arbeitgeber umgangen. Sollte eine Einrichtung Bedenken haben, müssen künftig Krankenversicherungen auf weibliche Angestellte zugehen und ihnen direkt kostenlosen Zugang zur Pille anbieten. "Die kirchliche Einrichtung wird dadurch für Verhütungsmittel weder zahlen, noch sie zur Verfügung stellen", erläuterte der US-Präsident.

An den Protesten gegen die Regelung hatten sich auch Demokraten und Befürworter von Empfängnisverhütung beteiligt, die dadurch die in den USA besonders hoch geachtete Religionsfreiheit in Gefahr sahen. Umgekehrt hatten nach einem Bericht der Zeitung "USA Today" 600 Ärzte und Medizinstudenten einen Brief an Obama und Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius mit der Forderung gesandt, an der ursprünglichen Regelung festzuhalten. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 38
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Muffel
 
00
16.2.2012, 09:20
So lange die Kirchen vom Staat einen Haufen Geld nachgeschmissen bekommen, solange haben sie sich auch gefälligst nach dessen Regeln zu richten!

So einfach ist das!

legal eagle
 
23
11.2.2012, 17:03
religionsfreiheit - my ass.

die religiösen arbeitgeber haben sich hier ganz einfach ein ausnahme herausgetrotzt.

es gibt nichts verlogeneres als einen republikaner, der das ross des kulturkampfs reitet. ich wette, john boehner hat nichts dagegen wenn seine tochter die pille nimmt.

anders ausgedrückt: if the pope could get pregnant, contraception would be a sacrament.

Settembrini
22
11.2.2012, 16:17
Die USA

Was für ein bescheuertes Land. Scheinheilig bis zum Erbrechen. Angeblich frei. Das heißt, jeder hat die Freiheit, drei warme Mahlzeiten pro Tag zu erwerben, ein Kleinflugzeug zu kaufen, zu reisen, zu jedwedem Gott zu beten, in einer Limousine Champagner zu trinken und sich privat krankenzuversichern. Formal frei. Nur, daß er es sich halt nicht leisten kann, weil ein hilflos überforderter Präsidentenhampelmann bei gleichzeitiger Steuersenkung für die Heuschrecken einen überflüssigen Krieg auf Pump führt. Ich war lange genug dort, um zu sagen: Vorurteile sind gelebte Erfahrung.

tho_mi
01
11.2.2012, 15:48

http://politicalcompass.org/images/us... s_2008.png

Nur mal so als Denkanstoß bzgl. Obama und Sozi... und ja, mir ist natürlich klar, dass die Grafik nicht zu 100% passen wird, aber das muss sie auch nicht.

Walter KURTZ
 
40
11.2.2012, 09:21

"Obama gibt im Streit um kostenlose Pille nach"

Nope. Denn sonst hätte die Regelung ganz anders ausgesehen. Und nicht umsonst laufen die Bischöfe (die sonst recht unpolitisch sind) noch immer Sturm.
Und seine Wortwahl ("accommodation" ) läßt auch zu wünschen übrig - da hat er wieder einmal nicht verstanden, worum es geht...

Muffel
 
10
16.2.2012, 09:25
Ach, im Gegensatz zur Wortwahl der Rechten, die sogar wieder mal mit irgendwelchen bescheuerten Nazivergleichen daherkommen?!

Jon Stewart hat's ja schön gesagt: wenn's mal nicht 100% so läuft wie es die Rechten wollen, dann schreien sie gleich, sie werden unterdrückt.

Ein Kompromiss heißt bei denen ja: Ihr tut genau was wir wollen, und wir tun genau was wir wollen!

Im übrigen kassieren die US-Kirchen jede Menge Geld vom Staat - dann sollen sie auch gefälligst die Klappe halten und Ruhe geben. Wer zahlt schafft an!

Walter KURTZ
 
00
16.2.2012, 10:27

Oje, von der US Verfassung keine Ahnung, aber bloß Jon Stewart nachplappern können...

legal eagle
 
12
11.2.2012, 17:05

doch, das hat er sehr gut verstanden - es geht um die stimme praktisch jeder mittelstandsfrau zwischen dem legalen wahlalter und ca. 50.

und um die stimmen ihrer mütter und großmütter.

und um die stimmen einiger männer, die genug von der republikanischen heuchelei haben.

Walter KURTZ
 
30
11.2.2012, 19:03

Sie haben es offenbar auch nicht kapiert...

a grinch in the matrix
01
12.2.2012, 07:46

und sie beziehen ihre infos offenbar nur aus den meinungssendungen von fox news.

Walter KURTZ
 
20
12.2.2012, 13:16

Hach "Fox News". Immer wenn das kommt, ist das ein offensichtliches Zeichen, daß derjenige keine Ahnung und noch weniger Argumente hat...

Muffel
 
10
16.2.2012, 09:28

Damit SIe mal eine andere Quelle haben.
Hier wird sehr schön zusammengefasst was es dazu zu sagen gibt:
http://www.thedailyshow.com/watch/mon... ideologues
http://www.thedailyshow.com/watch/mon... usage-fest

Walter KURTZ
 
00
16.2.2012, 10:24

"The Daily Show" als Informationsquelle - das ist jetzt aber nicht ihr ernst oder?

Muffel
 
00
16.2.2012, 10:34
Vielleicht vorher ansehen, dann urteilen

Die Fakten die in dem Clip aufgezählt werden stimmen nämlich trotzdem.
(Natürlich werden Sie auf Ihrem Comedy-Sender Fox News nicht viel davon hören.)

a grinch in the matrix
01
13.2.2012, 09:36

nun ja, kann sein, dass sie hier und da auch op eds im wall street journal lesen - so unoriginell wie ihre einwände hier immer sind.

das ist fix
71
11.2.2012, 08:13
Schwangerschaft ist keine Krankheit

"Verhütungsmitteln für ihre weiblichen Beschäftigten gewährleisten müssen - als Teil der Gesundheitsvorsorge für Frauen."

Wie bitte?
Obama meint, dass Schwangerschaft eine Krankheit sei, und deshalb die Verhinderung derselben Teil der Gesundheitsvorsorge sein müsse?

Annata
00
17.2.2012, 17:04
Es heist Gesundheitsversorgung (Healthcare)

Nicht Krankheitsverhinderung, daher ist es sehr wohl angebracht, dass man Schwangerschaft mit ein bezieht.

legal eagle
 
00
11.2.2012, 17:06
die begrenzung der zahl von schwangerschaften ist sehr wohl eine sache der frauengesundheit.

aber das werden konservative nie so richtig kapieren.

Mahnende Stimme
22
11.2.2012, 09:05

Und was wäre dann eine ungewollte und/oder Risiko-Schwangerschaft? Wohl doch wieder Gesundheitsgefährdend.
Außerdem ist kostenloser Zugang zu Verhütungsmitteln auch für sozial Schwache ein positiver Teil des sonst ohnehin nicht gerade umwerfenden amerikanischen Gesundheits- und Sozialsystems.

Hansi Huber
32
11.2.2012, 07:54
Umgefallen

und vor Fundamentalisten auf die Knie gegangen. Change? No we can't.

das ist fix
00
11.2.2012, 08:15

Es ist aber auch ein eigenartiges Ansinnen, den Arbeitgeber den Verhütung bezahlen zu lassen.

"Obama wollte kirchliche Einrichtungen zwingen, Mitarbeiterinnen Verhütungsmittel zu bezahlen"

legal eagle
 
00
11.2.2012, 17:09

obama zwingt (sehr viel mehr) arbeitgeber, verhütungsmittel zu zahlen. darunter fallen eben auch religiöse arbeitgeber.

es wäre übrigens höchste zeit, dass auch in ö hormonelle und intrauterine kontrazeption von der sozialversicherung getragen wird.

Pareidolic
00
11.2.2012, 14:29

Dass die Arbeitgeber die Krankenvorsorge (mit) bezahlen ist durchaus üblich. Dass die Krankenvorsorge die Pille übernimmt ist auch üblich. Und um nichts anderes geht es.

Walter J. Ferstl
10
11.2.2012, 05:47
Das werden die Liberalen mit Interesse, wenn auch mit wenig Begeisterung vernehmen.

Die liberalen Wähler, deren Stimmen Obama im November haben will, weil er sie unbedingt braucht.

Raptor Jesus
10
11.2.2012, 03:47
Demokraten suchen immer den Kompromiss.

Die können nicht anders. Wenn die ihre Dinger anfangen durchzusetzen, droht der USA schon wieder die Sezession von den sogenannten Patrioten.

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